Walter Chemnitz

Verfolgung
31.03.1933
Chemnitz wird am 31. März 1933 auf Grundlage der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat in Mannheim verhaftet. Vorgeworfen werden ihm seine Aktivitäten für die KPD, insbesondere eine Rede, die er am 1. Februar 1933 in Basel im Restaurant Amerbach bei einer KPD-Versammlung gehalten hat. Chemnitz wird am 20. Dezember 1933 von Mannheim in das Konzentrationslager Kislau überstellt. Am 17. April 1935 wird er aus der Haft entlassen.
August 1938
Chemnitz wird im August 1938 in Rudolstadt verhaftet und kommt in Weimar in Untersuchungshaft. Vorgeworfen wird ihm Vorbereitung zum Hochverrat. Er soll 1930 und 1931 als KPD-Leiter in Lörrach aus der Schweiz illegal Waffen und Sprengstoff beschafft haben, die für kommunistische Terror- und Sabotageakte gedacht gewesen sein sollen. Es wird jedoch keine Anklage gegen Chemnitz erhoben. Im Dezember 1938 wird er aus der Haft entlassen.
Biografie
Volksschule
Dreijährige Lehre als Maurer in Rudolstadt
Wanderschaft als Maurergeselle in Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz
Februar 1921
Eintritt in die KPD
1925
Handwerksbursche in Lörrach
Unterkassierer der KPD in Lörrach, später KPD-Unterbezirksleiter in Lörrach und Schopfheim
1926
Mitglied der Stadtverordnetenversammlung in Lörrach
Begründer und Vorsitzender des Roten Frontkämpferbunds (RFB) in Lörrach. Nach dem Verbot des Bunds wird Chemnitz 1929 wegen dessen illegaler Fortführung zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Die Haftstrafe verbüßt Chemnitz von April bis Juli 1930.
1929
Besuch der KPD-Reichsparteischule Rosa Luxemburg in Fichtenau
ab 1931
Leiter des KPD-Bezirks Baden-Pfalz in Mannheim
Vorsitzender des Bezirkskomitees Baden-Pfalz der Revolutionären Gewerkschafts-Opposition (RGO)
November 1931
Tätigkeit als Agitator und Redner, im November 1931 vom Reichsinnenminister mit einem Redeverbot belegt
Februar 1933
Chemnitz hält sich in der Schweiz auf und spricht vor der KPD-Ortsgruppe Basel. Am 3. März 1933 verhängt die schweizerische Bundesanwaltschaft wegen seiner politischen Betätigung eine Grenzsperre gegen ihn und weist ihn aus.
1935
Maurer bei der Firma Reiber in Rudolstadt
1938
Chemnitz kämpft im Spanischen Bürgerkrieg in einer internationalen Brigade. Er wird 1938 schwer verwundet und kehrt nach Deutschland zurück.
Tätigkeit als Maurer in Rudolstadt
22.04.1941
Einberufung zum Kriegsdienst im Zweiten Weltkrieg an der Ostfront
Chemnitz gerät in sowjetische Kriegsgefangenschaft und verstirbt dort.
Literatur
Julius Schätzle: Stationen zur Hölle. Konzentrationslager in Baden und Württemberg 1933-1945, Frankfurt am Main 1980, S. 17.
Erich Matthias, Hermann Weber (Hrsg.): Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Mannheim, Mannheim 1984, S. 254, 260, 309.
Hermann Weber: »Weisse Flecken« in der Geschichte. Die KPD-Opfer der Stalinschen Säuberungen und ihre Rehabilitierung, Frankfurt am Main 1989, S. 24.
Schumacher 1991, S. 163.
Thomas Kurz: Feindliche Brüder im deutschen Südwesten. Sozialdemokraten und Kommunisten in Baden und Württemberg von 1928 bis 1933, Berlin 1996, S. 243, 357, 404.
Weber Herbst 2008, S. 163.