Umweltausschuss befasst sich mit möglichen Folgen einer Aufteilung der deutschen Strompreiszone

Stuttgart. Der Ausschuss für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft hat sich in seiner Sitzung am Donnerstag, 1. Oktober 2026, mit den möglichen Folgen einer Aufteilung der einheitlichen deutschen Stromgebotszone fürs Land befasst. Grundlage war ein Antrag der AfD. Die Landesregierung lehne eine Gebotszonentrennung weiterhin ab, fasste die Ausschussvorsitzende Anna Deparnay-Grunenberg (Grüne) die Position des Umweltministeriums zusammen.

Hintergrund des Antrags sei ein im Juni 2026 von der Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein vorgestelltes Konzept für eine nordische Strompreiszone, die Schleswig-Holstein, Hamburg und das dänische Jütland umfassen sollte. Die AfD habe sich in der Beratung nach den möglichen Folgen erkundigt und gefragt, ob das Land an Bestrebungen beteiligt sei, das Vorhaben zu verhindern, so Deparnay-Grunenberg.

Laut Umweltministerium könnte eine Aufteilung zu Preisunterschieden zwischen Nord- und Süddeutschland führen. Aufgrund des größeren Windenergieangebots könnten die durchschnittlichen Stromgroßhandelspreise im Norden zunächst niedriger ausfallen. Bei hoher Einspeisung aus Photovoltaikanlagen könnten die Preise im Süden zeitweise allerdings auch deutlich unter denen im Norden liegen, erläuterte Deparnay-Grunenberg die Stellungnahme des Ministeriums.

Für Baden-Württemberg seien bei einer Trennung grundsätzlich Mehrbelastungen für Stromkunden zu erwarten. Gerade für stromintensive Branchen stelle der Strompreis einen wichtigen Wettbewerbsfaktor dar. Höhere Strompreise im Süden könnten laut Ministerium insbesondere die Wettbewerbsfähigkeit der Automobilindustrie, des Maschinenbaus und der Chemieindustrie beeinträchtigen. Die Landesregierung bevorzuge deshalb weiterhin den Erhalt der einheitlichen deutschen Stromgebotszone. Sie stütze sich dabei auch auf eine im September 2024 veröffentlichte Studie, wonach die energiewirtschaftlichen und gesamtgesellschaftlichen Kosten einer Trennung den erwarteten Nutzen übersteigen würden, so Deparnay-Grunenberg.

Die Grünen hätten in der Beratung betont, dass ein angemessener Ausbau der Windkraft im Süden dazu beitragen könne, die Debatte über getrennte Strompreiszonen zu beenden. Eine Trennung lasse sich langfristig nicht allein politisch verhindern, sondern müsse auch technisch begründet werden. Wer den Ausbau der Windkraft im Süden bislang ablehne, könne seine Haltung noch ändern, sei in der Beratung von den Grünen hervorgehoben worden.

Das Umweltministerium habe erläutert, dass die Preisunterschiede wesentlich von der Geschwindigkeit des Ausbaus der Stromübertragungsnetze abhängen würden. Eine leistungsfähigere Netzinfrastruktur könne größere Strommengen zwischen den Regionen transportieren und regionale Unterschiede zwischen Stromangebot und Stromverbrauch ausgleichen. Dadurch könnten sich die Preisdifferenzen verringern. Der Ausbau müsse deshalb konsequent fortgesetzt werden. Die Landesregierung setze zudem auf einen raschen Ausbau erneuerbarer Energien, insbesondere aus Wind und Sonne, um die Stromkosten möglichst gering zu halten.

Die europäischen Übertragungsnetzbetreiber (ENTSO-E) hätten 2025 im Rahmen des sogenannten Bidding Zone Reviews eine Aufteilung der deutsch-luxemburgischen Stromgebotszone in fünf Zonen empfohlen. Das Umweltministerium sehe darin jedoch keine belastbare Grundlage für eine Trennung. Die für eine Gebotszonentrennung maßgeblichen Voraussetzungen seien nach Einschätzung des Umweltministeriums nicht erfüllt. Die Landesregierung begrüße daher das Bekenntnis der Bundesregierung im Koalitionsvertrag 2025 zum Erhalt der einheitlichen deutschen Stromgebotszone, berichtete Deparnay-Grunenberg.

Eine einzelne Region oder ein Bundesland könne eine solche Neuordnung zudem nicht eigenständig auf den Weg bringen. Dafür sei die Entscheidung aller betroffener Akteure erforderlich. Nach Darstellung des Ministeriums müssten Deutschland und Dänemark einen entsprechenden Vorschlag gemeinsam beschließen.

Statt einer gemeinsamen Preiszone werde auf eine bessere Marktintegration gesetzt, um grenzüberschreitende Stromleitungen effizient zu nutzen. Der fortschreitende Netzausbau helfe dabei, die erforderlichen Kapazitäten bereitzustellen, so Deparnay-Grunenberg unter Bezug auf die Ausführungen des Umweltministeriums.