Johannes Stetter

Parlament

1920
Landtag des freien Volksstaates Württemberg (USPD, ab 1920 KPD, Wahlkreis Württemberg 3 Stuttgart Amt-Leonberg)

1924
Reichstag (KPD, Wahlkreis 31 Württemberg)

Partei vor 1933 Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)
Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD)
Kommunistische Partei Deutschlands (KPD)

nach 1945 Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)
Geburt 01.02.1885, Wain
Ehe Maria, geb. Hermann (1910)
Beruf Schreiner, Parteifunktionär, Gewerkschaftsfunktionär
Kinder 2
Konfession Evangelisch, später freireligiös
Verstorben 10.11.1963, Stuttgart

Verfolgung

18.03.1933
Stetter ist Geschäftsführer und Sekretär der Gewerkschaft der Gemeinde- und Staatsarbeiter in Königsberg. Nach der Besetzung des Königsberger Gewerkschaftshauses durch die SA am 18. März 1933 taucht Stetter kurzzeitig unter, um einer Verhaftung durch die NS-Behörden zu entgehen.

April 1933
Stetter wird im April 1933 verhaftet und für etwa drei Wochen in »Schutzhaft« genommen.

Mai 1933
Stetter wird im Mai 1933 im Zuge der Gleichschaltung der Gewerkschaften als Sekretär der Gewerkschaft der Gemeinde- und Staatsarbeiter in Königsberg entlassen.

Biografie

Sohn eines Kleinbauern und Bruder des ebenfalls verfolgten Abgeordneten David Stetter

1892
Volksschule in Wain, parallel dazu Arbeit auf Bauernhöfen in der Umgebung

1899
Lehre als Schreiner in Schwendi

Wanderschaft als Schreiner, unter anderem in Baden, der Schweiz, Stuttgart und Frankfurt am Main

1903
Eintritt in die SPD

1903
Eintritt in die Schreinergewerkschaft

1907
Teilnahme am Internationalen Sozialistenkongress in Stuttgart

1909
Beteiligt an der Gründung des Waldheims Sillenbuch (heute Clara-Zetkin-Haus) in Stuttgart

1914
Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg in Flandern und Frankreich

1917
Eintritt in die USPD

1918
Hauptamtlicher Sekretär der USPD

November 1918
Arbeiterrat in Stuttgart

Dezember 1920
Eintritt in die KPD

Parteisekretär der KPD in Stuttgart

1921
Reise nach Moskau und Petrograd zum 3. Kongress der III. Internationalen und zum Kongress der Roten Gewerkschaftsinternationalen

1923
Leiter des KPD-Bezirks Württemberg

15.11.1923
Inhaftiert in Tübingen und Ulm wegen der Beteiligung an der Vorbereitung des geplanten Oktoberaufstands (Umsturzversuch der KPD)

30.12.1923
Erneut inhaftiert, entlassen, da in den Reichstag gewählt

16.05.1924
Erneut inhaftiert. Stetter nutzt eine Haftaussetzung, um unterzutauchen und unerkannt nach Berlin zu reisen, wo er als Mitglied des Reichstags Immunität genießt.

Oktober 1924
Nach seinem Ausscheiden aus dem Reichstag taucht Stetter unter, da verschiedene Verfahren gegen ihn anhängig sind. Zunächst hält er sich in Berlin auf, von Februar bis Mai 1925 in Lothringen; dort ist er für die Internationale Arbeiterhilfe (IAH) tätig.

30.05.1925
Inhaftierung in Mannheim, später in Stuttgart, im Oktober 1925 im Rahmen der »Hindenburg-Amnestie« entlassen

30.06.1926
Ausschluss aus der KPD. Stetter veröffentlicht daraufhin Parteiinterna in einer Artikelreihe der SPD-Zeitung »Schwäbische Tagwacht« und als Broschüre »Der kommunistische Sumpf«.

Schreiner in Stuttgart

1928
Hauptamtlicher Sekretär der Gewerkschaft der Gemeinde- und Staatsarbeiter in Königsberg

1929
Eintritt in die SPD

März 1933
Mitglied der Stadtverordnetenversammlung Königsberg

September 1933
Rückkehr nach Stuttgart, dort zunächst bis 1934 erwerbslos

März 1934
Schreiner in Gaisburg

April 1938
Tätigkeit bei der Firma Stahl in Stuttgart-Wangen

1945
Vorsitzender des Ortsausschusses Stuttgart des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbunds (ADGB) bzw. des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB)

1946
Mitglied des Gemeinderats in Stuttgart

1949
Zwölfwöchige Reise in die USA

1952
Eintritt in den Ruhestand

1953
Vorstandsmitglied der Ortskrankenkasse Stuttgart

Literatur

Schumacher 1991, S. 500.

Schumacher 1995, S. 158.

Schröder 1995, S. 756.

Raberg 2001, S. 897.

Weik 2003, S. 321.

Frank Raberg: Johannes Stetter, in: Baden-Württembergische Biographien, 4, 2007, S. 354-357.

Weber Herbst 2008, S. 903-904.

Uwe Fuhrmann: Eine proletarische Geschichte Deutschlands. Hans (Johannes) Stetter (1885-1963), in: Jahrbuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung, 3, 2013, S. 106-127.