Friedrich (Wilhelm) Maier

Verfolgung
Sommer 1933
Maier ist Lehrer in Mannheim. Im Sommer 1933 stellt die Mannheimer NSDAP-Kreisleitung den Antrag, Maier auf Grundlage des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums zu entlassen. Weil Maier ehemaliger Freiwilliger des Ersten Weltkrieges ist, kann er seine Stellung behalten. Trotzdem wird er benachteiligt: Ihm wird das Unterrichten in sogenannten »Gesinnungsfächern« wie Geschichte untersagt, er muss seine Sprachklasse aufgeben, er darf nur untere Klassen unterrichten, er darf sich nicht um eine Stellung im Grenzgebiet bewerben.
1938
Maier, dessen Mutter Schweizerin ist, ist in Mannheim mit dem Schweizer Konsul Max Kunz befreundet. Dieser nutzt seinen politischen Einfluss, um Maier vor politischer Verfolgung zu schützen. Als der Konsul 1938 in die Schweiz zurückkehrt, beantragt Maier seine Versetzung, um sich dem direkten Einfluss der Mannheimer NSDAP zu entziehen. Er wird daraufhin zur Volksschule Gengenbach versetzt.
1942
Die Gestapo bemüht sich 1942 erneut um Maiers Entlassung aus dem Schuldienst. Maier kann dies mit der Unterstützung des Bezirksschulrats Freisinger abwenden.
Biografie
Oberrealschule
Besuch des Lehrerseminars
1914
Als Freiwilliger Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg
April 1919
Volks- und Hauptschullehrer in Mannheim
ab 1920
Mitglied der SPD
Mitglied in der Sozialistischen Arbeiter-Jugend (SAJ)
Kreisjugendleiter des Arbeiter-Sport- und Turnerbunds
Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer
ab 1924
Mitglied der Freimaurer
Zeitweise Leiter der Volkshochschule Mannheim-Waldhof
Nebenberuflich journalistisch tätig bei der »Mannheimer Volksstimme« und der »Neuen Badischen Landeszeitung«
1934
Während des Sommers Mitarbeit bei Kinder-Ferienkolonien, die von dem schweizerischen Verein Pro Juventute organisiert werden
ab 1938
Lehrer an der Volksschule Gengenbach bei Offenburg
1939
Kriegsdienst im Zweiten Weltkrieg
1945
Schulleiter in Gengenbach
1946
Gründungsmitglied des Gengenbacher Ortsvereins der Sozialdemokratischen Partei Badens (später SPD Baden), dort 1946-1947 Vorsitzender
1946
Mitglied des Gemeinderats in Gengenbach, der Kreisversammlung und des Kreisausschusses Offenburg
Januar 1947
Rektor und Methodiklehrer an der Lehrerakademie in Gengenbach
Februar 1947
Referent im badischen Innenministerium
Oktober 1947
Ministerialrat im badischen Innenministerium
1947
Vorsitzender der SPD-Fraktion im badischen Landtag
In den 1950er-Jahren Mitglied des SPD-Landesvorstands Baden-Württemberg
Literatur
Alfred Kube, Thomas Schnabel: Südwestdeutschland und die Entstehung des Grundgesetzes, Villingen-Schwenningen 1989, S. 86.
Edgar Wolfrum: Französische Besatzungspolitik und die deutsche Sozialdemokratie, Düsseldorf 1991, S. 190-191, 265, 291-292, 320, 323.
Frank Raberg: Von der Kammer des Kaiserreichs in den Bundesrat, in: Staatsanzeiger Baden-Württemberg, 11, 22. März 1999, S. 8.
Schumacher 2000, S. 260.
Vierhaus Herbst 2002, S. 530.
Weik 2003, S. 95.
Frank Raberg: Friedrich (Fritz) Wilhelm Maier, in: Baden-Württembergische Biographien, 4, 2007, S. 213-216.