Marie Schloß

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Parlament

1919
Verfassunggebende Landesversammlung der Republik Baden (DDP, Wahlkreis 1 Konstanz)

Partei vor 1933 Fortschrittliche Volkspartei (FVP)
Deutsche Demokratische Partei (DDP)

nach 1945 -
Geburt 31.01.1872, Freiburg im Breisgau
Ehe Adolf Schloß (1893)
Beruf Schriftstellerin, Fürsorgebeamtin
Kinder 2
Konfession Jüdisch, später evangelisch (Herrnhuter Brüdergemeine)
Verstorben 19.10.1952, Bern

Verfolgung

August 1935
Marie Schloß stammt aus einer jüdischen Familie, ist aber 1905 zum Protestantismus konvertiert. Zu Beginn des Nationalsozialismus lebt sie mit ihrem Sohn Erwin Schloß (geb. 22. März 1894) in Gnadau bei Magdeburg, wo Erwin als Pfarrer der Herrnhuter Brüdergemeine tätig ist. Als die antisemitischen Anfeindungen gegen ihn zunehmen, bittet Erwin Schloß im August 1935 um seine Versetzung ins Ausland. Vermutlich im September 1935 wird er von der Herrnhuter Brüdergemeine nach Bern versetzt. Marie Schloß zieht daraufhin nach Bruchsal zu ihrem zweiten Sohn Martin Friedrich (Fritz) Schloß (geb. 4. November 1895). Martin Friedrich Schloß arbeitet in Bruchsal als Chemiker bei der Malzfabrik Rheinpfalz AG. Im April 1938 emigriert er in die USA. Marie Schloß zieht daher im September 1938 nach Bern zu ihrem Sohn Erwin. Dort betreuen Mutter und Sohn jüdische Flüchtlinge aus Deutschland. Erwin Schloß stirbt am 7. Januar 1944 bei einem Autounfall.

Biografie

Tochter eines Weinhändlers und Schwester des badischen Landtags- und Reichstagsabgeordneten Ludwig Haas (1875-1930)

Schule in Freiburg

1893
Hausfrau in Emmendingen

1905
Übertritt zum Protestantismus

Mitglied der Deutschen Friedensgesellschaft

Mitglied des Vereins für soziale Hygiene

1907
Schloß' Ehemann, der Zigaret­ten­fa­bri­kan­t Adolf Schloß, verstirbt.

1907
Übersiedelung nach Karlsruhe, dort Tätigkeit als Journalistin und Redakteurin für die Zeitung »Badischer Landes­bo­te« und für die »Zeitung der Fortschritt­li­chen Volks­par­tei«

Mitglied des Vereins für Bodenreform

Mitglied des Vereins für Frauen­stimm­recht

Tätigkeit für die Rechts­aus­kunfts­stelle für Frauen und Mädchen

ab 1912
Fürsorgebeamtin in der Herrnhuter Brüdergemeine in Königsfeld

1913
Schloß organisiert in Königsfeld eine Ausstellung mit Bildern zeitgenössischer badischer Maler.

In ihrer Wohnung in Königsfeld betreibt Schloß einen kleinen Kunsthandel.

1916
Schloß gründet im Amtsbezirk Villingen eine soziale Frauenberatungsstelle, die Kriegsfürsorge für Frauen betreibt.

ab 1919
Mitglied des Kreistags im Landkreis Villingen

Schloß ist literarisch tätig. Sie verfasst Gedichte, Geschichten und Romane: »Im Vorübergehen« (1899), »Der Herr Medikus und andere Geschichten« (1910), »Von Leben und Sterben. Von Alten und Jungen« (1914), »Prinzessin. Sozialer Roman« (1911), »Der Nachkömmling vom Kellerhof« (1917), »Hinter der Kirche und andere Geschichten« (1921).

1931
Schloß zieht nach Gnadau bei Magdeburg. Dort lebt sie mit ihrem Sohn Erwin Schloß, der als Pfarrer tätig ist.

1935
Übersiedelung nach Bruchsal zu ihrem Sohn Martin Friedrich Schloß

September 1938
Übersiedelung nach Bern zu ihrem Sohn Erwin Schloß

Marie Schloß verbringt ihren Lebensabend auf Schloss Hüningen bei Bern.

Literatur

Götz Ebell: Wiederentdeckte Briefe Raabes an Marie Schloß, in: Jahrbuch der Raabe-Gesellschaft, 1985, S. 107-112.

Schumacher 1995, S. 139.

Weik 2003, S. 301.