Hermann (Christian) Nuding

Verfolgung
28.02.1933
Nuding wird am 28. Februar 1933 anlässlich des Reichstagsbrands in »Schutzhaft« genommen. Zunächst wird er im Polizeipräsidium Berlin, dann im ehemaligen Militärgefängnis Berlin-Spandau inhaftiert. Da Nuding an Tuberkulose erkrankt ist, wird er ins Krankenhaus des Gefängnisses Berlin-Moabit überstellt. Anschließend wird er wieder in das Polizeipräsidium Berlin gebracht und von dort in das Krankenhaus in der Scharnhorststraße in Berlin überstellt. Am 5. Juli 1934 wird Nuding aus der Haft entlassen.
1933
Nach der Verhaftung Nudings emigriert seine Ehefrau Paula (geb. Kopp) 1933 nach Frankreich. Dort ist sie illegal für die Kommunistische Internationale tätig. Im Januar 1940 wird Paula Nuding von den französischen Behörden verhaftet und als illegale Ausländerin neun Monate im Camp de Rieucros interniert. Nach ihrer Entlassung ist sie in der Résistance aktiv. Im November 1943 wird die schwangere Paula Nuding von der Gestapo verhaftet und so schwer misshandelt, dass sie ihr Kind verliert. Sie wird aus Frankreich in das Konzentrationslager Ravensbrück deportiert, wo sie bis zum Ende des Kriegs in Haft bleibt.
August 1934
Nuding emigriert im August 1934 nach Prag und nach Moskau. Dort ist er bis 1935 Mitarbeiter des Mitteleuropäischen Ländersekretariats des Exekutivkomitees der Komintern. Von 1935 bis 1937 leitet Nuding in Prag die Abwehrarbeit und den Nachrichtendienst der KPD. Im Februar 1938 wird er wegen Differenzen mit Walter Ulbricht seiner KPD-Funktion enthoben.
1938
Nuding wird 1938 von den NS-Behörden ausgebürgert.
1939
Nuding reist 1939 nach Frankreich. Dort wird er nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges vom 5. September 1939 bis zum 12. März 1940 im Lager Chambaran (Département Isère) interniert. Nach seiner Entlassung aus der Internierungshaft lebt Nuding in Lyon. Im Februar 1942 flüchtet Nuding vor der Gestapo in das Departement Drôme. Dort lebt er illegal als Landarbeiter. Er arbeitet mit der Résistance und der Widerstandsorganisation Francs-tireurs et Partisans (FTP) zusammen.
Biografie
Sohn eines Gerbers
Volksschule
Vorübergehende Tätigkeit als Krankenpfleger
Lehre als Weißgerber
1918
Eintritt in den Zentralverband der Lederarbeiter Deutschlands und den Spartakusbund
1919
Eintritt in die KPD, dort Vorsitzender der Ortsgruppe Oberurbach
1920
Mitglied der Bezirksleitung Württemberg des Kommunistischen Jugendverbandes Deutschlands (KJVD)
1923
Aufenthalt in den USA, dort beteiligt am Aufbau der Internationalen Arbeiterhilfe (IAH)
Mitglied des Zentralkomitees des Kommunistischen Jugendverbandes Deutschlands (KJVD)
1927
Besuch der Lenin-Schule der Komintern in Moskau
1928
Hauptamtlicher Mitarbeiter in verschiedenen regionalen Gliederungen der KPD
1931
Mitglied der Reichsleitung des Verbandes proletarischer Freidenker Deutschlands, dort für Agitation und Propaganda verantwortlich
August 1934
Emigration nach Prag und nach Moskau
1934
Mitarbeiter des Mitteleuropäischen Ländersekretariats des Exekutivkomitees der Komintern
1935
Leiter der Abwehrarbeit und des Nachrichtendiensts der KPD in Prag
Februar 1938
Wegen Differenzen mit Walter Ulbricht seiner KPD-Funktion enthoben
1939
Übersiedelung nach Frankreich
1942
Landarbeiter im Departement Drôme, dort Kontakte zur Résistance und den Francs-tireurs et Partisans (FTP)
Oktober 1944
In Paris Redakteur für Publikationen der Widerstandsorganisation Bewegung Freies Deutschland
Juni 1945
Rückkehr nach Deutschland
1945
Zweiter Vorsitzender der KPD in Württemberg-Baden
April 1946
Mitglied des Vorstandes der SED
1948
Mitglied des Sekretariats des Parteivorstandes der KPD, dort Leiter der Abteilung Arbeit und Sozialpolitik
Juni 1950
Wegen politischer Differenzen Ausschluss aus dem Sekretariat des Parteivorstandes der KPD und Absetzung als zweiter Vorsitzender der KPD in Württemberg-Baden
1951
Niederlegung des Bundestagsmandats (unklar, ob aus gesundheitlichen Gründen oder auf Weisung der SED)
Angestellter der KPD
Rentner in Stuttgart-Luginsland
Literatur
Hans Kluth: Die KPD in der Bundesrepublik. Ihre politische Tätigkeit und Organisation 1945-1956, Köln 1959, S. 28, 34, 76, 124, 128.
Jens Ulrich Klocksin: Kommunisten im Parlament. Die KPD in Regierungen und Parlamenten der westdeutschen Besatzungszonen und der Bundesrepublik Deutschland 1945-1956, Bonn 1994, S. 244-250.
Martin Jung: Hermann Christian Nuding, in: Neue Deutsche Biographie, 19, 1999, S. 368-369.
Weik 2003, S. 108.
Gottfried Hamacher: Gegen Hitler. Deutsche in der Résistance, in den Streitkräften der Antihitlerkoalition und der Bewegung »Freies Deutschland«. Kurzbiografien, Berlin 2005, S. 155.
Weber Herbst 2008, S. 644-645.