Johann (Mathias) Weißer

Parlament

1946
Vorläufige Volksvertretung Württemberg-Baden (Vertreter der SPD)

1946
Verfassungsgebende Landesversammlung Württemberg-Baden (SPD, Wahlkreis 25 Ulm)

1946
Landtag Württemberg-Baden (SPD, Wahlkreis 25 Ulm)

Partei vor 1933 Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD)
Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)

nach 1945 Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)
Geburt 24.02.1893, Oberkirnach (St. Georgen)
Ehe Emma geb. Duffner (1916)
Beruf Uhrmacher, Parteifunktionär, Redakteur
Kinder 1
Konfession Römisch-katholisch, später konfessionslos
Verstorben 08.04.1954, Ulm

Verfolgung

März 1933
Weißer ist Parteisekretär der SPD und Redakteur der SPD-Zeitung »Donauwacht« in Ulm. Im März 1933 wird er aus politischen Gründen aus diesen Stellungen entlassen.

10.03.1933
Um einer Verhaftung durch die NS-Behörden zu entgehen, taucht Weißer am 10. März 1933 unter. Am 25. März 1933 wird er in Langenenslingen (bei Sigmaringen) aufgegriffen und verhaftet. Er wird zunächst im Garnisonsarresthaus in Ulm in »Schutzhaft« genommen und Anfang April 1933 in das Konzentrationslager Heuberg verlegt. Später wird er in das Garnisonsarresthaus in Ulm zurückgebracht. Dort wird er Anfang November 1933 aus der Haft entlassen. Als Voraussetzung für seine Haftentlassung soll Weißer zusammen mit sieben anderen sozialdemokratischen Gefangenen am 22. Oktober 1933 eine Loyalitätserklärung an den württembergischen Reichsstatthalter Wilhelm Murr unterzeichnet haben. Die Loyalitätserklärung erscheint am 11. November 1933 im Staatsanzeiger für Württemberg (»Vorbehaltlos auf der Seite des Vaterlandes«) und am 13. November 1933 im Ulmer Tagblatt (»Treuebekenntnis einstiger Sozialdemokraten«).

Mitte August 1944
Weißer wird Mitte August 1944 im Rahmen der »Aktion Gewitter« verhaftet und in Ulm in »Schutzhaft« genommen. Mitte Oktober 1944 wird er aus der Haft entlassen.

Biografie

Volksschule

Lehre als Uhrmacher

März 1914
Übersiedelung nach Schwenningen, dort Tätigkeit als Uhrmacher bei der Firma Gebrüder Junghans

1915
Uhrmacher bei Th. E. Haller in Schwenningen

Mai 1915
Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg

Dezember 1918
Erneut Uhrmacher bei Th. E. Haller in Schwenningen

1919
Eintritt in die USPD

Juli 1920
Geschäftsführer des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes (DMV) in Schwenningen

ab 1925
Parteisekretär der SPD in Schwenningen

1929
Parteisekretär der SPD in Ulm und Redakteur der sozialdemokratischen Zeitung »Donauwacht«

Gründungsvorsitzender der Eisernen Front in Ulm

1932
Erfolglose Kandidatur für den württembergischen Landtag

1933
Arbeitslos

1934
Mitglied einer Widerstandsgruppe in Ulm, die SPD-Flugschriften verteilt

Januar 1935
Selbstständiger Uhrmacher in Ulm

1941
Gründung eines Uhrengeschäfts in Ulm

Februar 1945
Kriegsdienst im Zweiten Weltkrieg als Flakhelfer

1945
Mitglied des Ulmer Gemeinderats, dort Vorsitzender der SPD-Fraktion

1945
Kurzzeitig stellvertretender Bürgermeister in Ulm

November 1945
Herausgeber der »Schwäbischen Donau-Zeitung« in Ulm

1945
Vorsitzender der SPD in Ulm

Rezeption

1978
Namenspatron des Johann-Weißer-Wegs in Ulm-Söflingen

Literatur

Weik 2003, S. 157.

Kühnel 2009, S. 10, 19, 26.

Raberg, Frank: Biographisches Lexikon für Ulm und Neu-Ulm 1802-2009, Ostfildern 2010, S. 461.

Michael Kitzing: Johann Mathias Weißer, in: Baden-Württembergische Biographien, 5, 2013, S. 463-466.

Marie-Kristin Hauke, Thomas Vogel: Erinnern in Ulm. Demokratischer Neubeginn nach 1945. Auseinandersetzungen um den Nationalsozialismus, Ulm 2014, S. 30-31.

Dokumente

»Treubekenntnis einstiger Sozialdemokraten«

Als Häftling im Garnisons-Arresthaus in Ulm unterschrieben Weißer und sieben weitere sozialdemokratischen Gefangenen angeblich am 22. Oktober 1933 eine Loyalitätserklärung an den württembergischen Reichsstatthalter Wilhelm Murr. Die Loyalitätserklärung erschien am 13. November 1933 im Ulmer Tagblatt unter dem Titel »Treuebekenntnis einstiger Sozialdemokraten«.