Die Finals: Vier Tage Sommermärchen für 24 Sportarten

Stabhochsprung vor der Oper war ein Publikumsliebling bei den Finals in Hannover.

So einhellige Begeisterung ist hierzulande außergewöhnlich. Egal, ob Zuschauer, Sportler oder TV-Macher: Die Beurteilung der Finals war durchgängig positiv, teilweise sogar richtig euphorisch. Die Multisport-Veranstaltung mit 24 Sportarten brachte vier Tage Sommermärchen-Stimmung nach Hannover - Stuttgart darf sich schon auf die siebte Auflage in einem Jahr freuen.

«Absoluter Wahnsinn», schwärmte Dustyn Alt. Der deutsche Meister im BMX Flatland steht mit seinem Lob stellvertretend für viele andere Sportler. «Die Zuschauer feiern uns, und wir feiern sie. Hannover hat es krachen lassen», sagte der deutsche Meister, der einen einmaligen Wettkampfort hatte: Mitten im Rathaus von Hannover zeigten die BMX-Fahrer ihre Kunststücke.

 «Die Stimmung war herausragend gut»

Die Finals mit ihren diesmal insgesamt 143 zu vergebenen Titeln haben sich als fröhliches Festival der deutschen Meisterschaften etabliert, das vor allem die Athleten der sonst eher im Schatten stehenden Sportarten ins Scheinwerferlicht rückt. Insgesamt 480.000 Zuschauer zählten die Veranstalter alleine in Hannover.

Die Besucher drängten sich dafür in der Stadt, schauten neugierig und begeistert auf die Veranstaltungen vor der Oper, mitten im Rathaus oder rund um den Maschsee. Beim Umbau gab es für die Helfer teilweise «Beifall von den Zuschauern», berichtete Finals-Geschäftsführer Hagen Boßdorf mit Tränen der Rührung in den Augen.

Millionen Menschen schauten im Fernsehen und im Internet die stundenlangen Live-Berichte der TV-Sender ARD und ZDF, ohne die es die Finals gar nicht gäbe. «Die Stimmung war herausragend gut», kommentierte ZDF-Sportchef Yorck Polus: «Es war eine Riesen-Begeisterung bei den Menschen in Hannover zu spüren.»

 «Die Entwicklung der Finals sind ein kleiner Traum»

Die beiden öffentlich-rechtlichen Sender berichteten von den vielen deutschen Meisterschaften mehr als 30 Stunden im klassischen Fernsehen und wurden mit guten TV-Quoten belohnt. Von 15 bis 20 Uhr lag der durchschnittliche Marktanteil am Samstag im ZDF im zweistelligen Bereich. Die Reichweite lag teilweise über den Werten der Tour de France. «Die Entwicklung der Finals sind ein kleiner Traum», sagte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky. 

Hannover war für vier Tage das Zentrum des deutschen Spitzensports - allerdings gab es eine Ausnahme. Fast alle Leichtathletik-Titel wurden nicht in Niedersachsens Hauptstadt, sondern im Wattenscheider Lohrheidestadion in Bochum vergeben. In Hannover gibt es kein passendes Stadion.

Stabhochsprung vor der Oper begeistert Tausende 

Nur die Wettbewerbe im Stabhochsprung fanden in Hannover statt. Tausende drängten sich vor der Oper, um Blicke auf die akrobatischen Sprünge zu werfen. Die Wettkämpfe mitten in der Stadt begeisterten Tausende - und Tausende begeisterten wiederum die Springerinnen und Springer. «Es war unfassbar», sagte der neue deutsche Meister Marec Metzger in der ARD zu der ausgelassenen Stimmung und zu den Fans, die - anders als im Stadion - direkt an der Anlage saßen und standen. «Das beflügelt einen unheimlich. So nah an die Masse, das ist einfach schön», schwärmte der Stabhochspringer.

Die Schwimmer wollten unbedingt dabei sein, obwohl sie ihre deutschen Meisterschaften schon im April in Berlin hatten. Für die Finals gab es in der olympischen Kernsportart eigens ersonnene Wettbewerbe wie Eliminations-Rennen, eine Mischung aus Show und Training unter Wettkampfbedingungen für die in wenigen Wochen beginnende EM in Paris.

 «Dieser Flair in der Stadt ist extrem toll»

«Ich war unter anderem auf der Finalsmeile, fand das eine mega-schöne Sache», sagte der Schwimmer Sven Schwarz über die Mitmachaktionen, speziell für Kinder. «Dieser Flair in der Stadt ist extrem toll, macht Spaß», schwärmte der aus der Region stammende 1500-Meter-Meister: «Da konnte man sehen, wie schön Hannover ist - viele haben das ja nicht so auf dem Schirm.»

Hannover war die sechste Auflage des Multisport-Events seit der Premiere 2019 in Berlin. Im kommenden Jahr ist Stuttgart der Gastgeber. Nach derzeitigem Stand sollen 20 Meisterschaften an neun Sportstätten in der baden-württembergischen Landeshauptstadt ausgetragen werden.

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