Alois (Fidelis) Schnorr

Verfolgung
1938
Schnorrs Ehefrau Helene (geb. Draier) ist christlich getauft, stammt aber aus einer jüdischen Familie. Sie wird von den NS-Behörden deshalb als »Jüdin« eingestuft, während Schnorr selbst als »jüdisch versippt« gilt. Schnorr wird daher 1938 aus seinem Amt als Vorstandsvorsitzender der Volksbank von Staufen im Breisgau entlassen.
09.12.1938
Am Abend des 9. Dezember 1938 versammeln sich etwa 50 Personen, darunter auch Bewohner benachbarter Ortschaften, vor dem Wohnhaus Schnorrs in Staufen im Breisgau. Die Demonstranten fordern in Sprechchören Schnorr und seine Familie auf, aus Staufen zu verschwinden. Unter Aufsicht des NSDAP-Kreisleiters, des Landrats und der örtlichen Polizei verlassen Schnorr und seine Familie Staufen noch in derselben Nacht und fahren nach Todtmoos zu Schnorrs Stiefbruder Karl, der dort als Pfarrer lebt.
Februar 1939
Nach seinem Wegzug aus Staufen im Breisgau ist Schnorr im Februar 1939 gezwungen, sein von ihm 1934 erbautes Wohnhaus zu verkaufen.
28.11.1944
Aufgrund seiner »jüdischen Versippung« wird Schnorr zur Zwangsarbeit verpflichtet. Er wird ab dem 28. November 1944 in Thüringen im SS-Sonderlager Billroda, einem Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald, eingesetzt. Dort müssen die Zwangsarbeiter den ca. 500 Meter tiefen Salzschacht Burggraf als unterirdischen Rüstungsbetrieb herrichten. Schnorr arbeitet dort bis April 1945.
Biografie
Sohn eines Bahnbeamten
ab 1902
Volksschule in Mannheim
Handelsschule und kaufmännische Ausbildung in Mannheim
1915
Kriegs- und Militärdienst, unter anderem als Unteroffizier der Infanterie in Flandern und Galizien
1919
Tätigkeit im Speditionsgewerbe und in der Industrie in Mannheim
1923
Vorstandsvorsitzender der Volksbank Staufen im Breisgau
Engagement in verschiedenen Vereinen in Staufen im Breisgau: Mitgründer des Stenographenvereins, Vorsitzender der Staufener Schelmenzunft, Präsident des Liederkranzes, Mitglied eines Buch- und Theatervereins
1938
Freiberufliche Tätigkeit in Todtmoos im Schwarzwald, unter anderem als Steuerberater und als Bezirksvertreter der Bausparkasse der deutschen Volksbanken
1945
Bürgermeister von Staufen im Breisgau
1946
Verbandsdirektor des Badischen Genossenschaftsverbandes
18.03.1952
Badischer Finanzminister
1956
Schnorr gründet in Staufen im Breisgau das Schulze-Delitzsch-Haus, das als Schulungsinternat des Deutschen Genossenschaftsverbandes dient.
Rezeption
1952
Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
Namenspatron der Alois-Schnorr-Straße in Staufen im Breisgau
Ehrenbürger der Stadt Staufen im Breisgau
1961
Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
2006
Gedenktafel in der Alois-Schnorr-Straße in Staufen im Breisgau
Literatur
Verbandsdirektor Alois Schnorr 66 Jahre, in: Blätter für Genossenschaftswesen, 107, 1961, S. 43.
Verbandsdirektor Alois Schnorr gestorben, in: Blätter für Genossenschaftswesen, 108, 1962, S. 115.
Ingeborg Hecht: »Von außen her ein lautes Geschrei ...«. Der Fall Alois Schnorr, in: Staufen. Ein Stetlin im Brisgow, hrsg. von Ingeborg Hecht, Freiburg 1997, Seite 76-78.
Hans Harro Bühler: Alois Fidelis Schnorr, in: Baden-Württembergische Biographien, 3, 2002, S. 371-374.
Weik 2003, S. 135.
Hans Christof Wagner: Vertrieben, weil er sich nicht beugen wollte, in: Badische Zeitung, 30. April 2005.