Dem Knie geht's «gut» - Wie sich Lys zurückkämpft

Streckte sich vergeblich: In der zweiten Runde war Eva Lys völlig ohne Chance.
Marijan Murat/dpa
Wenigstens zwickt das Knie nicht. Wenigstens die Erkenntnis hielt Eva Lys nach ihrem heftigen Zweitrunden-Aus beim Weltklasse-Turnier in Stuttgart noch bei Laune. «Glücklicherweise geht es meinem Knie gut. Das ist auch das Wichtigste», fasste die Tennisspielerin zusammen. Einen Tag nach ihrem Dreisatz-Erfolg in Runde eins hatte sie sich mit einem chancenlosen 1:6, 0:6 gegen Australian-Open-Halbfinalistin Jelina Switolina verabschiedet.
Sie sei «physisch einfach echt angeschlagen» gewesen, erklärte Lys. Sie habe sich nicht «super bewegen» und «die kleinen Chancen» nicht nutzen können. «Ich nehme das mal mit als fehlende Matchpraxis», bilanzierte die 24-Jährige.
Rückschlag im ersten Spiel der neuen Saison
Lys hat einen «blöden» Start ins Jahr hinter sich. In ihrem ersten Auftritt Anfang Januar hatte sich die letztjährige Australian-Open-Achtelfinalistin beim United Cup das Knie überstreckt. Mit einem immer wieder «dicken Knie», wie sie erzählte, machte sie erst einmal weiter. Die Ärzte in Australien hatten keine schlimmere Verletzung festgestellt. Erst drei Wochen später in Hamburg kam heraus, dass sie sich eine Sehne gerissen hatte. Lys musste doch pausieren.
«Es ist auch kein Geheimnis, dass bei mir alle Prozesse etwas länger dauern», sagte die Nummer 78 der Tennis-Welt. Die Hamburgerin hat eine rheumatische Autoimmunerkrankung, die sie immer mal wieder zu Pausen zwingt.
Fünf Wochen durfte sie wegen der gerissenen Sehne nicht auf den Tennisplatz. Dann spielte sie in Miami und Charleston, um das Knie einer «Generalprobe» zu unterziehen, verlor jeweils in Runde eins. Nach Charleston habe das Knie reagiert, sie habe vom Arzt aber Entwarnung bekommen, berichtete Lys.
Statt in der vergangenen Woche die Mannschaft des Deutschen Tennis Bunds im Billie Jean King Cup anzuführen, sagte sie - wie auch Laura Siegemund - verletzungsbedingt ab. Die junge, unerfahrene Auswahl stürzte in die Drittklassigkeit ab. Lys hätte dem Team sicher gutgetan. «Es ist eine ganz andere Atmosphäre und noch mal ein anderer Druck. Vielleicht hätte da ein bisschen Erfahrung geholfen», meinte Auswahlspielerin Ella Seidel (21).
Wie Lys ihre Absage für den Billie Jean King Cup begründet
Warum Lys sich dagegen entschied, im Nationen-Wettbewerb gegen vermeintlich leichtere Gegnerinnen Matchpraxis zu sammeln? «Es war keine leichte Entscheidung. Es tat mir leid», antwortete sie. «Wenn ich mich um das Knie nicht richtig kümmere, kann es sein, dass ich die nächsten Wochen und Monate ausfalle. Das konnte ich nicht riskieren. Ich glaube, mein Knie und meine Gesundheit wird immer die oberste Priorität sein.»
Drei Tage nach dem entscheidenden Auftritt der Auswahl in Portugal trat Lys zur ersten Runde beim finanziell reizvollen und hochklassig besetzten Porsche Grand Prix an. Gegen die einstige Weltranglistenzweite, mittlerweile aber weit abgerutschte Spanierin Paula Badosa feierte sie im sechsten Match der Saison erst den zweiten Sieg.
Als sie einen 2:6, 1:4-Rückstand in ein 2:6, 7:5, 6:4 drehte, zeigte die deutsche Hoffnungsträgerin auch, was US-Star Coco Gauff als ihre Stärke ausmachte: erfolgreiche Power von der Grundlinie, ohne zurückzuweichen.
Bis sie gar nicht mehr ans Knie denke, sich eleganter bewege und ihre Topform finde, werde es ein bisschen dauern, mahnte Lys. Das zeigte sich gegen die ukrainische Topspielerin Switolina. «Mir war wirklich bewusst, dass es nicht einfach werden wird wieder ins Turnier zu finden und in die nächsten Turniere.»
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