Marie Schloß
Verfolgung
August 1935
Marie Schloß stammt aus einer jüdischen Familie, ist aber 1905 zum Protestantismus konvertiert. Zu Beginn des Nationalsozialismus lebt sie mit ihrem Sohn Erwin Schloß (geb. 22. März 1894) in Gnadau bei Magdeburg, wo Erwin als Pfarrer der Herrnhuter Brüdergemeine tätig ist. Als die antisemitischen Anfeindungen gegen ihn zunehmen, bittet Erwin Schloß im August 1935 um seine Versetzung ins Ausland. Vermutlich im September 1935 wird er von der Herrnhuter Brüdergemeine nach Bern versetzt. Marie Schloß zieht daraufhin nach Bruchsal zu ihrem zweiten Sohn Martin Friedrich (Fritz) Schloß (geb. 4. November 1895). Martin Friedrich Schloß arbeitet in Bruchsal als Chemiker bei der Malzfabrik Rheinpfalz AG. Im April 1938 emigriert er in die USA. Marie Schloß zieht daher im September 1938 nach Bern zu ihrem Sohn Erwin. Dort betreuen Mutter und Sohn jüdische Flüchtlinge aus Deutschland. Erwin Schloß stirbt am 7. Januar 1944 bei einem Autounfall.
Biografie
Tochter eines Weinhändlers und Schwester des badischen Landtags- und Reichstagsabgeordneten Ludwig Haas (1875-1930)
Schule in Freiburg
1893
Hausfrau in Emmendingen
1905
Übertritt zum Protestantismus
Mitglied der Deutschen Friedensgesellschaft
Mitglied des Vereins für soziale Hygiene
1907
Schloß' Ehemann, der Zigarettenfabrikant Adolf Schloß, verstirbt.
1907
Übersiedelung nach Karlsruhe, dort Tätigkeit als Journalistin und Redakteurin für die Zeitung »Badischer Landesbote« und für die »Zeitung der Fortschrittlichen Volkspartei«
Mitglied des Vereins für Bodenreform
Mitglied des Vereins für Frauenstimmrecht
Tätigkeit für die Rechtsauskunftsstelle für Frauen und Mädchen
ab 1912
Fürsorgebeamtin in der Herrnhuter Brüdergemeine in Königsfeld
1913
Schloß organisiert in Königsfeld eine Ausstellung mit Bildern zeitgenössischer badischer Maler.
In ihrer Wohnung in Königsfeld betreibt Schloß einen kleinen Kunsthandel.
1916
Schloß gründet im Amtsbezirk Villingen eine soziale Frauenberatungsstelle, die Kriegsfürsorge für Frauen betreibt.
ab 1919
Mitglied des Kreistags im Landkreis Villingen
Schloß ist literarisch tätig. Sie verfasst Gedichte, Geschichten und Romane: »Im Vorübergehen« (1899), »Der Herr Medikus und andere Geschichten« (1910), »Von Leben und Sterben. Von Alten und Jungen« (1914), »Prinzessin. Sozialer Roman« (1911), »Der Nachkömmling vom Kellerhof« (1917), »Hinter der Kirche und andere Geschichten« (1921).
1931
Schloß zieht nach Gnadau bei Magdeburg. Dort lebt sie mit ihrem Sohn Erwin Schloß, der als Pfarrer tätig ist.
1935
Übersiedelung nach Bruchsal zu ihrem Sohn Martin Friedrich Schloß
September 1938
Übersiedelung nach Bern zu ihrem Sohn Erwin Schloß
Marie Schloß verbringt ihren Lebensabend auf Schloss Hüningen bei Bern.
Literatur
Götz Ebell: Wiederentdeckte Briefe Raabes an Marie Schloß, in: Jahrbuch der Raabe-Gesellschaft, 1985, S. 107-112.
Schumacher 1995, S. 139.
Weik 2003, S. 301.