Stefan Heymann

Parlament

1928
Landtag der Republik Baden (KPD, Wahlkreis 6 Mannheim)

Partei vor 1933 Kommunistische Partei Deutschlands (KPD)

nach 1945 Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED)
Geburt 14.03.1896, Mannheim
Erste Ehe
Erika Lassalia geb. Geck (1921)
Zweite Ehe
Elise geb. Martin (1949)
Dritte Ehe
Helene geb. Kleine (1963)
Beruf Bankangestellter, Parteifunktionär, Redakteur, Diplomat, Professor
Kinder 3
Konfession Konfessionslos
Verstorben 04.02.1967, Berlin (DDR)

Verfolgung

ab 1933
Heymann ist jüdischer Abstammung und gilt nach nationalsozialistischen Rassekriterien als Jude. Er ist deshalb Anfeindungen und Schikanen ausgesetzt.

12.05.1933
Heymann wird am 12. Mai 1933 in Breslau verhaftet. Das Oberlandesgericht Breslau verurteilt ihn am 14. September 1934 aufgrund seiner KPD-Aktivitäten wegen der Vorbereitung zum Hochverrat zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus. Nach seiner Verurteilung wird Heymann in die Strafanstalt Wohlau (Wo?ów) in Schlesien verlegt. Am 8. Mai 1936 wird er aus der Haft entlassen.

Juli 1933
Heymanns Ehefrau Erika (geb. Geck) emigriert mit den gemeinsamen Kindern nach Amsterdam, wo sie als Dienstmädchen und Betreiberin einer kleiner Pension ein bescheidenes Einkommen hat.

14.05.1936
Heymann wird am 14. Mai 1936 in Offenburg im Hause seines Schwiegervaters, des früheren badischen Landtags- und Reichstagsabgeordneten Adolf Geck, verhaftet und im Konzentrationslager Kislau inhaftiert. Am 2. April 1938 wird er in das Konzentrationslager Dachau und am 23. September 1938 in das Konzentrationslager Buchenwald verlegt. Am 16. Oktober 1942 wird er vom Konzentrationslager Buchenwald in das Konzentrationslager Auschwitz überstellt, wo er am 19. Oktober 1942 ankommt und bis Januar 1945 festgehalten wird. Ab dem 26. Januar 1945 ist er erneut im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert. Dort wird Heymann - nachdem das Lager am 11. April 1945 von US-amerikanischen Truppen befreit wurde - am 5. Mai 1945 entlassen.

Mai 1936
Im Mai 1936 versucht Heymanns Schwiegervater Adolf Geck vergeblich bei der Gestapo Karlsruhe eine Auswanderungsgenehmigung für seinen erneut verhafteten Schwiegersohn zu erwirken.

Biografie

ab 1902
Bürgerschule

1905
Gymnasium in Mannheim

1912
Handelsschule

ab 1913
Ausbildung in einer Bank in Mannheim

Mitglied der Freien Sozialistischen Jugend (FSJ), später des Kommunistischen Jugendverbands Deutschlands (KJVD)

1914
Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg

1919
Angestellter bei der Süddeutschen Discontogesellschaft Mannheim, dort Vorsitzender der Betriebsräte

Februar 1919
Führender Kopf der in Mannheim ausgerufenen und nur wenige Tage existierenden Räterepublik Kurpfalz

Herbst 1919
Eintritt in den Spartakusbund

1920
Eintritt in die KPD, dort Ortsgruppenleiter in Mannheim, von 1920 bis 1922 KPD-Bezirksleiter für Baden

1923
Heymanns politische Aktivitäten führen zu seiner Entlassung bei der Süddeutschen Discontogesellschaft Mannheim.

September 1923
Als KPD-Kampfleiter für Unterbaden Beteiligung am »Oberbadischen Aufstand« (Aufstände, die in Lörrach und anderen badischen Orten angesichts der Wirtschaftskrise ausbrachen)

Dezember 1923
Nach dem Verbot der KPD (im November 1923) wird Heymann im Dezember 1923 während einer KPD-Sitzung in Stuttgart festgenommen und inhaftiert. Der Staatsgerichtshof in Leipzig verurteilt ihn im September 1924 zu dreieinhalb Jahren Haft wegen Vorbereitung zum Hochverrat. Heymann wird jedoch bereits 1925 aufgrund einer Amnestie vorzeitig aus der Haft entlassen.

ab 1926
Redakteur der Mannheimer »Arbeiter-Zeitung«, ab 1929 Chefredakteur. Zwischen 1927 und 1930 wird Heymann als verantwortlicher Redakteur wegen öffentlicher Beleidigung und übler Nachrede elf Mal zu kurzen Haft- bzw. Geldstrafen verurteilt.

ab 1927
Politischer Leiter des Roten Frontkämpferbunds im Gau Baden-Pfalz

1930
Übersiedelung nach Berlin

Juli 1931
Redakteur der KPD-Zeitung »Die Rote Fahne«

Redakteur des »Kommunistischen Pressediensts« und Tätigkeit im Verlags- und Inseratenbetrieb der »Roten Fahne«

Februar 1933
Chefredakteur der »Schlesischen Arbeiter-Zeitung« in Breslau

1945
Mitglied einer Kommission, die für den US-General Eisenhower einen Bericht über das Konzentrationslager Buchenwald verfasst

Mitbegründer des Antifa-Komitees in Thüringen

ab 1946
Sekretär für Agitation und Propaganda des SED-Landesverbands Thüringen

ab September 1948
Leiter der Abteilung Kultur und Erziehung des SED-Parteivorstands in Berlin

1951
Gesandter der DDR in Budapest

November 1953
Botschafter der DDR in Warschau

1957
Leiter der Abteilung Presse und Information im Außenministerium der DDR

Professor am Institut für Internationale Beziehungen der Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft in Potsdam

Rezeption

1966
Ehrendoktor der Akademie für Staats- und Rechtswissenschaften Potsdam

1988
Namenspatron einer Oberschule in Warza (Kreis Gotha)

Literatur

Karl Otto Watzinger: Stefan Heymann, in: Badische Biographien, 3, 1990, S. 124-125.

Schumacher 1995, S. 67.

Weik 2003, S. 295.

Weber Herbst 2008, S. 374-375.

Bernd-Rainer Barth: Stefan Heymann, in: Wer war wer in der DDR? Ein Lexikon ostdeutscher Biographien, hrsg. von Helmut Müller-Enbergs, Berlin 2010, 1, S. 549.

David Kurz: Stefan Heymann. Überzeugter Kommunist und Funktionär der SED, in: Jüdische Schüler des Vereinigten Großherzoglichen Lyceums - Karl-Friedrich-Gymnasiums Mannheim. Porträts aus zwei Jahrhunderten, hrsg. von Wilhelm Kreutz, Mannheim 2014, S. 209-218.

Dokumente

Schreiben der Leiters des Konzentrationslager Kislau

Der Leiters des Konzentrationslager Kislau teilte am 20. Oktober 1936 der Gestapo Karlsruhe mit, dass der inhaftierte Heymann beabsichtigte, nach seiner Haftentlassung nach Brasilien auszuwandern.

Schreiben des Leiters des Konzentrationslagers Kislau

Heymanns Schwager Tell Geck bemühte sich, diesen im Konzentrationslager Kislau finanziell zu unterstützen. Offenbar beabsichtigte Tell auch, zugunsten Heymanns beim Geheimen Staatspolizeiamt in Berlin vorstellig zu werden.

Personalbogen des Konzentrationslagers Kislau

Der Personalbogen des Konzentrationslagers Kislau schilderte 1937 das Verhalten und die politische Einstellung des inhaftierten Heymann.