Ulrich Steiner

Parlament

1946
Beratende Landesversammlung Württemberg-Hohenzollern (CDU)

Partei vor 1933 Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP)

nach 1945 -
Geburt 21.08.1908, Laupheim
Ehe Unverheiratet
Beruf Gutsbesitzer, Brauer, Verleger
Kinder 1
Konfession Evangelisch
Verstorben 25.12.1961, München

Verfolgung

1933
Steiner ist ab 1932 Mitglied der NSDAP. Aufgrund seiner jüdischen Abstammung gilt er bei den NS-Behörden jedoch als »jüdischer Mischling ersten Grades«. Er wird deshalb 1933 aus der NSDAP ausgeschlossen.

1933
Steiner studiert Wirtschaftswissenschaften an der Universität Tübingen. Unter dem Druck zunehmender antisemitischer Anfeindungen bricht Steiner 1933 sein Studium ab.

1935
Steiner übernimmt 1935 von seinem Vater die Leitung des steinerschen Schlossguts in Laupheim mit den zugehörigen Betrieben (Land- und Forstwirtschaft, Brauerei). Ab Mitte 1936 ist der Familienbetrieb verstärkten Boykottmaßnahmen und Benachteiligungen seitens der NS-Behörden ausgesetzt: Entzug von Aufträgen, eingeschränkte Zuweisung von Arbeitskräften, Rohstoffen und Geräten. In der Folge muss 1944 der Betrieb der Brauerei eingestellt werden.

1939
Steiner wird 1939 zum Kriegsdienst in der Wehrmacht eingezogen. 1940 wird er als »wehrunwürdig« aus der Wehrmacht entlassen.

22.07.1944
Steiners Mutter Ruth Steiner, geb. von Kalckreuth, wird am 22. Juli 1944 verhaftet aufgrund einer Äußerung, die sie gegenüber ihrer Köchin nach dem misslungenen Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 machte (»Man muss bedenken, dass Stauffenberg und die Generäle glaubten, das Beste für Deutschland zu tun. Sie hofften, so eher zum Frieden zu kommen.«). Ab dem 22. Juli 1944 ist sie im Gestapo-Gefängnis in Ulm inhaftiert, später in Leonberg, ab dem 3. Dezember 1944 im Frauenarbeitserziehungslager Rudersberg im Welzheimer Wald und ab dem 13. Februar 1945 im Gestapo-Gefängnis in Cannstatt und in Stuttgart. Dort wird sie am 3. April 1945 durch amerikanische Truppen befreit.

21.11.1944
Steiner wird am 21. November 1944 verhaftet und zur Zangsarbeiter eingezogen. Er wird im Zwangsarbeiterlager Leimbach bei Mansfeld interniert, wo er in den Mansfelder Kupfer- und Messingwerken unter Tage arbeiten muss. Am 15. April 1945 wird er befreit.

Biografie

1920
Abitur in Laupheim

1929
Eintritt in den Stahlhelm (Bund der Frontsoldaten)

1929
Studium der Rechtswissenschaften in München, später in Tübingen, dort Wechsel zu den Wirtschaftswissenschaften

1932
Mitglied der NSDAP

1935
Gemeinsam mit seiner Schwester Marie Luise Gräfin Leutrum von Ertringen geb. Steiner übernimmt Steiner das Schloßgut und den Familienbetrieb der Eltern in Laupheim.

1939
Kriegsdienst im Zweiten Weltkrieg, als »nicht wehrwürdig« entlassen

Juli 1945
Stellvertretender Bürgermeister von Laupheim

April 1946
Mitbegründer der CDU in Laupheim sowie Vorsitzender der CDU in Sigmaringen

ab 1946
Geschäftsführender Vorsitzender des Landesverbandes der CDU in Württemberg-Hohenzollern

22.06.1946
Zweiter Vorsitzender des Landesvorstands der CDU in Württemberg-Hohenzollern

Mai 1947
Mitglied des vorläufigen Vorstands der Arbeitsgemeinschaft der CDU/CSU Deutschlands (ARGE), bis 1950 Mitglied des Außenpolitischen Ausschusses der ARGE

1947
Gründung eines eigenen Verlags

1948
Initiator, Gastgeber und Vorsitzender des Laupheimer Kreises (Diskussionsrunde auf Schloss Großlaupheim über die Probleme der Besatzungszeit)

29.03.1950
Wahl zum stellvertretenden Vorsitzenden des Landesverbandes der CDU Württemberg-Hohenzollern, zwei Tage später Rücktritt von allen Parteiämtern

1961
Verkauf großer Teile des Grundbesitzes an die Stadt Laupheim

Rezeption

Das im Schloss Großlaupheim eingerichtete Museum zur Geschichte von Christen und Juden schildert die Familiengeschichte der Steiners.

Literatur

Georg Schenk: Kilian Steiner, in: Lebensbilder aus Schwaben und Franken, 11, 1969, 312-326.

Hans Speidel: Aus unserer Zeit. Erinnerungen, Stuttgart 1977, S. 244-246.

Kurt Diemer: 1946. Das erste Jahr. Zur Frühgeschichte der CDU im Altkreis Biberach, in: Heimatkundliche Blätter für den Kreis Biberach, 9, 1986, 2, S. 41-45.

Frank Häußler: Ulrich Steiner und der Laupheimer Kreis. Ein konservatives Randphänomen in der Frühzeit der Bundesrepublik Deutschland, in: Historisch-politische Mitteilungen, 1999, S. 189-205.

Frank Raberg: Ulrich Steiner, in: Baden-Württembergische Biographien, 3, 2002, S. 391-393.

Weik 2003, S. 144.