Was man über die linksextreme Szene in Reutlingen weiß

Ermittler stehen am Umspannwerk in Reutlingen.
Christoph Schmidt/dpa
Bei dem Feuer in einem Umspannwerk in Reutlingen sehen Fachleute Ähnlichkeiten zu mutmaßlich linksextremistischen Brandanschlägen auf die Stromversorgung in Berlin. Auch in Reutlingen deutet die Vorgehensweise nach Einschätzung von Sicherheitskreisen auf linksextremistische Täter hin. Abwegig ist das zumindest nicht.
Das Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg (LfV) rechnet der gewaltorientierten linksextremistischen Szene in Reutlingen derzeit eine niedrige zweistellige Personenzahl zu. Entsprechende Akteure seien der Behörde als Angehörige der autonomen Szene bekannt, erklärte eine Sprecherin. «Zudem sind Anknüpfungspunkte in die gewaltorientierten linksextremistischen Szenen Tübingens und Stuttgarts aufgrund der regional-geographischen Nähe nicht auszuschließen.»
Allerdings sind dem LfV den Angaben nach bislang keine linksextremistischen Akteure im Land bekannt, «die im Hinblick auf ihr Aktivitätsniveau und ihren Wirkungskreis mit linksextremistischen Gruppenstrukturen wie beispielsweise in Berlin vergleichbar sind».
Der linksextremistischen Szene in ganz Baden-Württemberg gehören laut Verfassungsschutz etwa 2.700 Menschen an. Davon gelten 850 als gewaltorientiert.
Steigende Zahl an Gewalttaten
Im aktuellsten Verfassungsschutzbericht aus dem Jahr 2024 heißt es dazu, Linksextremisten kämpften für die Abschaffung der bestehenden Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. «Sie streben eine sozialistische oder kommunistische Staatsordnung oder eine herrschaftsfreie, anarchistische Ordnung ohne staatliches System an und verbinden diesen Weg mit der Idee einer Revolution.»
Neben Parteien und Organisationen mache die Subkultur einen Teil der Szene aus. Diesem Bereich werden autonome Gruppen zugeordnet, «für die Gewalt oft ein zulässiges Mittel ist, um ihre Ziele zu erreichen».
2024 wurden den Angaben nach landesweit 342 linksextremistisch motivierte Straftaten verzeichnet, darunter 34 Gewalttaten. In beiden Fällen habe es einen leichten Anstieg im Vergleich zu 2023 gegeben, was die Behörde auf die Europa- und Kommunalwahlen in dem Jahr zurückführte.
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