Prof. Immanuel (Gottlob) Herrmann

Verfolgung
Mitte März 1933
Herrmanns Sohn Rolf ist Student an der Musikhochschule Stuttgart. Ihm wird vorgeworfen, an der Musikhochschule kommunistische und marxistische Propaganda verbreitet und sich anlässlich einer Feier in der Hochschule abfällig über die Regierung geäußert zu haben. Rolf Herrmann wird daher Mitte März 1933 verhaftet und im Gefängnis in der Inneren Büchsenstraße sowie im Konzentrationslager Heuberg inhaftiert. Rolf Herrmanns Entlassung erfolgt vermutlich Mitte oder Ende April 1933.
23.03.1933
Herrmann wird am 23. März 1933 in »Schutzhaft« genommen und in das Stuttgarter Gefängnis in der Inneren Büchsenstraße gebracht. Dort trifft Herrmann auf seinen ebenfalls inhaftierten Sohn Rolf. Nach einigen Tagen wird Herrmann in das Gerichtsgefängnis Stuttgart verlegt. Am 3. April 1933 wird er aus der Haft entlassen.
20.04.1933
Herrmann ist Professor für Elektrotechnik an der Technischen Hochschule Stuttgart. Am 20. April 1933 wird er aus politischen Gründen zunächst beurlaubt, am 26. Juli 1933 erfolgt seine Entlassung. Als rechtliche Grundlage dafür dient das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums.
April 1933
Nach seiner Entlassung aus der Haft wird Herrmann weiter von der Polizei beobachtet. Er zieht deshalb Ende 1933 von Stuttgart nach Berlin-Neu-Finkenkrug, woher seine Ehefrau Else Herrmann stammt. Dort widmet er sich fortan der Gartenarbeit und einer Neuauflage seiner elektrotechnischen Bücher.
Biografie
Sohn eines Lehrers
1878
Humanistisches Gymnasium in Stuttgart
1884
Evangelisches theologisches Seminar in Schöntal
1886
Evangelisches theologisches Seminar in Urach
1888
Studium der evangelischen Theologie am Tübinger Stift
Sommer 1892
Erste theologische Dienstprüfung und Pfarramtskandidat
1892
Militärdienst in Stuttgart
1894
Studium des Maschinenbaus und der Elektrotechnik an der Technischen Hochschule Stuttgart
Assistenzjahr am elektrotechnischen Institut der Technischen Hochschule Stuttgart
1899
Ingenieur an der Zentralstelle für wissenschaftlich-technische Untersuchungen in Neubabelsberg
1901
Professor für Elektrotechnik an der Technischen Hochschule Stuttgart
1914
Teilnahme am Ersten Weltkrieg als technischer Offizier, unter anderem drei Jahre lang Leiter der Abteilung für elektrische Kraftanlagen beim 4. Armee-Oberkommando
nach 1918
Mitglied der SPD
ab 1919
Mitglied der Stuttgarter Freimaurerloge Vorwärts zum Licht
14.01.1919
Kriegsminister in Württemberg
ab 29.06.1919
Erneut Professor für Elektrotechnik an der technischen Hochschule Stuttgart
1929
Vorsitzender des Deutschen Monistenbunds (freidenkerische, internationalistische, pazifistische Organisation) sowie Herausgeber des Vereinsorgans »Der freie Geist«
1933
Meister vom Stuhl der Stuttgarter Freimaurerloge Zur Wahrheit und Treue
Ende 1933
Übersiedelung nach Falkensee-Neu-Finkenkrug
Literatur
Manfred Schmid: Pazifistische Strömungen in Württemberg und Stuttgart zwischen Kaiserreich und Drittem Reich, in: Zeitschrift für württembergische Landesgeschichte, 49, 1990, S. 340-341.
Hans-Martin Maurer: Ein Dialog wider die Erbfeindschaft. Mitten aus dem Ersten Weltkrieg. Zur Erinnerung an das Kriegsende vor 75 Jahren, in: Zeitschrift für württembergische Landesgeschichte, 52, 1993, S. 479-488.
Schumacher 1995, S. 64.
Schröder 1995, S. 504.
Manfred Schmid: Nie wieder Krieg! Zur Erinnerung an Immanuel Herrmann, in: Schwäbische Heimat, 41, 1996, S. 114-117.
Mittag 1997, 168.
Raberg 2001, S. 349-350.
Katja Nagel: Immanuel Gottlob Herrmann, in: Verfolgung und Entrechtung an der Technischen Hochschule Stuttgart während der NS-Zeit, hrsg. von Norbert Becker, Katja Nagel, Stuttgart 2017, S. 269–276.
Rainer Braun: Immanuel Herrmann, in: Gelebte Utopie. Auf den Spuren der Freimaurer in Württemberg. Begleitbuch zur Ausstellung des Landesarchivs Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart, bearb. von Albrecht Ernst, Regina Grünert, Stuttgart 2017, S. 134-135.