David Fahrner: Büste von Karl Gengler

Büste von Karl Gengler
Foto: LTBW
David Fahrner (1895–1962)
Fahrner wurde 1895 in Freudenstadt als Sohn eines Tuchscherers geboren und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Nach dem frühen Tod des Vaters begann er 1910 eine Lehre in einer Stuttgarter Metallwarenfabrik, wo er grundlegende Techniken des Metallgewerbes erlernte. Durch den Kriegsdienst wurde diese Ausbildung zwischen 1914 und 1918 unterbrochen. 1919 setzte Fahrner seine künstlerische Entwicklung an der Fachschule für Edelmetallgewerbe in Schwäbisch Gmünd fort, wo er bei Walter Otto Klein studierte. Diese Ausbildung verband handwerkliche Präzision mit einer Orientierung an aktuellen bildhauerischen Fragestellungen.
Nach einer kurzen Phase als Metallplastiker in Augsburg kehrte Fahrner Mitte der 1920er Jahre nach Freudenstadt zurück und arbeitete dort dauerhaft als freischaffender Künstler. Er spezialisierte sich auf Porträtplastiken, Reliefs und Medaillen. Gerade im Bereich der Medaillen – einem eher konservativen Format – fand er Auftraggeber, darunter auch prominente Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik. Seine Arbeiten bewegten sich dabei im Bereich eines realistischen, auf Wiedererkennbarkeit ausgerichteten Stils.
In der Zeit des Nationalsozialismus blieb Fahrners Wirkungsfeld vergleichsweise regional, zugleich war er jedoch in die Strukturen des deutschen Kunst- und Ausstellungsbetriebs eingebunden. Er nahm regelmäßig an den Großen Deutschen Kunstausstellungen in München teil und etablierte sich auf diesen wichtigen NS-Leistungsschauen der zeitgenössischen Kunst als wiederkehrender Aussteller. Jene Präsenz nutzte er auch wirtschaftlich, etwa durch die Verbreitung seiner Werke als Reproduktionen.
Sein künstlerisches Schaffen dieser Jahre ist durch eine thematische Bandbreite gekennzeichnet. Neben eher unverfänglichen Motiven – etwa Tierdarstellungen – entstanden auch Arbeiten, die sich formal und ikonografisch an der Bildsprache der nationalsozialistischen Kunst orientierten. Dazu zählen unter anderem Denkmalsaufträge mit heroischer Figurenauffassung sowie kleinformatige Plastiken mit neoklassizistischen Anklängen.
Ein konkretes Beispiel ist ein 1937 errichtetes Denkmal für die gefallenen Mitarbeiter der Heylschen Lederwerke in Worms. Die Anlage mit einer heroisierten Kämpferfigur entsprach der zeitgenössischen nationalistischen Deutung des Ersten Weltkriegs und wurde von lokalen NS-Funktionären ausdrücklich positiv bewertet.
Spätestens 1943 wurde Fahrner zudem vom Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda als „unabkömmlich“ eingestuft und damit zunächst vom Kriegsdienst freigestellt. Diese Regelung diente dazu, Künstler für den Einsatz im Sinne der nationalsozialistischen Kulturpolitik verfügbar zu halten. Im Oktober 1944 wurde diese Freistellung im Zuge des „totalen Kriegseinsatzes“ jedoch aufgehoben; ob er tatsächlich noch eingezogen wurde, lässt sich nicht eindeutig klären.
Von Fahrners Entnazifizierungsverfahren liegen keine Unterlagen vor. Fahrner blieb nach 1945 in Freudenstadt tätig und setzte seine Arbeit als Bildhauer fort. Zu seinen späteren Werken zählt unter anderem der Auftrag für den Porträtkopf des Landtagspräsidenten Karl Gengler für den Landtag von Baden-Württemberg sowie eine Büste von Theodor Heuss aus dem Jahr 1961.

Portrait von Karl Gengler
© Landesmedienzentrum BW
Karl Gengler (1886–1974)
Präsident der Landesversammlung und des Landtags für Württemberg-Hohenzollern (1946–1952)
Das Kriegsende 1945 erlebte der frühere christliche Gewerkschaftsfunktionär und langjährige württembergische Landtagsabgeordnete Karl Gengler als Sachbearbeiter in einer Harmonikafabrik in Trossingen. Dort hatte der 58-jährige ein schmales Auskommen gefunden, als er im Oktober 1944 aus Köln nach Süddeutschland zurückkehrte. Grund hierfür war die Schließung der Musikschule, die er mit seinem Sohn geführt hatte. Nach Köln war er 1935 ausgewichen, weil er wegen seiner politischen Vergangenheit und mutmaßlichen Gegnerschaft zum Nationalsozialismus in Württemberg keinen Arbeitsplatz hatte finden können.
Auch wenn er von Inhaftierungen verschont blieb, zählte Gengler wegen der wirtschaftlichen Nachteile, die er erlitt, zu den Verfolgungsopfern der Nationalsozialisten, denen er als katholischer Demokrat politisch suspekt war. Als solcher hatte er sich schon vor Beginn des Ersten Weltkriegs profiliert durch Mitgliedschaften in der Jugendorganisation der Zentrumspartei und in der christlichen Gewerkschaft, in der der gelernte Klempner zum Funktionär aufstieg. In den Jahren der Weimarer Republik wurde er als Mitglied der Verfassunggebenden Versammlung und als Landtagsabgeordneter von 1920 bis 1933 auf der württembergischen landespolitischen Bühne bekannt. Zwar stieg er als Vertreter des Arbeitnehmerflügels seiner Partei nicht in Führungspositionen des Zentrums oder in Regierungsämter auf; er war aber prominent genug, dass er 1933 seine berufliche Stellung als Gewerkschaftssekretär und seine politischen Ämter verlor. Wie andere Funktionäre der Arbeiterbewegung lotete auch Gengler im Frühjahr 1933 die Möglichkeiten einer Fortexistenz der Gewerkschaften unter der nationalsozialistischen Herrschaft aus, kompromittierte sich dabei aber weniger als andere Gewerkschaftsführer.
Mit dem Stigma, ein Repräsentant der verhassten Weimarer Republik zu sein, fand er im nationalsozialistischen Deutschland keine seinen Kompetenzen entsprechende Stellung und musste sich als Selbständiger versuchen, zunächst mit einem Haftpflicht-Schadensbüro und dann mit einer Musikschule, die er zusammen mit einem seiner Söhne, der aus finanziellen Gründen das Studium hatte abbrechen müssen, aufbaute. Spätestens mit der Übersiedlung nach Köln zog sich Gengler ganz ins Private zurück. Wie eng seine Kontakte zu Angehörigen des Widerstands waren, von denen er in späteren Lebensjahren berichtete, ist ungewiss. Ebenso wenig lässt sich klären, ob und, wenn ja, wie eng er geheimpolizeilich beobachtet wurde. Von den Verhaftungen ehemaliger Mandatsträger der Weimarer Jahre, die 1944 nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler massenhaft einsetzten, blieb Gengler jedenfalls verschont.
Da sich Gengler bis auf Mitgliedschaften in als weitgehend unpolitisch erachteten NS-Organisationen (Deutsche Arbeitsfront, NS-Kriegsopferversorgung und NS-Volkswohlfahrt) dem Nationalsozialismus ferngehalten hatte, konnte er nach Kriegsende umgehend ins öffentliche Leben zurückkehren. Ein neues berufliches Auskommen fand er als Geschäftsführer der Allgemeinen Ortskrankenkasse Rottweil, seit August 1945 in kommissarischer und ab 1948 in ordentlicher Dienststellung. Die französische Militärregierung stufte ihn als politisch unbelastet ein: „Nichtparteimitglied, politisch und weltanschaulich einwandfrei, fachlich nicht zu beanstanden“. So konnte Gengler rasch auch wieder gewerkschaftlich und parteipolitisch tätig werden. Er wurde 1946 Mitglied des geschäftsführenden Vorstands der Gewerkschaften in Württemberg-Hohenzollern und war maßgeblich auch an der Gründung des Landesverbands der CDU beteiligt.
Gengler wurde im November 1946 Mitglied der Beratenden Landesversammlung für Württemberg-Hohenzollern, deren Präsidentschaft er übernahm. Das gleiche Amt hatte er im dortigen Landtag bis 1952 inne. Dem späteren Landtag von Baden-Württemberg gehörte Gengler nicht an. Stattdessen setzte er seine parlamentarische Karriere in Bonn fort. Er war von 1949 bis 1957 Abgeordneter im Deutschen Bundestag und profilierte sich als einer der Wortführer des Arbeitnehmerflügels der CDU. Nach dem Ende seiner parlamentarischen Karriere amtierte er bis zu seinem Tod als Landesvorsitzender der Sozialausschüsse der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmer.