So werden Umspannwerke geschützt

Es gibt Tausende Umspannwerke in Deutschland. (Archivbild)
Marijan Murat/dpa
Turnow-Preilack/Reutlingen (dpa/lsw) - Der Fund von Spreng- und Brandvorrichtungen an einem Umspannwerk in Brandenburg zeigt, wie verwundbar zentrale Teile der Stromversorgung sein können. Auch in Baden-Württemberg sind solche Anlagen Teil einer kritischen Infrastruktur. Ein Brand in einem Umspannwerk in Reutlingen hatte im Juni rund 7.600 Gebäude und etwa 40.000 Menschen zeitweise ohne Strom zurückgelassen. Die Ermittler gehen von Brandstiftung aus.
Das macht ein Umspannwerk
Umspannwerke sind wichtige Knotenpunkte im Stromnetz: Sie wandeln elektrische Spannung um und verteilen den Strom weiter. Fällt eine solche Anlage aus, kann das weitreichende Folgen haben - nicht nur für die Stromversorgung, sondern je nach Ausmaß auch für Internet, Mobilfunk und andere Bereiche des täglichen Lebens.
Der Netzbetreiber Netze BW verweist dabei auf umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen. Für sensible Anlagen gebe es spezielle Schutzkonzepte und teilweise auch Überwachungstechnik. Welche Maßnahmen eingesetzt werden, hänge von der jeweiligen Risikoeinschätzung ab. Diese werde laufend überprüft und angepasst.
«Als Betreiberin sogenannter systemkritischer Infrastruktur hat die Netze BW Sicherheitskonzepte entwickelt und sich intensiv mit besonders sensiblen Punkten ihrer Infrastruktur auseinandergesetzt», teilte das Unternehmen mit. Zudem bestehe ein enger und kontinuierlicher Austausch mit den zentralen Institutionen des behördlichen Krisen- und Katastrophenschutzes.
Keine 100-prozentige Sicherheit
Der österreichische Krisen- und Blackout-Vorsorge-Experte Herbert Saurugg erklärte, dass viele Umspannwerke vergleichsweise weit im Gelände lägen. «Die Vorstellung, die kann man einfach irgendwie schützen - das funktioniert nicht», sagte Saurugg. Kritische Infrastruktur sei grundsätzlich verletzlich, Ausfälle könnten sich schnell «kaskadenartig» ausbreiten. Daher sei es wichtig, dass die Bevölkerung lerne, mit solchen Ausfällen umzugehen.
Einen vollständigen Schutz könne es nicht geben, erklärte auch die Netze BW. Grund seien die Vielzahl an Anlagen und die großen Leitungslängen im Netz. Deshalb konzentriere sich die Absicherung besonders auf kritische Standorte.
Zum deutschen Stromnetz gehören laut den vier Übertragungsnetzbetreibern rund 300 große Umspannwerke in der Höchstspannungsebene. Zusätzlich gebe es bundesweit tausende weitere Umspannwerke und Trafostationen, die den Strom schrittweise bis zu Haushalten und Unternehmen weiterverteilen.
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