Julius Schätzle

Verfolgung
Juni 1932
Schätzle wird im Juni 1932 in Stuttgart wegen Verstoßes gegen das Pressegesetz verhaftet und im Januar 1933 vom Reichsgericht in Leipzig zu eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Ab März 1933 wird er im Landgefängnis Ulm inhaftiert. An Weihnachten 1933 hat Schätzle die ihm auferlegte Haftstrafe verbüßt. Er wird jedoch nicht wie geplant entlassen, sondern der Gestapo überstellt und in das Konzentrationslager Oberer Kuhberg bei Ulm gebracht. Dort wird er im Mai 1934 aus der Haft entlassen. Er muss sich fortan regelmäßig bei der Polizei melden - zunächst täglich, später wöchentlich.
Dezember 1935
Schätzle wird im Dezember 1935 verhaftet und in Untersuchungshaft genommen. Ihm werden illegale kommunistische Kontakte, insbesondere zu dem Widerstandskämpfer Stefan Lovacz, sowie die Kenntnis von illegalen kommunistischen Aktionen vorgeworfen. Schätzle wird deshalb im Oktober 1937 vom Oberlandesgericht Stuttgart zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Er wird zunächst in Ulm und später in einem Lager im Emsland in der Nähe von Papenburg inhaftiert. 1938 wird Schätzle in das Konzentrationslager Welzheim verlegt. Von dort kommt er am 30. Juli 1938 in das Konzentrationslager Dachau. Im November 1938 wird Schätzle vorübergehend in das Konzentrationslager Flossenbürg und im September 1939 vorübergehend in das Konzentrationslager Mauthausen verlegt. 1944 wird Schätzle von Dachau in das Konzentrationslager Neuengamme bei Hamburg überstellt. Damit sie nicht den vorrückenden britischen Truppen in die Hände fallen, werden die KZ-Häftlinge aus Neuengamme, darunter auch Schätzle, Ende April 1945 auf den ehemaligen Luxusdampfer Cap Arcona gebracht und nach Lübeck transportiert. Am 3. Mai 1945 werden die Cap Arcona und ihre beiden Begleitschiffe in der Lübecker Bucht von britischen Flugzeugen versenkt. Rund 7.000 KZ-Häftlinge sterben bei dem Angriff. Schätzle kann sich mit etwa 2.000 Häftlingen schwimmend an Land retten. Dort werden sie von britischen Soldaten aufgenommen.
Biografie
Sohn eines Uhrmachermeisters
Lehre und Tätigkeit als Schreiner
1920
Mitglied der Kommunistischen Jugend Deutschlands (KJD)
1924
Eintritt in die KPD und den Roten Frontkämpferbund, außerdem württembergischer Bezirksleiter der Roten Jungfront
nach 1929
Tätigkeit im Antimilitaristischen Apparat Abteilung Militärpolitik (Deckbezeichnung für den Nachrichtendienst der KPD) in der Bezirksleitung Württemberg
Mai 1931
Schulungsaufenthalt in Moskau
September 1945
Rückkehr nach Stuttgart
Angestellter im Amt für Wiedergutmachung
1946
Schätzle veröffentlicht die Schrift »Wir klagen an!«, in der er von seiner Haftzeit während des Nationalsozialismus berichtet.
Hauptamtlicher Funktionär der KPD-Landesleitung Württemberg
ab 1951
Mitglied im Vorstand der KPD
1952
Sekretär des Gesamtdeutschen Arbeitskreises Land- und Forstwirtschaft
1969
Eintritt in die Deutsche Kommunistische Partei (DKP)
1974
Schätzle veröffentlicht das Buch »Stationen der Hölle« über die NS-Konzentrationslager in Baden und Württemberg.
Literatur
Julius Schätzle: Wir klagen an! Ein Bericht über den Kampf, das Leiden und das Sterben in deutschen Konzentrationslagern, Stuttgart 1946.
Julius Schätzle: Stationen zur Hoelle. Konzentrationslager in Baden-Wuerttemberg 1933-1945, Frankfurt am Main 1980.
Bettina Wenke: Interviews mit Überlebenden. Verfolgung und Widerstand in Südwestdeutschland, Stuttgart 1980, S. 20-46.
Weik 2003, S. 127.
Weber Herbst 2008, S. 775.