Das Netz des Lebens schützen: Umweltausschuss informiert sich im Naturkundemuseum Stuttgart über Biodiversität
Stuttgart. Im Rahmen seiner auswärtigen Sitzung am Donnerstag, 16. Juli 2026, hat der Ausschuss für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft das Naturkundemuseum Stuttgart besucht. Dies hat die Ausschussvorsitzende Anna Deparnay-Grunenberg (Grüne) mitgeteilt. Im Mittelpunkt des Besuchs stand der Austausch über den Zustand der biologischen Vielfalt in Baden-Württemberg und die wissenschaftlichen Grundlagen für ihren Schutz.
„Der Rückgang der biologischen Vielfalt ist die leiseste der ökologischen Krisen, die wir zurzeit verursachen. Um die Ursachen und Auswirkungen zu verstehen, ist der Austausch zwischen Politik und Wissenschaft unabdingbar. Deswegen besucht der Umweltausschuss heute das Team des Naturkundemuseums“, erklärte die Ausschussvorsitzende Deparnay-Grunenberg.
Die Mitglieder des Ausschusses seien vom wissenschaftlichen Direktor des Naturkundemuseums Stuttgart, Prof. Dr. Lars Krogmann, begrüßt und in die Arbeit des Forschungsmuseums eingeführt worden. Dabei habe er die immense Bedeutung der Biodiversität betont. Sinke diese, führe dies unter anderem zu einem zunehmenden Verlust der Resilienz der Ökosysteme, beispielsweise gegen Extremwetterereignisse. Ebenso dramatisch sei der kulturelle Verlust, wenn Lebensformen für immer verschwinden würden. Zudem habe er den Ausschussmitgliedern vermittelt, dass Biodiversität weit mehr sei als eine Vielfalt an Arten. Biodiversität umfasse neben der Artenvielfalt auch die genetische Vielfalt innerhalb einer Art sowie die Vielfalt der Ökosysteme insgesamt.
Das Naturkundemuseum habe sich zum Ziel gesetzt, die Gesellschaft für die Schönheit und Vielfalt der Natur zu begeistern, sodass sie sich für deren Erhalt einsetze. Im Museum könnten Besucherinnen und Besucher zudem herausfinden, was man gegen den Biodiversitätsverlust machen könne, so Krogmann.
Bei Baden-Württemberg handele es sich um eine Modellregion für Biodiversitätsforschung, da es hier unter anderem vielfältige Kultur- und Naturlandschaften gebe. Das Land verfüge über weltweit einzigartige paläontologische Fundstellen. Mit über zwölf Millionen Sammlungsobjekten im Bestand des Naturkundemuseums könne dort der Biodiversitätswandel über die letzten Jahrhunderte verfolgt werden. Dabei helfe zudem ein regelmäßiges paläontologisches Monitoring. Krogmann habe festgestellt, dass das Thema der Biodiversitätskrise eine immer größere gesellschaftliche Bedeutung bekomme und zunehmend anerkannt werde. Dies sei wichtig, da diese die Zukunft der ganzen Menschheit betreffe, fasste Deparnay-Grunenberg die Ausführungen Krogmanns zusammen.
Wie Deparnay-Grunenberg berichtete, habe Umweltministerin Thekla Walker betont, wie wichtig es sei, dass die Forschung im Bereich Biodiversität besonders unterstützt werde, da weiterhin erhebliche Wissenslücken bestünden. Das Ministerium werde sich auch künftig für Bildungsarbeit zum Thema Nachhaltigkeit einsetzen. Naturschutzpolitik müsse sich den aktuellen Gegebenheiten anpassen und Gelder möglichst effizient einsetzen.
Im Rahmen mehrerer Fachvorträge informierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Museums die Mitglieder des Ausschusses in Kleingruppen über die Aufgaben des Hauses. Dabei seien Forschungsprojekte, wissenschaftliche Arbeiten sowie Sammlungen des Hauses vorgestellt worden. Am Beispiel der Bachmuschel oder auch der invasiven Ameisenart Tapinoma magnum erhielten die Ausschussmitglieder Einblicke in die aktuellen Herausforderungen für den Arten- und Naturschutz.
Einen Schwerpunkt bildete der Biodiversitätswandel in Baden-Württemberg. Darüber hinaus sei erläutert worden, welche Bedeutung ein langfristiges Biodiversitätsmonitoring für wissenschaftlich fundierte politische Handlungsempfehlungen besitze. Dabei seien unter anderem die floristische Kartierung durch Citizen Scientists – also durch gebildete Ehrenamtliche vor Ort – sowie das in Zusammenarbeit mit der LUBW durchgeführte Insektenmonitoring vorgestellt worden. KI-gestützte Forschungsmethoden, wie detaillierte Röntgenaufnahmen von Insekten, eröffneten neben neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen auch zusätzliche Möglichkeiten für die Bildungsarbeit und könnten Impulse für technische Innovationen liefern, teilte Deparnay-Grunenberg mit. Mit dem Kompetenzzentrum für Biodiversität und integrative Taxonomie (KomBioTa) wolle das Naturkundemuseum die Brücke zwischen der Grundlagenforschung und der praktischen Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse schlagen.
„Der direkte Austausch mit den Forschenden hat eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig langfristige Datenerhebungen und wissenschaftliche Sammlungen sind. Das Naturkundemuseum leistet mit seiner Forschung und seinem Biodiversitätsmonitoring einen unverzichtbaren Beitrag, um politische Entscheidungen auf eine fundierte Grundlage zu stellen“, stellte Deparnay-Grunenberg abschließend fest.