Fritz Cahn-Garnier

Verfolgung
15.03.1933
Cahn-Garnier wird am 15. März 1933 für einen Tag im Gefängnis Mannheim in »Schutzhaft« genommen.
Juli 1933
Cahn-Garnier ist Stadtsyndikus in Mannheim. Im Juli 1933 wird er wegen seiner jüdischen Herkunft auf Grundlage des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums entlassen.
1933
Um einer erneuten Verhaftung zu entgehen, taucht Cahn-Garnier 1933 mehrfach unter. Er hält sich in Badenweiler, Freiburg und Lörrach auf.
09.11.1938
SA-Mitglieder kommen am 9. November 1938 zu Cahn-Garniers Wohnung, um diesen zu verhaften. Da er nicht zu Hause ist, nehmen sie seine Ehefrau mit und bringen sie ins Gefängnis Mannheim, wo sie bis zur Auffindung Cahn-Garniers bleiben soll. In der Zwischenzeit stehlen SA-Mitglieder auf der Suche nach Cahn-Garnier aus dessen Wohnung eine Schreibmaschine und ein Radio. Cahn-Garnier erfährt einige Stunden später von der Verhaftung seiner Frau und stellt sich der Polizei. Er wird daraufhin in »Schutzhaft« genommen und im Konzentrationslager Dachau inhaftiert. Am 20. Dezember 1938 wird er aus der Haft entlassen.
31.07.1939
Die Familie Cahn-Garnier plant die Auswanderung, die jedoch durch den Ausbruch des Kriegs verhindert wird. Lediglich der 14-jährige Sohn Werner verlässt am 31. Juli 1939 mit einem Kindertransport Mannheim und geht über die Niederlande nach Belfast.
14.02.1945
Trotz seiner jüdischen Herkunft wird Cahn-Garnier nicht deportiert, da er mit einer Christin in einer sogenannten »privilegierten Mischehe« lebt. Als ihm die Deportation nach Theresienstadt droht, taucht Cahn-Garnier am 14. Februar 1945 unter. Er versteckt sich bei der Familie Winteroll in Heidelberg und lebt dort bis zur Befreiung der Stadt am 31. März 1945.
Biografie
1907
Abitur in Mannheim
1907
Übertritt zur evangelischen Kirche
1908
Studium der Rechtswissenschaften in Berlin, Freiburg, Heidelberg und München
1912
Rechtspraktikant
1913
Promotion zum Dr. jur. an der Universität Freiburg
1914
Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg
1919
Staatsanwalt in Lörrach
1922
Stadtsyndikus in Mannheim
Publikationen zu Handels- und Verwaltungsrecht
Lehrtätigkeit an der Sozialen Frauenschule in Mannheim
nach 1933
Kaufmännische Tätigkeit in einer Bürstenzurichterei
April 1945
Erneute Tätigkeit als Stadtsyndikus in Mannheim
1945
Landesdirektor der Finanzen in Karlsruhe
1946
Finanzminister des Landes Württemberg-Baden
1947
Präsident der Landeszentralbank Württemberg-Baden
Februar 1948
Oberbürgermeister von Mannheim
Cahn-Garnier begründet die Zeitschrift »Mannheim heute« (ab 1952 »Mannheimer Hefte«).
Rezeption
1959
Namenspatron des Cahn-Garnier-Ufers in Mannheim
Namenspatron eines Lesesaals im Stadtarchiv Mannheim
Literatur
Wera Cahn-Garnier: Dr. Fritz Cahn-Garnier. Oberbürgermeister von Mannheim, in: Badische Heimat, 39, 1959, S. 53-57.
Brach 1984, S. 33.
Karl Otto Watzinger: Fritz Cahn-Garnier zum 100. Geburtstag, in: Mannheimer Hefte, 1, 1989, S. 35-37.
Karl Otto Watzinger: Fritz Cahn-Garnier, in: Badische Biographien, 3, 1990, S. 55-56.
Weik 2003, S. 29.
Dokumente
Schreiben von Fritz Cahn-Garnier
1933 beabsichtigten die NS-Behörden zunächst Cahn-Garnier als Stadtsyndikus nur in den Ruhestand zu versetzen, im Juni 1933 wurde er jedoch ohne Ruhegehalt entlassen. Cahn-Garnier bemühte sich am 17. Juni 1933 in einem Schreiben an den Mannheimer Oberbürgermeister vergeblich um eine Rücknahme der Entlassung zugunsten einer Versetzung in den Ruhestand.