Landwirtschaftsausschuss beschließt Anhörung zu den Themen Wasserverfügbarkeit und Hitzefolgen
Stuttgart. Der Ausschuss für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat hat sich in seiner Sitzung am Mittwoch, 23. September 2026, auf Antrag der CDU-Fraktion mit der Wasserverfügbarkeit für die Land- und Forstwirtschaft in Baden-Württemberg und mit den Hitzefolgen in der Landwirtschaft befasst. Das berichtete der Ausschussvorsitzende Martin Hahn (Grüne). „Der Klimawandel ist in voller Wucht angekommen. Die Hitze fordert Menschen, Tiere und die Natur“, so Hahn. „Der Landwirtschaftsausschuss hat deshalb heute einstimmig beschlossen, auf Grundlage der beiden Anträge eine gemeinsame Anhörung anzustreben und darauf zu setzen, dass der Umweltausschuss mitzieht.“
Die Verfügbarkeit von Wasser entwickle sich zunehmend zu einer der zentralen Herausforderungen auch für die Land- und Forstwirtschaft in Baden-Württemberg, so Vorsitzender Hahn. Extreme Hitzephasen, wiederkehrende Trockenjahre, sinkende Grundwasserstände, zurückgehende Quellschüttungen sowie niedrige Wasserstände von Seen und Fließgewässern erhöhten den Druck auf die Wasserressourcen und führten zu steigenden Nutzungskonflikten. „Der Ausschuss hat sich umfassend über die Wasserverfügbarkeit sowie über den Stand der Maßnahmen zur langfristigen Sicherung der Wasserressourcen für Land- und Forstwirtschaft informiert“, betonte Martin Hahn. Im Flächenmittel habe es im Jahr 2026 über ganz Baden-Württemberg an über 38 Tagen Temperaturen über 30 Grad gegeben, an acht Tagen über 38 Grad. Von Juni bis August wurden im Landesmittel 45 Prozent weniger Niederschlag gemessen als im langjährigen Mittel.
Die Zahlen sprechen für sich: So habe etwa die Jahresmenge der Grundwasserneubildung im Zeitraum 2016 bis 2025 deutlich unter den Mittelwerten aus dem Vergleichsraum 1991 bis 2020 gelegen. Etwa ein Drittel der 624 Quellen des Grundwasserüberwachungsprogramms des Landes werde zur Wasserversorgung, als Brauchwasser oder zur Bewässerung genutzt, gab Martin Hahn die Angaben des Ministeriums wieder. Zum Wasserstand des Bodensees lasse sich festhalten, dass die Seewasserstände in den vergangenen zehn Jahren im Winterhalbjahr tendenziell eher leicht angestiegen sind, während sie im Sommerhalbjahr eher leicht rückläufig gewesen sind. Ergebnisse des Projekts „Masterplan Wasserversorgung“ zeigten, dass insbesondere bei der Deckung des Spitzenbedarfs während langanhaltender Hitze- und Trockenperioden sowie bei der Schaffung eines zweiten Standbeins Handlungsbedarf bestehe. Überdies werde die Anlage von Speichern zur Überbrückung von Wassermangelzeiten zunehmend an Bedeutung gewinnen. Aufbauend auf den Erkenntnissen des Masterplans Wasserversorgung werde die Strategie „Wasserversorgung BW 2050“ entwickelt.
Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe mit Bewässerung, die bewässerten Flächen sowie die hierfür eingesetzten Wassermengen sind im Zeitraum 2009 bis 2022 (letzte verfügbare Datenlage) jeweils angestiegen. So habe die bewässerte Fläche in diesem Zeitraum um 61 Prozent zugenommen und die Bewässerungsmenge habe sich mehr als verdoppelt auf 21,5 Millionen Kubikmeter.
Das Ministerium habe die Notwendigkeit der Bewässerung bei sich verändernden Wetterextremen frühzeitig erkannt und ein Förderprogramm zur Unterstützung von Investitionen in gemeinschaftliche Bewässerungsinfrastruktur aufgelegt. Die Resilienz landwirtschaftlicher Betriebe gegenüber extremen Wetterereignissen solle gesteigert werden, um eine umweltgerechte und nachhaltige Lebensmittelproduktion und den nachhaltigen Einsatz von Wasserressourcen sicherzustellen. Der Klimawandel führe zu längeren Trockenperioden und einer Zunahme von Starkregenereignissen. Durch eine gezielte Rückhaltung und Speicherung von Niederschlagswasser könnten die daraus entstehenden Auswirkungen verringert werden. Maßnahmen im Wald hätten das Potenzial, den Hochwasserabfluss bei Starkregen zu verringern, die Grundwasserneubildung zu fördern, die Wasserversorgung der Wälder in Trockenphasen zu stabilisieren und Feuchthabitate ökologisch aufzuwerten.
Um den Wasserhaushalt zu stabilisieren habe das Land Pilotprojekte gestartet, um in Kooperation mit der Landwirtschaft die Speicherfähigkeit der Kulturlandschaften zu erhöhen. Durch eine bodenschonende Bewirtschaftung, Rückbau von Drainagen und eine Flurneuordnung, die systematisch auf Wasserbarrieren wie Hecken, Wäldchen und Grünlandschaften setzt, solle Wasser nicht schnell abfließen. „Der Ausschuss hat das schnelle Handeln des Ministeriums ausdrücklich gelobt“, berichtete Martin Hahn.