Ernst Sindlinger
Verfolgung
06.04.1933
Sindlinger ist Rechtsrat und Stellvertreter des Oberbürgermeisters in Ulm. Am 6. April 1933 wird er vom Staatskommissar und späteren Ulmer Oberbürgermeister Friedrich Förster beurlaubt - unter dem Vorwand des Verdachts der ordnungswidrigen Geschäftsführung, tatsächlich jedoch aus politischen Gründen. Sindlinger legt am 7. April 1933 Beschwerde gegen seine Beurlaubung ein. Er hat jedoch keinen Erfolg damit: Der Ministerialdirektor Jonathan Schmid, der den Fall prüft, bestätigt Sindlingers Beurlaubung. In der Folge wird im Juni 1933 ein Disziplinarverfahren gegen Sindlinger eingeleitet, das aber ergebnislos eingestellt wird und somit keine Grundlage für eine Beurlaubung bietet. Daraufhin verfügt der württembergische Reichsstatthalter Wilhelm Murr am 16. November 1933 - gerechtfertigt als Maßnahme zur »Vereinfachung der Verwaltung« - Sindlingers Versetzung in den Ruhestand. Ludwig Battenberg, der Staatskommissar für die Bezirks- und Körperschaftsverwaltung, und Gustav Himmel, der Kanzleidirektor im württembergischen Innenministerium, lehnen jedoch das Vorgehen gegen Sindlinger ab und finden hinter den Kulissen eine »Auffanglösung« für ihn: Sindlinger wird am 8. Dezember 1933 im Dienst des württembergischen Innenministeriums zur Pensionskasse für Körperschaftsbeamte in Stuttgart versetzt, wo er als Stellvertreter des Vorsitzenden fungiert. Am 9. Oktober 1939 wird Sindlinger schließlich zum Beamten auf Lebenszeit und zum Oberregierungsrat ernannt.
Biografie
Sohn eines Oberkontrolleurs
ab 1889
Elementarschule in Ulm
Realgymnasium
1903
Studium der Regiminalwissenschaften in Tübingen
Mitglied der Burschenschaft Germania Tübingen
1908
Referendar beim Amtsgericht Ulm, beim Oberamt Ulm, bei der Regierung des Donaukreises Ulm und bei den Gemeinden Baiersbronn und Ludwigsburg
1911
Staatsprüfung für den höheren Verwaltungsdienst
27.07.1911
Regierungsassessor bei den Oberämtern Schwäbisch Gmünd, Ulm und Waldsee
01.10.1916
Zunächst Amtmann, dann Oberamtmann in Ulm
1918
Tätigkeit beim Reichswirtschaftsministerium in Berlin
1919
Tätigkeit bei der württembergischen Gesandtschaft in Berlin
1920
Hilfsberichterstatter beim württembergischen Arbeitsministerium in Stuttgart
Juni 1921
Städtischer Rechtsrat und ständiger Stellvertreter des Oberbürgermeisters in Ulm, ab 1924 mit der Amtsbezeichnung »Bürgermeister«
16.11.1933
Vorzeitig in den Ruhestand versetzt
08.12.1933
Tätigkeit bei der Pensionskasse für Körperschaftsbeamte in Stuttgart, dort Stellvertreter des Vorsitzenden
09.10.1939
Ernennung zum Oberregierungsrat
01.07.1945
Landrat im Landkreis Ulm, zunächst von der US-amerikanischen Militärregierung kommissarisch ernannt, ab 1946 gewählt
1953
Eintritt in den Ruhestand
Literatur
Willy Nolte (Hrsg.): Burschenschafter-Stammrolle. Verzeichnis der Mitglieder der Deutschen Burschenschaft nach dem Stande vom Sommer-Semester 1934, Berlin 1934, S. 469.
Angerbauer 1996, S. 533.
Michael Ruck: Korpsgeist und Staatsbewußtsein: Beamte im deutschen Südwesten 1928-1972, München 1996, S. 105-107.
Weik 2003, S. 142.
Kühnel 2009, S. 10.
Frank Raberg: Biografisches Lexikon für Ulm und Neu-Ulm, Ulm 2010, S. 412.