Gustav Heller

Parlament

1949
Landtag Württemberg-Baden (SPD, Wahlkreis 2 Karlsruhe)

Partei vor 1933 Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD)
Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)

nach 1945 Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)
Geburt 18.03.1900, Karlsruhe
Ehe Luise geb. Schäufele (1926)
Beruf Schlosser, Gewerkschaftsfunktionär, Firmendirektor
Kinder 1
Konfession Römisch-katholisch
Verstorben 08.07.1977, Karlsruhe

Verfolgung

15.03.1933
Heller wird am 15. März 1933 in »Schutzhaft« genommen und im Landesgefängnis Karlsruhe inhaftiert. Am 16. Mai 1933 wird er zusammen mit Adam Remmele, Ludwig Marum und anderen badischen Sozialdemokraten in das Konzentrationslager Kislau überführt. Die Überführung erfolgt als öffentlich inszenierte Schaufahrt, bei der die Gefangenen auf der offenen Ladefläche eines Lastwagens vorbei an Tausenden Schaulustigen durch Karlsruhe gefahren werden. Am 11. November 1933 wird Heller aus dem Konzentrationslager Kislau entlassen. Während seiner Haft werden Hellers umfangreiche Bibliothek und sein Rundfunkgerät beschlagnahmt. Nach seiner Entlassung muss sich Heller längere Zeit jeden zweiten Tag persönlich bei der Polizei melden.

Juli 1933
Heller ist Leiter einer Rechtsauskunftsstelle des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbunds in Karlsruhe-Durlach. Im Juli 1933 - während er im Konzentrationslager Kislau inhaftiert ist - wird Heller im Zuge der Gleichschaltung der Gewerkschaften durch die NS-Behörden entlassen.

Biografie

Lehre als Schlosser

Mitglied der USPD und aktiver Teilnehmer der Novemberrevolution 1918

1920
Eintritt in die SPD

1926
Mitglied des Karlsruher Stadtparlaments

1926
Gasthörer an der Technischen Hochschule Karlsruhe in den Fächern Bürgerliches Recht und Nationalökonomie

1928
Heller erhält ein Stipendium vom Badischen Kultusministerium zum Besuch der Volkshochschule Gera-Tinz. Später besucht er die Volkshochschule in Karlsruhe.

Volontariat im Rechtsauskunftsbüro Karlsruhe des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbunds (ADGB)

Redaktioneller Mitarbeiter der Tageszeitung »Volksfreund«

ab 1931
Mitbegründer und Vorsitzender der Eisernen Front in Karlsruhe

Leitung einer Rechtsauskunftsstelle des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbunds (ADGB) in Karlsruhe-Durlach

1933
Kurzzeitig Stadtrat in Karlsruhe

Juli 1933
Arbeitslos

ab Mai 1935
Heller findet eine Anstellung als Hilfsarbeiter und Schlosser bei der Firma Junker und Ruh A.G. (Nähmaschinen- und Ofenfabrik) in Karlsruhe. Am 1. Juli 1940 wird er dort zum Meister befördert, am 1. September 1942 zum Abteilungsleiter und am 1. Mai 1944 zum Betriebsleiter. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs fungiert Heller ab Oktober 1945 als kommissarischer Leiter der Firma. Ab 24. September 1947 übernimmt Heller die Aufgabe eines Prokuristen, und ab 16. Dezember 1953 ist er schließlich Direktor des Unternehmens.

1946
Stadtrat in Karlsruhe

Rezeption

1965
Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland

1969
Ehrenbürger der Stadt Karlsruhe

1978
Namenspatron des Gustav-Heller-Platzes in Karlsruhe

Literatur

Elisabeth Marum-Lunau, Jörg Schadt (Hrsg.): Ludwig Marum. Briefe aus dem Konzentrationslager Kislau, Karlsruhe 1988, S. 71.

Kühnel 2002, S. 39.

Weik 2003, S. 62.

Ulrich Niess (Hrsg.): Geschichte der Stadt Mannheim, 3, Mannheim 2009, S. 242.

Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (Hrsg.): Der Freiheit verpflichtet. Gedenkbuch der deutschen Sozialdemokratie im 20. Jahrhundert, Berlin 2013, S. 222.