Johann (Mathias) Weißer

Verfolgung
März 1933
Weißer ist Parteisekretär der SPD und Redakteur der SPD-Zeitung »Donauwacht« in Ulm. Im März 1933 wird er aus politischen Gründen aus diesen Stellungen entlassen.
10.03.1933
Um einer Verhaftung durch die NS-Behörden zu entgehen, taucht Weißer am 10. März 1933 unter. Am 25. März 1933 wird er in Langenenslingen (bei Sigmaringen) aufgegriffen und verhaftet. Er wird zunächst im Garnisonsarresthaus in Ulm in »Schutzhaft« genommen und Anfang April 1933 in das Konzentrationslager Heuberg verlegt. Später wird er in das Garnisonsarresthaus in Ulm zurückgebracht. Dort wird er Anfang November 1933 aus der Haft entlassen. Als Voraussetzung für seine Haftentlassung soll Weißer zusammen mit sieben anderen sozialdemokratischen Gefangenen am 22. Oktober 1933 eine Loyalitätserklärung an den württembergischen Reichsstatthalter Wilhelm Murr unterzeichnet haben. Die Loyalitätserklärung erscheint am 11. November 1933 im Staatsanzeiger für Württemberg (»Vorbehaltlos auf der Seite des Vaterlandes«) und am 13. November 1933 im Ulmer Tagblatt (»Treuebekenntnis einstiger Sozialdemokraten«).
Mitte August 1944
Weißer wird Mitte August 1944 im Rahmen der »Aktion Gewitter« verhaftet und in Ulm in »Schutzhaft« genommen. Mitte Oktober 1944 wird er aus der Haft entlassen.
Biografie
Volksschule
Lehre als Uhrmacher
März 1914
Übersiedelung nach Schwenningen, dort Tätigkeit als Uhrmacher bei der Firma Gebrüder Junghans
1915
Uhrmacher bei Th. E. Haller in Schwenningen
Mai 1915
Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg
Dezember 1918
Erneut Uhrmacher bei Th. E. Haller in Schwenningen
1919
Eintritt in die USPD
Juli 1920
Geschäftsführer des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes (DMV) in Schwenningen
ab 1925
Parteisekretär der SPD in Schwenningen
1929
Parteisekretär der SPD in Ulm und Redakteur der sozialdemokratischen Zeitung »Donauwacht«
Gründungsvorsitzender der Eisernen Front in Ulm
1932
Erfolglose Kandidatur für den württembergischen Landtag
1933
Arbeitslos
1934
Mitglied einer Widerstandsgruppe in Ulm, die SPD-Flugschriften verteilt
Januar 1935
Selbstständiger Uhrmacher in Ulm
1941
Gründung eines Uhrengeschäfts in Ulm
Februar 1945
Kriegsdienst im Zweiten Weltkrieg als Flakhelfer
1945
Mitglied des Ulmer Gemeinderats, dort Vorsitzender der SPD-Fraktion
1945
Kurzzeitig stellvertretender Bürgermeister in Ulm
November 1945
Herausgeber der »Schwäbischen Donau-Zeitung« in Ulm
1945
Vorsitzender der SPD in Ulm
Rezeption
1978
Namenspatron des Johann-Weißer-Wegs in Ulm-Söflingen
Literatur
Weik 2003, S. 157.
Kühnel 2009, S. 10, 19, 26.
Raberg, Frank: Biographisches Lexikon für Ulm und Neu-Ulm 1802-2009, Ostfildern 2010, S. 461.
Michael Kitzing: Johann Mathias Weißer, in: Baden-Württembergische Biographien, 5, 2013, S. 463-466.
Marie-Kristin Hauke, Thomas Vogel: Erinnern in Ulm. Demokratischer Neubeginn nach 1945. Auseinandersetzungen um den Nationalsozialismus, Ulm 2014, S. 30-31.
Dokumente
»Treubekenntnis einstiger Sozialdemokraten«
Als Häftling im Garnisons-Arresthaus in Ulm unterschrieben Weißer und sieben weitere sozialdemokratischen Gefangenen angeblich am 22. Oktober 1933 eine Loyalitätserklärung an den württembergischen Reichsstatthalter Wilhelm Murr. Die Loyalitätserklärung erschien am 13. November 1933 im Ulmer Tagblatt unter dem Titel »Treuebekenntnis einstiger Sozialdemokraten«.