Hanne Landgraf (geb. Siebert)

Verfolgung
Anfang 1933
Landgrafs Vater, der Karlsruher Sozialdemokrat Karl Siebert, wird Anfang 1933 mehrfach in »Schutzhaft« genommen und als Maschinenschlosser der Reichsbahn entlassen.
02.05.1933
Landgraf ist Schreibkraft im Karlsruher Bezirksbüro des Einheitsverbandes der Eisenbahner Deutschlands. Am 2. Mai 1933 wird das Bezirksbüro des Verbandes durch die SA besetzt. Landgraf kann bis Juni 1933 unter Aufsicht der SA weiterarbeiten, dann erfolgt ihre Entlassung.
Mitte 1933
Landgrafs Familie betreibt die Kantine der Freien Turnerschaft Karlsruhe und wohnt in dem Gebäude. Mitte 1933 verliert die achtköpfige Familie ihre Wohnung, als die Kantine und der Sportplatz der Freien Turnerschaft durch die NS-Behörden beschlagnahmt werden.
Biografie
Tochter des Schlossers und Karlsruher Sozialdemokraten Karl Siebert
Mitglied der Freien Turnerschaft Karlsruhe
Volksschule und Handelsschule
Aushilfskraft bei verschiedenen Firmen
Kurse in Stenografie und Maschinenschreiben
Mitglied der Gewerkschaften
August 1931
Schreibkraft im Karlsruher Bezirksbüro des Einheitsverbandes der Eisenbahner Deutschlands
1933
Arbeitslos
Februar 1934
Angestellte der Firma Veuma
1936
Sekretärin beim Dentaldepot Emil Huber
1939
Ehemann Rolf Landgraf zunächst im Kriegsdienst, dann in Kriegsgefangenschaft
nach 1945
Engagement in zahlreichen Vereinen, unter anderem Deutscher Alpenverein, Freie Spiel- und Sportvereinigung Karlsruhe (FSSV), Badischer Kunstverein Karlsruhe, Sängerbund Vorwärts Karlsruhe, Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Karlsruhe
1946
Beteiligt an der Neugründung des AWO-Kreisverbandes in Karlsruhe, zeitweise dessen Vorsitzende sowie stellvertretende Vorsitzende des AWO-Bezirksverbands Baden
1946
Eintritt in die SPD
1953
Mitglied des Stadtrats in Karlsruhe
1954
Schöffin beim Bezirksjugendgericht Karlsruhe
ab 1959
Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen Karlsruhe
Rezeption
Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
1974
Marie-Juchacz-Plakette der Arbeiterwohlfahrt
1976
Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
1980
Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg
Goldene Verdienstplakette des Badischen Turnerbunds
1993
Ehrenbürgerin der Stadt Karlsruhe
Namenspatronin des AWO-Seniorenwohnheims Hanne-Landgraf-Haus in Karlsruhe-Grötzingen
2005
Namenspatronin der Hanne-Landgraf-Stiftung
2014
Namenspatronin des Hanne-Landgraf-Platzes in Karlsruhe
Literatur
Barbara Guttmann: »Zwischen Trümmern und Träumen«. Karlsruherinnen in Politik und Gesellschaft der Nachkriegszeit, Karlsruhe 1997, S. 64-73.
Koch 2001, S. 182-187.
Weik 2003, S. 89.
Ariane Lindemann: Karlsruher Köpfe. Menschen, die man in Karlsruhe kennt, Karlsruhe 2004, S. 118-119.
Yps Knauber: Seid mutig! Erinnerungen an Hanne Landgraf, in: Karlsruhe. Das Tagebuch der Fächerstadt, 29, 2005, S. 157-160.
Hochreuther 2012, S. 196.
Uschi Steinhardt-Stauch: Ihr Name ist Bestandteil des Lebens im Ort. Auftakt zum Hanne-Landgraf-Jahr in Grötzingen, in: Grötzinger Heimatbrief, 53, 2014, S. 38-39.
Patricia Keßler: Gedenkblatt für Hanne Landgraf, in: Lahrer hinkender Bote, 215, 2015, S. 51.
Manfred Koch: Hanne Landgraf, in: Blick in die Geschichte. Karlsruher stadthistorische Beiträge. Forum für Stadtgeschichte und Kultur, 112, 2016, S. 1.