Gustav Herbig

Verfolgung
März 1939
Herbig ist Direktor und Lehrer an der deutschen Handelsakademie in Prag. Im März 1939 wird er aus politischen Gründen und auf Betreiben der deutschen Besatzungsbehörden als Direktor abgesetzt.
April 1939
Herbig stellt im April 1939 einen Antrag auf Mitgliedschaft in der NSDAP. Der Antrag wird auf Beschluss des NSDAP-Kreisgerichts in Prag am 10. Februar 1941 abgelehnt. Begründet wird die Ablehnung mit Herbigs ehemaliger Zugehörigkeit zu der Freimaurerloge Lessing zu den drei Ringen, zur Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik, zum Sozialdemokratischen Lehrerverband sowie mit der »nicht rein arischen Abstammung seiner Ehefrau«.
1940
Herbig wird in Prag 1940 mehrfach von der Gestapo verhört, seine Wohnung wird durchsucht. Ihm wird vorgeworfen an illegalen Kurierdiensten der SPD beteiligt zu sein. Außerdem wird Herbig beschuldigt, zwei seiner Bekannten - den untergetauchten SPD-Politiker Waldemar Freiherr von Knoeringen sowie einen aus Österreich geflüchteten J. Moser - illegal beherbergt zu haben.
01.11.1942
Herbig wird am 1. November 1942 aus politischen Gründen als Lehrer der deutschen Handelsakademie in Prag amtsenthoben und suspendiert. Im Frühjahr 1943 erfolgt seine Versetzung in den Ruhestand.
16.10.1944
Herbig wird am 16. Oktober 1944 in das Lager Postelberg (tschechisch: Postoloprty) gebracht, wo er Zwangsarbeit verrichten muss. Dort wird er am 28. April 1945 durch alliierte Truppen befreit.
Biografie
Angehöriger der deutschen Minderheit in der Tschechoslowakei
Juli 1907
Abitur in Reichenberg
Studium der Philologie und der Sozialwissenschaften in Prag, Besançon und Paris
Promotion zum Dr. phil.
Ferienkurse an der Universität Madrid
1914
Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg
1915
Russische Kriegsgefangenschaft
1919
Eintritt in die Deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik (DSAP)
Lehrer an verschiedenen Volks- und Bürgerschulen im Schulbezirk Friedland und Reichenberg
1924
Lehrer (unter anderem der spanischen Sprache) und zeitweise Direktor an Handelsakademien in Budweis und Prag
1945
Tätigkeit im Ausschuss zum Schutz der antifaschistischen Sudetendeutschen in Prag
1946
Abgeordneter des Böhmerwald-Kreises im ersten Parlament der Tschechoslowakei
29.10.1948
Herbig verlässt als Heimatvertriebener Prag und siedelt in die Bundesrepublik Deutschland über.
Dezember 1951
Diplomatischer Gesandter der Bundesrepublik Deutschland in Uruguay
Literatur
Friedrich G. Kürbisch: Chronik der sudetendeutschen Sozialdemokratie 1863-1938, München 1982, S. 101.
Schumacher 2000, S. 161.
Vierhaus Herbst 2002, S. 333.
Wolfgang Fischer: Heimat-Politiker? Selbstverständnis und politisches Handeln von Vertriebenen als Abgeordnete im Deutschen Bundestag 1949-1974, Düsseldorf 2010, S. 55.