Dr. Karl Mommer

Parlament

1949
Deutscher Bundestag (SPD, Landesliste, ab 1953 Wahlkreis 165 Ludwigsburg, ab 1957 Landesliste, ab 1961 Wahlkreis 165 Ludwigsburg, ab 1965 Wahlkreis 167 Ludwigsburg)

Partei vor 1933 Kommunistische Partei Deutschlands (KPD)

nach 1945 Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)
Geburt 13.03.1910, Wevelinghoven (Grevenbroich)
Ehe Marlene, geb. Boeters
Beruf Sozialwissenschaftler, Verwaltungsangestellter
Kinder 4
Konfession Evangelisch
Verstorben 03.09.1990, Bonn

Verfolgung

Januar 1934
Mommer ist 1933 illegal für die KPD tätig. Deshalb wird er im Januar 1934 in Düsseldorf verhaftet und wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu 21 Monaten Gefängnis verurteilt. Im Oktober 1935 wird Mommer aus der Haft entlassen.

ab November 1935
Nach seiner Haftentlassung flieht Mommer im November 1935 nach Belgien. In Brüssel setzt er sein Studium fort und promoviert über das Thema »Der junge Marx und der Staat« zum Doktor der Sozialwissenschaften. Anschließend arbeitet Mommer als Privatlehrer und Buchhalter.

1936
Mommers Schwester Elvira Mommer ist ebenfalls KPD-Funktionärin. Sie flieht 1936 nach Belgien. Anschließend geht sie in die UdSSR. Dort wird sie 1938 verhaftet und in einen Gulag deportiert.

Biografie

Sohn eines Metallarbeiters

1929
Abitur

Studium der Philosophie, Geschichte und Volkswirtschaft an den Universitäten Köln, Berlin, Graz und Wien

1930
Eintritt in die KPD

ab November 1935
Emigration nach Belgien, in Brüssel Promotion über das Thema »Der junge Marx und der Staat«, anschließend Tätigkeit als Privatlehrer und Buchhalter

1937
Eintritt in die SPD

1940
Übersiedelung nach Frankreich

1940
Im Zuge des Zweiten Weltkrieges wird Mommer als Ausländer durch die franzöischen Behörden in Südfrankreich interniert.

1941
Selbstständiger Landwirt in Südfrankreich, dort Kontakte zur Résistance

1945
In Paris Mitarbeiter der Landesgruppe deutscher Sozialdemokraten

1946
Rückkehr nach Deutschland

1946
Referent für Sozialpolitik und Flüchtlingsfragen beim Länderrat des amerikanischen Besatzungsgebietes in Stuttgart

1947
Referent im Büro für Friedensfragen in Stuttgart

1947
Landesvorsitzender der württemberg-badischen Jungsozialisten und Mitglied des württemberg-badischen Landesvorstandes der SPD

1948
Mitglied des Wirtschaftsrats des Vereinigten Wirtschaftsgebietes (Wirtschaftsrat der Bizone)

Mitglied der Beratenden Versammlung des Europarates und der Versammlung der Westeuropäischen Union

1966
Vizepräsident des Deutschen Bundestags

Vorsitzender der Wehrstrukturkommission der Bundesregierung

Rezeption

1965
Großes Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland

1969
Großes Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland

Namenspatron des Karl-Mommer-Preises, der vom Kreisverband und der Kreistagsfraktion der SPD Ludwigsburg verliehen wird.

Literatur

Dieter Mahncke: Parlamentarier für Europa. Hans Furler, Karl Mommer, in: Persönlichkeiten der Europäischen Integration. Vierzehn biographische Essays, hrsg. von Thomas Jansen, Dieter Mahncke, Bonn 1981, S. 493-532.

Herbert Elzer: »Es gibt noch Charakterköpfe in Württemberg«. Die Europarats-Abgeordneten Eugen Gerstenmaier, Karl Mommer und Karl-Georg Pfleiderer im Ringen um die Gestaltung des van-Naters-Plans zur Europäisierung der Saar 1953/54, in: Zeitschrift für württembergische Landesgeschichte, 59, 2000, S. 319-401.

Schumacher 2000, S. 280.

Vierhaus Herbst 2002, S. 574.

Weber Herbst 2008, S. 610.

Michael F. Feldkamp: Karl Mommer und die Anfänge des Deutschen Bundestages, in: Parlamentarismusforschung in Deutschland. Ergebnisse und Perspektiven 40 Jahre nach Erscheinen von Gerhard Loewenbergs Standardwerk zum Deutschen Bundestag, hrsg. von Julia von Blumenthal, Helmar Schöne, Baden-Baden 2009, S. 231-256.

Albert H. V. Kraus: Für die Freiheit im Saarland ohne Wenn und Aber. Zum 100. Geburtstag von Dr. Karl Mommer. Ein kämpferischer Demokrat, in: Saarländische Kommunal-Zeitschrift, Mitteilungsblatt für Ratsmitglieder und Kommunalverwaltungen, Saarbrücken, 60, 2010, 12, S. 330-331.