Walter Schelenz: Büste von Karl Person

Büste von Karl Person

Büste von Karl Person

Walter Schelenz (1903–1987)

Als im Frühjahr 1945 der Krieg endete, befand sich Walter Schelenz im militärischen Einsatz. Seit 1942 war er zur Luftwaffe eingezogen und in Ostrow in der Sowjetunion stationiert. Er hatte sich als technischer Zeichner gemeldet, übernahm aber auch künstlerische Arbeiten: So fertigte er Porträts von Offizieren, entwarf eine Tapferkeitsmedaille und schnitzte für ein Stabskasino humorige Charakterköpfe. 

Seine Kindheit und Jugend hatte der 1903 geborene Schelenz in Karlsruhe verbracht. Nach einer Ausbildung zum Dermoplastiker begann er 1922 ein Studium der Bildhauerei an der örtlichen Landeskunstschule, das er ab 1923 in Dresden fortsetzte. Dort wurde er Meisterschüler von Karl Albiker, der für seine künstlerische Entwicklung prägend war. 1927 ließ sich Schelenz in Berlin nieder und arbeitete als freischaffender Bildhauer. Sein Atelier entwickelte sich zu einem Treffpunkt jüngerer Künstler. In diesen Jahren beschäftigte er sich insbesondere mit Aktdarstellungen, Porträts und Reliefs und setzte sich mit Fragen von Körper, Raum und Form auseinander.

1932 zog Schelenz nach Neubabelsberg bei Potsdam, wo er bis 1941 ein Atelier unterhielt. Zum Zeitpunkt, als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, zählte Schelenz zu einer jüngeren Generation von Kunstschaffenden, die sich noch keinen Namen hatten machen können. Er beteiligte sich in den folgenden Jahren vereinzelt an Wettbewerben für staatliche Bau- und Kunstprojekte. 1935 entstanden mehrere Entwürfe, darunter ein Beitrag für die Toranlagen der Dietrich-Eckart-Freilichtbühne im Berliner Reichssportfeld sowie ein Entwurf für eine Figurengruppe zum Thema „Erziehungsgedanke“.

Neben diesen Wettbewerbsbeiträgen übernahm Schelenz auch direkte Aufträge. Ebenfalls 1935 schuf er für den Ausstellungsraum des Reichsnährstandes auf der Großen Deutschen Funkausstellung in Berlin ein Relief mit dem Titel „Landvolk sendet für Landvolk“, das eine bäuerliche Familie beim Hören des Volksempfängers zeigt. 1937 fertigte er ornamentale und figürliche Schnitzarbeiten für das Kasino der Hermann-Göring-Kaserne in Berlin-Reinickendorf an. 1938 entstand eine hölzerne Wandfigur für das Reichsluftfahrtministerium in Berlin. Im selben Jahr schuf er ein Kriegerdenkmal für Berlin-Neubabelsberg, dessen Gestaltung – ein Adler über einem Stahlhelm – auf Vorgaben eines Ministerialbeamten zurückging.

An den jährlich stattfindenden Großen Deutschen Kunstausstellungen in München, der wichtigsten künstlerischen NS-Leistungsschau, nahm Schelenz hingegen kein einziges Mal teil. Da dieses Forum große politische, wirtschaftliche und auch symbolische Bedeutung für die ausstellenden Kunstschaffenden hatte, ist diese Leerstelle in Schelenz‘ Erwerbsbiografie durchaus bemerkenswert. Seine Werke konnte er gelegentlich in anderen Kreisen der Öffentlichkeit präsentieren. Neben Akademieausstellungen verschiedener Städte zählten hierzu auch latent bis offenkundig widerständige Ausstellungsformate jenseits von Berlin und München. Die Möglichkeit hierzu fand sich insbesondere in Kunstvereinen und kommerziellen Galerien.

In seinem Meldebogen zur Entnazifizierung von 1948 gab Schelenz an, zum „Kreis derer“ gehört zu haben, die „passiven Widerstand“ geleistet hätten, und verwies unter anderem auf seine Nichtteilnahme an den Münchner Ausstellungen. Ein Entlastungsschreiben des Ministerialrats, Sozialdemokraten und NS-Verfolgten Hermann Stenz bestätigte ihm, kein Anhänger des Nationalsozialismus gewesen zu sein. Der Untersuchungsausschuss stufte ihn 1948 als „nicht betroffen“ ein.

Mit der Rückkehr ins zivile Leben nahm Schelenz seine Tätigkeit als freischaffender Bildhauer wieder auf. Er lebte zunächst in Menzenschwand im Schwarzwald, dann in Bonndorf und ab 1955 bis zu seinem Lebensende in Freiburg i. Br. Zwei Jahre nach seiner Auszeichnung mit dem Kunstpreis Oberrhein entstand im Jahr 1961 der Bildniskopf Karl Persons für den Landtag von Baden-Württemberg.

Portrait von Karl Person

Portrait von Karl Person

Karl Person (1887–1956)
Präsident des Landtags von Baden (1947–1951)

Karl Person erlebte den Untergang des „Dritten Reiches“ als Soldat, der seit dem Frühjahr 1940 gedient hatte, obwohl er bereits im sechsten Lebensjahrzehnt stand: Nach Einsätzen im Frankreichfeldzug, in Polen und an der Ostfront war er zuletzt Personalbearbeiter beim Oberkommando der Wehrmacht. Person geriet bei Kriegsende in Gefangenschaft, aus der er Anfang Juli 1945 zurückkehrte. In einem Lager in Innsbruck hatte ihn ein US-amerikanischer Offizier, der als Jude Deutschland hatte verlassen müssen, als seinen ehemaligen Lehrer wiedererkannt und sich für seine Freilassung eingesetzt.

Zunächst wollte Person unmittelbar in den Schuldienst zurückkehren, und zwar nach Freiburg, wo er bis zu seiner Versetzung nach Karlsruhe 1934 viele Jahre tätig gewesen war. Da sein Anliegen wegen dieses Ortswechsels sowohl die US-amerikanische als auch die französische Besatzungsverwaltung betraf, gab es einigen Kommunikationsbedarf. Dass Person sowohl fachlich als auch politisch für eine Wiederverwendung im Schuldienst geeignet war, stand jedoch außer Zweifel. Er übernahm zunächst kommissarisch die Leitung zweier Oberschulen in Freiburg und wurde im November 1945 zum Oberstudiendirektor ernannt.

Als vertrauenswürdig galt Person wegen seines politischen Werdegangs vor 1933. Er war als junger Lehrer nach dem Ersten Weltkrieg über das katholische Vereinswesen zur Zentrumspartei gekommen und fand dort über die lokale zu regionaler Wirksamkeit. Seit 1929 gehörte er dem badischen Landtag an und amtierte dort in der Endphase der Republik als stellvertretender Vorsitzender seiner Fraktion. In dieser Funktion trug er Mitverantwortung für die taktischen Fehlgriffe, die sich seine Partei in den Wochen der nationalsozialistischen Machtübernahme in Karlsruhe im Frühjahr 1933 zu Schulden kommen ließ: Sie bemühte sich um Koalitionsverhandlungen mit der NSDAP und übte Zurückhaltung bis zur Selbstverleugnung, um ein greifbar nahes Konkordat mit dem Heiligen Stuhl nicht zu gefährden. Anfang Juni 1933 stimmte die Fraktion – Person eingeschlossen – dem badischen „Ermächtigungsgesetz“ zu. Damit wurde der badische Landtag faktisch entmachtet und die Verfassung außer Kraft gesetzt.

Persons Mitwirken hieran schützte ihn später nicht vor Angriffen von nationalsozialistischer Seite. 1934 beschwerte sich der Freiburger Kreisleiter beim Kultusministerium über ihn und andere Lehrer aus dem Zentrumsmilieu. Person wurde daraufhin nach Karlsruhe versetzt. Kritik an seinem Unterricht und seinem privaten politischen Verhalten blieben auch am neuen Tätigkeitsort nicht aus, und mehrfach ermahnte das Kultusministerium Person, dem nach und nach die Lehrberechtigung für politisch relevante Fächer wie Geschichte oder Erdkunde entzogen wurde. 1938 häuften sich die Querelen, die Person später in Abschriften aus seinen Dienstakten sorgfältig dokumentierte, nochmals, was zu seiner Versetzung an eine Karlsruher Oberschule für Mädchen im Frühjahr 1939 führte. Auch dass Person im März 1940 als 52-jähriger zum Kriegsdienst eingezogen wurde, während jüngere Lehrer zunächst als „unabkömmlich“ im Schuldienst verbleiben konnten, kann als Indiz dafür gewertet werden, dass man in der Aufsichtsbehörde seinem pädagogischen Wirken mit politischem Misstrauen begegnete. 

Die Konzessionen, die Person im Nationalsozialismus erbrachte, um seine Beamtenstellung zu erhalten, waren vergleichsweise gering: 1934 war er Mitglied des Nationalsozialistischen Lehrerbundes geworden, nach eigenen Angaben infolge der „Gleichschaltung“ des Badischen Philologenvereins, und 1936 war er in die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt eingetreten. Bei der Prüfung seiner Biografie durch alliierte und deutsche Stellen in den Jahren 1945 und 1946 wurde dem keine Bedeutung zugemessen und Persons Wiedereinsetzung in den öffentlichen Dienst ohne Vorbehalte befürwortet. Er amtierte bis 1953 als Leiter des Kepler-Gymnasiums in Freiburg und erhielt 1950 einen Lehrauftrag an der Universität Freiburg.

Auch politisch wurde Person unmittelbar nach Kriegsende wieder aktiv. Er beteiligte sich zunächst in Freiburg an den Versuchen, die frühere Zentrumspartei wiederzugründen, zählte dann aber zu den Protagonisten der Neugründung einer konfessionsübergreifenden christlichen Partei. Er gehörte dem ersten Vorstand der Christlich-Sozialen Volkspartei an, der Vorläuferin der CDU in Südbaden, und übernahm bald auch wieder Mandate: 1946 und 1947 in der Beratenden Landesversammlung Baden und anschließend bis 1951 im Landtag von Baden. In beiden amtierte er als Landtagspräsident. Grund für seinen Rückzug aus der Politik war seine Unzufriedenheit mit der bevorstehenden Südweststaatsgründung.