Ernst Sindlinger

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Parlament

1946
Vorläufige Volksvertretung Württemberg-Baden (Vertreter der Landräte)

Partei vor 1933 -
nach 1945 -
Geburt 06.04.1883, Ulm
Ehe Elisabeth Angelina Maria geb. Middendorf (1915)
Beruf Verwaltungsbeamter, Landrat
Kinder 2
Konfession Evangelisch
Verstorben 01.01.1963, Ulm

Verfolgung

06.04.1933
Sindlinger ist Rechtsrat und Stellvertreter des Oberbürgermeisters in Ulm. Am 6. April 1933 wird er vom Staatskommissar und späteren Ulmer Oberbürgermeister Friedrich Förster beurlaubt - unter dem Vorwand des Verdachts der ordnungswidrigen Geschäftsführung, tatsächlich jedoch aus politischen Gründen. Sindlinger legt am 7. April 1933 Beschwerde gegen seine Beurlaubung ein. Er hat jedoch keinen Erfolg damit: Der Ministerialdirektor Jonathan Schmid, der den Fall prüft, bestätigt Sindlingers Beurlaubung. In der Folge wird im Juni 1933 ein Disziplinarverfahren gegen Sindlinger eingeleitet, das aber ergebnislos eingestellt wird und somit keine Grundlage für eine Beurlaubung bietet. Daraufhin verfügt der württembergische Reichsstatthalter Wilhelm Murr am 16. November 1933 - gerechtfertigt als Maßnahme zur »Vereinfachung der Verwaltung« - Sindlingers Versetzung in den Ruhestand. Ludwig Battenberg, der Staatskommissar für die Bezirks- und Körperschaftsverwaltung, und Gustav Himmel, der Kanzleidirektor im württembergischen Innenministerium, lehnen jedoch das Vorgehen gegen Sindlinger ab und finden hinter den Kulissen eine »Auffanglösung« für ihn: Sindlinger wird am 8. Dezember 1933 im Dienst des württembergischen Innenministeriums zur Pensionskasse für Körperschaftsbeamte in Stuttgart versetzt, wo er als Stellvertreter des Vorsitzenden fungiert. Am 9. Oktober 1939 wird Sindlinger schließlich zum Beamten auf Lebenszeit und zum Oberregierungsrat ernannt.

Biografie

Sohn eines Oberkontrolleurs

ab 1889
Elementarschule in Ulm

Realgymnasium

1903
Studium der Regiminalwissenschaften in Tübingen

Mitglied der Burschenschaft Germania Tübingen

1908
Referendar beim Amtsgericht Ulm, beim Oberamt Ulm, bei der Regierung des Donaukreises Ulm und bei den Gemeinden Baiersbronn und Ludwigsburg

1911
Staatsprüfung für den höheren Verwaltungsdienst

27.07.1911
Regierungsassessor bei den Oberämtern Schwäbisch Gmünd, Ulm und Waldsee

01.10.1916
Zunächst Amtmann, dann Oberamtmann in Ulm

1918
Tätigkeit beim Reichswirtschaftsministerium in Berlin

1919
Tätigkeit bei der württembergischen Gesandtschaft in Berlin

1920
Hilfsberichterstatter beim württembergischen Arbeitsministerium in Stuttgart

Juni 1921
Städtischer Rechtsrat und ständiger Stellvertreter des Oberbürgermeisters in Ulm, ab 1924 mit der Amtsbezeichnung »Bürgermeister«

16.11.1933
Vorzeitig in den Ruhestand versetzt

08.12.1933
Tätigkeit bei der Pensionskasse für Körperschaftsbeamte in Stuttgart, dort Stellvertreter des Vorsitzenden

09.10.1939
Ernennung zum Oberregierungsrat

01.07.1945
Landrat im Landkreis Ulm, zunächst von der US-amerikanischen Militärregierung kommissarisch ernannt, ab 1946 gewählt

1953
Eintritt in den Ruhestand

Literatur

Willy Nolte (Hrsg.): Burschenschafter-Stammrolle. Verzeichnis der Mitglieder der Deutschen Burschenschaft nach dem Stande vom Sommer-Semester 1934, Berlin 1934, S. 469.

Angerbauer 1996, S. 533.

Michael Ruck: Korpsgeist und Staatsbewußtsein: Beamte im deutschen Südwesten 1928-1972, München 1996, S. 105-107.

Weik 2003, S. 142.

Kühnel 2009, S. 10.

Frank Raberg: Biografisches Lexikon für Ulm und Neu-Ulm, Ulm 2010, S. 412.

Dokumente

Schreiben des württembergischen Innenministeriums

Am 1. Dezember 1933 teilte das württembergische Innenministerium der Ministerialverwaltung für Bezirks- und Körperschaftsverwaltung mit, dass Sindlinger am 16. November 1933 in den Ruhestand versetzt worden war.