Landtagsvizepräsidentin Aras: „Das Verständnis der Vergangenheit schärft den Blick für die Gegenwart“

Stuttgart. Die diesjährige Gedenkstättenreise am Freitag, 16. Oktober, führt Landtagsvizepräsidentin Muhterem Aras (Grüne) zu drei Orten der Erinnerung an den NS-Terror in den Landkreisen Ludwigsburg, Karlsruhe sowie in den Mannheimer Raum. Auf dem Programm steht ein intensiver Austausch mit ehrenamtlich Mitarbeitenden der Gedenkstätten vor Ort.

„Die Gedenkstätten sind Orte unseres demokratischen Gewissens: Überall in Baden-Württemberg vergegenwärtigen sie uns die Grausamkeit der NS-Zeit. Sie führen uns vor Augen, wie wichtig es ist, unsere Demokratie jeden Tag zu leben und zu verteidigen“, erklärt Landtagsvizepräsidentin Muhterem Aras. „Die Geschichten der Opfer und Überlebenden der NS-Diktatur, die unsere Gedenkstätten bewahren, berühren unsere demokratischen Herzen: Denn sie erinnern uns daran, dass die Würde jedes Menschen kostbar und unverletzlich ist.“ Darauf wolle sie auch dieses Jahr mit ihrer Gedenkstättenreise aufmerksam machen, so Aras. Zudem wolle sie die Besuche nutzen, „um den zahlreichen Aktiven für ihr unerschütterliches Engagement für die Gedenkarbeit und für die Bewahrung unserer Demokratie zu danken“. 

Erste Station der Gedenkstättenreise ist am Freitag, 16. Oktober 2026, 9 Uhr, das „Pädagogisch-Kulturelle Centrum Ehemalige Synagoge Freudental e. V.“ Die ehemalige Synagoge wurde Anfang der 1980er-Jahre vor dem Abriss gerettet, nachdem sie als eine der wenigen in der Reichspogromnacht 1938 geschändet, aber nicht abgebrannt wurde. Die Geschichte der Freudentaler jüdischen Gemeinde wird auf einem Ortsrundgang zu ehemals jüdischen Wohnhäusern und zur Mikwe gut sichtbar. „Gedenkstätten als lebendiger Begegnungsort wie in Freudental führen Menschen auf vielfältige Weise zusammen“, erläutert die Vizepräsidentin. „Wer hierher kommt, erfährt regionale Geschichte, um Gegenwart und Zukunft unserer demokratischen Gesellschaft zu stärken.

Ab 11:30 Uhr besucht Vizepräsidentin Aras den Lernort Kislau e. V. Sechs Jahre lang – von 1933 bis 1939 – diente Schloss Kislau bei Mingolsheim (heute Bad Schönborn) als Konzentrations- und Bewahrungslager. Mehr als 1.500 Männer wurden dort widerrechtlich festgehalten, darunter die Landespolitiker Ludwig Marum und Adam Remmele. Marum wurde 1934 in Kislau ermordet. Seit 2015 bereitet das hauptamtliche Team des Lernort-Vereins die Errichtung einer Bildungsstätte in Kislau vor. „Menschen jeden Alters sollen sich dort mit der Demokratie- und Diktaturgeschichte Badens in den Jahren 1918 bis 1945 befassen können“, erläutert Aras. Da das Schloss als JVA genutzt wird, ist für den Lernort ein Neubau notwendig. Dieser ist in Planung.

Weiter geht es ab 15:15 Uhr in der KZ-Gedenkstätte Sandhofen. Die KZ-Gedenkstätte Sandhofen erinnert an das Außenlager des KZ Natzweiler, das 1944/45 im Gebäude der damaligen Friedrichschule im Mannheimer Norden bestand. Nahezu alle der 1.070 Häftlinge dieses Lagers waren polnische Männer und Jungen, die während des Warschauer Aufstands im August 1944 festgenommen und über das KZ Dachau nach Mannheim verschleppt wurden, wo sie Zwangsarbeit für Daimler-Benz leisten mussten. Seit 1990 dokumentiert die Dauerausstellung im Untergeschoss der Schule die Geschichte des KZ Sandhofen. „Die Wissensvermittlung zur deutschen Besetzung Polens bzw. Warschaus sowie zum Aufstand der polnischen Untergrundarmee zählt dabei zu den weiteren Schwerpunkten der Gedenkstätte“, so Muhterem Aras.

Die Landtagsvizepräsidentin wird auf der Gedenkstättenreise an verschiedenen Stationen von Landtagsabgeordneten aus den jeweiligen Wahlkreisen begleitet. Im letzten Jahr standen Gedenkorte in den Landkreisen Böblingen, Ludwigsburg, Schwäbisch Hall und Main-Tauber im Fokus der zweitägigen Gedenkstättenreise. Frühere Gedenkstättenreisen führten Muhterem Aras zu Orten des Gedenkens und Erinnerns am Oberrhein (2018), in Südwürttemberg (2019), Nordwürttemberg (2020), Nordbaden (2022) und in die Landkreise Tübingen, Freudenstadt und Böblingen (2023) sowie in den Bodenseekreis und nach Konstanz (2024). Der Landtag organisiert und veranstaltet die Gedenkstättenreise in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung.

Anlage:

Programm(Dokument)