Dr. Ernst (Gottlieb) Föhr

Parlament

1921
Landtag der Republik Baden (Zentrumspartei, Landesliste, ab 1925 Wahlkreis 2 Waldshut-Lörrach, ab 1929 Wahlkreis 4 Säckingen-Waldshut)

1928
Reichstag (Zentrumspartei, Wahlkreis 32 Baden)

Partei vor 1933 Deutsche Zentrumspartei

nach 1945 -
Geburt 15.04.1892, Sigmaringen
Ehe Unverheiratet
Beruf Katholischer Geistlicher
Kinder Kinderlos
Konfession Römisch-katholisch
Verstorben 19.01.1976, Freiburg im Breisgau

Verfolgung

ab 1933
Föhr steht ab 1933 unter Beobachtung der NS-Behörden und der Gestapo. Ihm wird unterstellt, gegen das NS-Regime zu agitieren.

29.09.1933
Am 29. September 1933 erscheint in der nationalsozialistischen Zeitung »Der Alemanne« unter der Überschrift »Schwarzer Bodensatz - Pfupferts dem Herrn Föhr? - eine letzte Verwarnung« ein gegen Föhr gerichteter Hetzartikel, in dem ihm politische Aktivitäten vorgeworfen werden: »So wenig die Katze das Mausen lässt, so wenig lässt Herr Dr. Föhr von der politischen Tätigkeit im Sinne des Zentrums ... Herr Föhr, Hände weg vom Holzstoß!«

03.01.1935
Föhr ist Pfarrverweser in Sölden bei Freiburg im Breisgau. Am 3. Januar 1935 wird er wegen eines Friedensgebets mit Kindern angezeigt und daraufhin von der Gestapo verhört. In der Folge drängen das badische Innenministerium und der badische Kulturminister Otto Wacker im Februar und März 1935 den Freiburger Erzbischof Conrad Gröber, Föhr aus dem Pfarrdienst zu entlassen. Der Erzbischof weigert sich jedoch.

14.11.1935
Die nationalsozialistische Zeitung »Der Alemanne« veröffentlicht am 14. November 1935 unter dem Titel »Was ist Nächstenliebe?« einen Hetzartikel, in dem Föhr Heuchelei vorgeworfen wird: Er predige christliche Nächstenliebe, habe aber bei der jährlichen Spendenaktion für das Winterhilfswerk lediglich zwei bis zweieinhalb Pfund Fallobst im Wert von höchstens 20 Pfennigen gespendet.

22.06.1943
Am 22. Juni 1943 wird Föhrs Pfarrhaus in Offenburg von drei Gestapo-Beamten durchsucht, einige Briefe werden beschlagnahmt. Föhr erhält von den Gestapo-Beamten ferner die Auflage, sich am 24. Juni 1943 bei der Gestapo Karlsruhe zu melden. Dort wird Föhr einige Stunden verhört und mit einer Verwarnung, sich nicht politisch zu betätigen, entlassen.

Biografie

Sohn eines Bahnwärters

1897
Volksschule in Wollmatingen

1901
Bürgerschule in Säckingen

1902
Realschule in Waldshut

1906
Realgymnasium in Waldshut

1908
Humanistisches Gymnasium in Konstanz

1910
Studium der katholischen Theologie in Freiburg

1913
Studium der katholischen Theologie am Collegium Germanicum in Rom

1914
Priesterseminar St. Peter in Freiburg

1915
Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg als Sanitäter und Lazarettgeistlicher

April 1915
Weihe zum Diakon

30.06.1915
Priesterweihe in St. Peter im Schwarzwald

1918
Studium der Nationalökonomie an der Universität Freiburg mit Promotion

1921
Diözesanpräses des Volksvereins für das katholische Deutschland in Freiburg im Breisgau

1931
Vorsitzender des badischen Landesverbands der Zentrumspartei

1932
Föhr ist beteiligt an den Verhandlungen zum badischen Konkordat zwischen der Republik Baden und dem Vatikan.

1933
Pfarrverweser, ab 1936 Pfarrer in Sölden bei Freiburg

Oktober 1939
Pfarrer in Offenburg

August 1943
Pfarrer in Freiburg

1958
Generalvikar der Erzdiözese Freiburg

Rezeption

1963
Apostolischer Protonotar

1965
Ehrendoktor der theologischen Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Literatur

Jörg Schadt (Bearb.): Verfolgung und Widerstand unter dem Nationalsozialismus in Baden. Die Lageberichte der Gestapo und des Generalstaatsanwalts Karlsruhe 1933-1940, Stuttgart 1976, S. 68, 258-259.

Franz Kern: Ernst Föhr, in: Freiburger Diözesan-Archiv, 102, 1982, S. 139-148.

Franz Kern: Ein mutiger und tapferer Mann. Generalvikar Dr. Ernst Föhr zum 100. Geburtstag, in: Konradsblatt, 76, 1992, 16, S. 13.

Franz Kern: Ernst Föhr, in: Baden-Württembergische Biographien, 1, 1994, S. 89-92.

Roland Weis: Würden und Bürden. Katholische Kirche im Nationalsozialismus, Rombach 1994, S. 123.

Ulrich von Hehl (Bearb.): Priester unter Hitlers Terror. Eine biographische und statistische Erhebung, 1, Paderborn, München, Wien, Zürich 1996, S. 611.

Paul-Ludwig Weinacht: Ernst Föhr, in: Zeitgeschichte in Lebensbildern. Aus dem deutschen Katholizismus des 20. Jahrhunderts, 8, 1997, S. 139-153.

Christoph Schmider: Ernst Föhr, in: Freiburger Biographien, hrsg. von Peter Kalchthaler, Walter Preker, Freiburg im Breisgau 2002, S. 278-279.

Paul-Ludwig Weinacht: Politische Kultur am Oberrhein. Studien zur Geschichte Badens, Karlsruhe 2012, S. 119-131.

Michael Kitzing: Das Zentrum wollte er neu gründen. 125. Geburtstag von Generalvikar Ernst Föhr, in: Konradskalender, 2017, S. 42.

Dokumente

Schreiben des Kultusministers an das Erzbischöfliche Ordinat in Freiburg

Der badische Kultusminister forderte am 27. Februar 1935 das Erzbischöfliche Ordinat auf, Föhr als Pfarrer von Sölden abzuziehen und auf eine andere Pfarrstelle zu versetzen.

Schreiben des NSDAP-Kreisleiters Franz Kerber

Der NSDAP-Kreisleiter Franz Kerber befürchtete, Föhr könne sich als Pfarrer in Sölden beim bevorstehenden Ernte-Dank-Fest und dem Kirchen-Patrozinium politisch äußern. Er unterrichtete und warnte deshalb in einem Schreiben vom 27. September 1933 den Landrat.