Alois (Fidelis) Schnorr

Parlament

1946
Beratende Landesversammlung Baden (BCSV/CDU)

1947
Landtag Baden (BCSV/CDU, Wahlkreis 6 Freiburg-Müllheim)

Partei vor 1933 -
nach 1945 -
Geburt 14.02.1896, Mannheim
Erste Ehe
Helene geb. Draier (1922)
Zweite Ehe
Stefanie geb. Wenzel verw. Hainze (1955)
Beruf Kaufmann, Genossenschaftsfunktionär, Bürgermeister, Minister
Kinder 2
Konfession Römisch-katholisch
Verstorben 15.04.1962, Karlsruhe

Verfolgung

1938
Schnorrs Ehefrau Helene (geb. Draier) ist christlich getauft, stammt aber aus einer jüdischen Familie. Sie wird von den NS-Behörden deshalb als »Jüdin« eingestuft, während Schnorr selbst als »jüdisch versippt« gilt. Schnorr wird daher 1938 aus seinem Amt als Vorstandsvorsitzender der Volksbank von Staufen im Breisgau entlassen.

09.12.1938
Am Abend des 9. Dezember 1938 versammeln sich etwa 50 Personen, darunter auch Bewohner benachbarter Ortschaften, vor dem Wohnhaus Schnorrs in Staufen im Breisgau. Die Demonstranten fordern in Sprechchören Schnorr und seine Familie auf, aus Staufen zu verschwinden. Unter Aufsicht des NSDAP-Kreisleiters, des Landrats und der örtlichen Polizei verlassen Schnorr und seine Familie Staufen noch in derselben Nacht und fahren nach Todtmoos zu Schnorrs Stiefbruder Karl, der dort als Pfarrer lebt.

Februar 1939
Nach seinem Wegzug aus Staufen im Breisgau ist Schnorr im Februar 1939 gezwungen, sein von ihm 1934 erbautes Wohnhaus zu verkaufen.

28.11.1944
Aufgrund seiner »jüdischen Versippung« wird Schnorr zur Zwangsarbeit verpflichtet. Er wird ab dem 28. November 1944 in Thüringen im SS-Sonderlager Billroda, einem Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald, eingesetzt. Dort müssen die Zwangsarbeiter den ca. 500 Meter tiefen Salzschacht Burggraf als unterirdischen Rüstungsbetrieb herrichten. Schnorr arbeitet dort bis April 1945.

Biografie

Sohn eines Bahnbeamten

ab 1902
Volksschule in Mannheim

Handelsschule und kaufmännische Ausbildung in Mannheim

1915
Kriegs- und Militärdienst, unter anderem als Unteroffizier der Infanterie in Flandern und Galizien

1919
Tätigkeit im Speditionsgewerbe und in der Industrie in Mannheim

1923
Vorstandsvorsitzender der Volksbank Staufen im Breisgau

Engagement in verschiedenen Vereinen in Staufen im Breisgau: Mitgründer des Stenographenvereins, Vorsitzender der Staufener Schelmenzunft, Präsident des Liederkranzes, Mitglied eines Buch- und Theatervereins

1938
Freiberufliche Tätigkeit in Todtmoos im Schwarzwald, unter anderem als Steuerberater und als Bezirksvertreter der Bausparkasse der deutschen Volksbanken

1945
Bürgermeister von Staufen im Breisgau

1946
Verbandsdirektor des Badischen Genossenschaftsverbandes

18.03.1952
Badischer Finanzminister

1956
Schnorr gründet in Staufen im Breisgau das Schulze-Delitzsch-Haus, das als Schulungsinternat des Deutschen Genossenschaftsverbandes dient.

Rezeption

1952
Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland

Namenspatron der Alois-Schnorr-Straße in Staufen im Breisgau

Ehrenbürger der Stadt Staufen im Breisgau

1961
Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland

2006
Gedenktafel in der Alois-Schnorr-Straße in Staufen im Breisgau

Literatur

Verbandsdirektor Alois Schnorr 66 Jahre, in: Blätter für Genossenschaftswesen, 107, 1961, S. 43.

Verbandsdirektor Alois Schnorr gestorben, in: Blätter für Genossenschaftswesen, 108, 1962, S. 115.

Ingeborg Hecht: »Von außen her ein lautes Geschrei ...«. Der Fall Alois Schnorr, in: Staufen. Ein Stetlin im Brisgow, hrsg. von Ingeborg Hecht, Freiburg 1997, Seite 76-78.

Hans Harro Bühler: Alois Fidelis Schnorr, in: Baden-Württembergische Biographien, 3, 2002, S. 371-374.

Weik 2003, S. 135.

Hans Christof Wagner: Vertrieben, weil er sich nicht beugen wollte, in: Badische Zeitung, 30. April 2005.