Grußwort Benefizkonzert SEZ

Sehr geehrter Herr Keil,
vielen Dank für die heutige Einladung hier zu sprechen!
Für den Landtag begrüße ich stellvertretend die Abgeordneten Frau Kern, Herrn Nüssle und Herrn Heitlinger; ür die Regierung begrüße ich Frau Ministerin Razawi.
Liebe Frau Alomar, liebe Musikerinnen und Musiker, liebe Gäste, schön, dass Sie alle hier sind!
Die Kooperation zwischen Baden-Württemberg und der Provinz Dohuk im Nordirak steht für Menschlichkeit, Solidarität – und für die Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Sehr gerne bin ich daher der Bitte nachgekommen, die Schirmherrschaft über das heutige Benefiz-Konzert zu übernehmen.
Diese Partnerschaft ist eingebettet in eine bewegte Geschichte: Das kurdische Volk blickt auf Jahrzehnte des Ringens um kulturelle Identität, politische Teilhabe und Autonomie zurück. Repressionen, Vertreibungen und systematische Gewalt in allen Staaten, in denen es lebt, haben tiefe Wunden hinterlassen.
Doch trotz all dieser Rückschläge gelang es vor 55 Jahren durch den Autonomiestatus im Norden des Iraks für Kurdinnen und Kurden dort eine Art Staatlichkeit zu erlangen. Die autonome Region Kurdistan ist mittlerweile ein Stabilitätsanker und verlässlicher Partner in der gesamten Region.
Letzte Woche traf ich Herrn Professor Ali Tatar, den Gouverneur unserer Partnerregion Dohuk. Es hat mich tief beeindruckt, wie der wirtschaftliche Aufbau dort wächst und wie gut die Aufnahme und Integration geflüchteter Menschen weiterhin gelingt.
Wir erinnern uns: Nach dem Völkermord des sogenannten IS an Jesidinnen und Jesiden im Jahr 2014 war die Provinz Dohuk eine der ersten, die Zuflucht bot. Diese humanitäre Leistung verdient noch immer tiefsten Respekt. Sie zeigt: Auch unter schwierigen Bedingungen können Menschen füreinander einstehen. Baden-Württemberg hat auf diesen humanitären Notruf reagiert – mit Mitgefühl, aber auch mit konkreter Hilfe.
Sie wissen das: Im Auftrag der Landesregierung hat die SEZ gemeinsam mit zahlreichen zivilgesellschaftlichen Partnern Projekte ins Leben gerufen, die direkte Wirkung zeigen:
- in der medizinischen Versorgung,
- in der psychosozialen Betreuung,
- in der Bildung und
- im Wiederaufbau.
In diesem Zusammenhang besonders würdigen möchte ich Herrn Professor Dr. Jan Ilhan Kizilhan. Er baut mit seiner Arbeit Brücken – zwischen Kulturen, zwischen Wissenschaft und Praxis, zwischen Schmerz und Heilung.
Besonders hervorzuheben ist das Sonderkontingent Baden-Württemberg für 1.100 jesidische Frauen und Kinder, die unter grausamsten Bedingungen vom IS verschleppt, gefoltert und misshandelt wurden. Es war Professor Kizilhan, der ihre Traumata nicht nur sichtbar gemacht, sondern Wege zur Heilung eröffnet hat – in Deutschland und in Dohuk selbst. Dafür meinen herzlichen Dank!
Eine dieser mutigen Frauen sind Sie liebe Frau Alomar. Herzlichen Dank, dass Sie Ihre Geschichte mit uns teilen!
Auch über die so wichtige Arbeit von Nadias Initiative haben wir heute wieder etwas mehr erfahren: Die Friedensnobelpreisträgerin Nadia Murad ist zum Gesicht des Kampfes gegen sexualisierte Gewalt worden: Sie hat nicht geschwiegen. Sie hat gesprochen: im UN-Sicherheitsrat, vor Regierungen, vor der gesamten Weltöffentlichkeit. Sie sprach auch im Landtag von Baden-Württemberg: bewegende Worte, die alle Anwesenden sehr ergriffen und berührt haben.
Nadia Murad erinnert immer wieder, dass sexualisierte Gewalt eine barbarische Gräueltat ist, die Frauen erniedrigen und Gesellschaften destabilisieren soll. Ihre Stimme ist Mahnung und Auftrag zugleich: hinzusehen, zu handeln, zu verhindern.
An dieser Stelle möchte ich alle Frauen und Kinder aus dem Sonderkontingent sehr herzlich grüßen! Ich hoffe sehr, dass Sie bei uns in Baden-Württemberg Sicherheit und ein neues Zuhause gefunden haben.
Allen hier im Saal, die sich dafür engagieren, dass sich der Alltag der Menschen in der Provinz Dohuk immer mehr verbessert, danke ich sehr herzlich:
Allen Vereinen, Initiativen und Einzelpersonen, stellvertretend Herrn Möllers und Herrn Groth für eine Vielzahl von Projekten - mit und ohne die Schwäbische Zeitung.
All das – die politische Unterstützung, die humanitäre Aufnahme, die psychosoziale Hilfe, die Bildungsinitiativen – ist nicht nur Ausdruck gelebter Solidarität. Es ist auch ein Modell dafür, wie internationale Partnerschaft aussehen kann: nämlich langfristig und getragen von gegenseitigem Respekt.
In Zeiten globaler Krisen, wachsender Unsicherheiten und autoritären Rückschritten ist sie ein leuchtendes Beispiel für gelebte Verantwortung.
Lassen Sie uns also diesen Weg weitergehen – mit Mut, mit Entschlossenheit und mit der tiefen Überzeugung, dass Menschlichkeit keine Grenzen kennt.