Joseph (Karl) Wirth

Parlament

1919
Verfassunggebende Landesversammlung der Republik Baden (Zentrumspartei, Wahlkreis 2 Freiburg)

1919
Deutsche Nationalversammlung (Zentrumspartei, Wahlkreis 33 Baden)

1920
Reichstag (Zentrumspartei, Wahlkreis 35 Baden, ab 1924 Wahlkreis 32 Baden, ab 1928 Reichswahlvorschlag, 1930 Wahlkreis 8 Liegnitz, ab 1932 Reichswahlvorschlag)

Partei vor 1933 Deutsche Zentrumspartei

nach 1945 -
Geburt 06.09.1879, Freiburg im Breisgau
Ehe Unverheiratet
Beruf Lehrer, Minister, Reichskanzler, Publizist
Kinder Kinderlos
Konfession Römisch-katholisch
Verstorben 03.01.1956, Freiburg im Breisgau

Verfolgung

1933
Um einer Verhaftung zu entgehen, emigriert Wirth am 24. März 1933 zunächst nach Wien. Er reist in den folgenden Jahren durch zahlreiche Staaten, unter anderem Frankreich, Italien, Großbritannien und die USA, um Vorträge zu halten und über den totalitären Charakter des NS-Regimes aufzuklären. 1935 lässt sich Wirth in Paris nieder. 1939 nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges geht er nach Luzern in der Schweiz, wo er bis 1948 lebt.

nach März 1933
Nach Wirths Emigration durchsuchen und beschlagnahmen die NS-Behörden dessen Berliner und Freiburger Wohnungen.

Oktober 1933
Im Oktober 1933 werden Wirth durch eine Verfügung des Reichsinnenministers Wilhelm Frick seine Übergangsgelder als Reichskanzler und Reichsminister entzogen und nicht mehr ausbezahlt.

März 1943
Wirth unterhält 1942/43 Kontakte zur amerikanischen Nachrichtenzentrale in Bern. Die NS-Behörden leiten aufgrund dessen im März 1943 ein Ausbürgerungsverfahren gegen Wirth ein.

Biografie

Sohn eines Maschinensetzers

Studium der Sozialökonomie und der Mathematik an der Universität Freiburg

1906
Promotion in Mathematik

1908
Professur am Realgymnasium in Freiburg

1909
Gründung des Vinzenzvereins (katholische Organisation zur Hilfe sozial Benachteiligter)

1909
Eintritt in die Zentrumspartei

1912
Stadtverordneter in Freiburg

1913
Mitglied der badischen Ständeversammlung

1914
Freiwillige Meldung zum Ersten Weltkrieg, aber ausgemustert, daher Eintritt in das Deutsches Rote Kreuz, dort Krankenpfleger

1914
Mitglied des Reichstags

1918
Badischer Finanzminister

1920
Reichsfinanzminister

1921
Reichskanzler

1922
Ausarbeitung und Abschluss des Vertrags von Rapallo mit Russland

Herausgeber der Zeitung »Deutsche Republik«

1929
Reichsminister für die besetzten Gebiete

1930
Reichsinnenminister

März 1933
Emigration nach Wien

1935
Übersiedelung nach Paris

1937
Initiator der Denkschrift »Die Kirche Christi und die Judenfrage« (Aufruf an den Papst zu einer Stellungnahme gegen die Judenverfolgung)

1939
Übersiedelung nach Luzern in die Schweiz

nach 1940
Während des Zweiten Weltkrieges Kontakte zu den Widerstandsgruppen Solf-Kreis und Kreisauer Kreis

1945
Mitglied der Arbeitsgemeinschaft »Das Demokratische Deutschland« (entwirft Grundsätze für einen demokratischen und föderalistischen Wiederaufbau Deutschlands)

1945
Gründer der Katholischen Deutschen Hilfe (Hilfsorganisation in der Schweiz zur Unterstützung der notleidenden deutschen Bevölkerung)

1948
Rückkehr nach Deutschland und Niederlassung in Freiburg

1953
Mitbegründer der »Deutschen Volkszeitung«

1953
Mitbegründer und Vorsitzender des Bunds der Deutschen für Einheit, Frieden und Freiheit (BdD)

1955
Engagement gegen den Aufbau der Bundeswehr und gegen den NATO-Beitritt der Bundesrepublik Deutschland

Rezeption

1954
Deutsche Friedensmedaille der DDR

1955
Stalin-Friedenspreis

1955
Ehrendoktorwürde der Humboldt-Universität in Ostberlin

Literatur

Gernot Erler (Hrsg.): Die unterlassene Ehrung des Reichskanzlers Joseph Wirth. Blüten eines provinziellen Antikommunismus, Freiburg im Breisgau 1980.

Thomas Knapp: Joseph Karl Wirth, in: Badische Biographische Biographien, 1, 1982, S. 273-277.

Schumacher 1991, S. 623-625.

Georg Herbstritt: Ein Weg der Verständigung? Die umstrittene Deutschland- und Ostpolitik des Reichskanzlers a. D. Dr. Joseph Wirth in der Zeit des Kalten Krieges 1945/51-1955, Frankfurt am Main 1993.

Michael Kißener: Für das Recht. Die Karlsruher Widerstandsgruppe um Reinhold Frank, in: 20. Juli 1944 in Baden und Württemberg, hrsg. von Rudolf Lill, Konstanz 1994, S. 43.

Heinrich Küppers: Joseph Wirth. Parlamentarier, Minister und Kanzler der Weimarer Republik. Stuttgart 1997.

Ulrike Hörster-Philipps: Joseph Wirth 1879-1956. Eine politische Biographie, Freiburg 1998.

Ulrike Hörster-Philipps: Joseph Wirth, in: Politische Köpfe aus Südwestdeutschland, hrsg. von Reinhold Weber, Ines Mayer, Stuttgart 2005, S. 116-125.

Bernd Braun: Die Reichskanzler der Weimarer Republik. Zwölf Lebensläufe in Bildern, Düsseldorf 2011, S. 202-235.