Europa Zentrum Baden-Württemberg informiert Europaausschuss über seine Arbeit

Stuttgart. Welche Chancen und Herausforderungen ergeben sich für Baden-Württemberg bei einer Erweiterung der Europäischen Union? Mit Antworten auf diese Frage hat sich der Ausschuss für Europa und Internationales unter anderem in seiner Sitzung am Mittwoch, 30. September 2026, auf Antrag der CDU befasst. Das hat der Vorsitzende Peter Hauk (CDU) mitgeteilt. Außerdem informierte sich das Gremium in einem Gespräch mit Peter Hofelich und Dr. Stefan Schubert über die Arbeit des Europa Zentrums Baden-Württemberg.

Dr. Stefan Schubert ist seit März 2024 Geschäftsführer des Europa Zentrums. Gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden Peter Hofelich stand er dem Europaausschuss Rede und Antwort. Der Auftrag des Europa Zentrums Baden-Württemberg ist die unabhängige und überparteiliche Förderung des europäischen Gedankens und der europäischen Einigung, berichtete Dr. Schubert. Man sehe sich als europapolitische Bildungseinrichtung, als Dienstleister für europabezogene Öffentlichkeitsarbeit, als Kompetenzzentrum für Europafragen sowie als Netzwerk und Brückenbauer für die europäische Zivilgesellschaft. Die Themen, mit denen sich das Europa Zentrum beschäftigt, umfassten Demokratiebildung, die Funktionsweise der EU, aktuelle Entwicklungen, aber auch Integrationsprozesse und Zivilgesellschaft sowie Europa vor Ort. Das Europa Zentrum wolle Partner für die Europa-Kommunikation des Landes sein, Begegnungen und Gespräche ermöglichen, sich kritisch und sachlich mit europapolitischen Themen auseinandersetzen sowie niedrigschwellige, interaktive und vielfältige Angebote anbieten.

Überdies stellte Dr. Schubert das Europa-Engagement des Europa Zentrum vor. So gebe es etwa ein Europahaus in Srebrenica, ein Forum für grenzüberschreitende Jugendbeteiligung am Oberrhein sowie Begegnungsräume für zivilgesellschaftliche Akteure und EU-Multiplikatoren im Donauraum. In diesem Jahr habe das Europa Zentrum bereits 109 Veranstaltungen durchgeführt und neun Studienfahrten nach Straßburg und vier nach Brüssel organisiert. Schülerinnen, Azubis, Lehrkräfte und Unternehmen konnten an insgesamt 45 Workshops teilnehmen, außerdem wurden 14 Fachvorträge und Podiumsdiskussionen organisiert. Im Oktober wird im Rathaus Stuttgart das 50-jährige Bestehen des Instituts gefeiert.

Beim anschließenden Austausch sind vor allem die Themen Finanzen, aber auch die Europawahlen 2029 und Gesamteuropa vertieft worden. Staatssekretärin Cornelia von Loga würdigte das Europa Zentrum als verlässlichen und unverzichtbaren Partner, der gerade in bewegten Zeiten, in denen das Vertrauen in demokratische Institutionen und die europäische Zusammenarbeit immer wieder hinterfragt wird, nah bei den Menschen ist. Der Ausschussvorsitzende dankte Peter Hofelich und Dr. Stefan Schubert nicht nur für ihren Vortrag, sondern auch für die geleistete Arbeit. „Es geht in bewegten Zeiten darum, den Europagedanken noch weiter nach vorne zu bringen, vor allen Dingen auch bei der jungen Generation“, so Hauk abschließend

Welche Auswirkungen der aktuelle Stand und die weiteren Perspektiven der Beitrittsverfahren der Ukraine, der Republik Moldau sowie der Staaten des westlichen Balkans auf die Zuständigkeitsbereiche und Interessen Baden-Württembergs haben, ist anschließend Gegenstand der Beratungen gewesen, wie Vorsitzender Peter Hauk berichtete. Der Beitritt neuer Mitgliedsstaaten eröffne Investitionsmöglichkeiten, etwa im Rahmen von Infrastruktur- und Modernisierungsmaßnahmen und erweitere das Potenzial für Direktinvestitionen und Standortdiversifizierung. Auch gebe es einen größeren Pool an Arbeits- und Fachkräften. Für die baden-württembergische Mobilitäts- und Produktionsindustrie sowie ihre Zulieferer und Servicepartner eröffneten sich Chancen eines erweiterten Binnenmarktes. Auch gebe es Wachstumschancen für die Medizintechnik und die Digitalwirtschaft. „Die EU-Erweiterung ist eine riesige Chance für Baden-Württemberg“, so Peter Hauk, darin sei man sich im Europaausschuss einig gewesen. Neben den wirtschaftlichen Vorteilen gibt es auch Auswirkungen auf Wissenschaft und Forschung. Die Zusammenarbeit in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung sollten auch künftig vertieft werden, so die einhellige Auffassung.