04. Dezember 2025

Aufarbeitung der Vergangenheit im Landtag

Als erster Landtag eines Flächenlandes lässt der Landtag von Baden-Württemberg die NS-Vergangenheit südwestdeutscher Landtagsabgeordneter sowie NS-Bezüge von im Landtag ausgestellten Kunstwerken wissenschaftlich untersuchen.

Die Ergebnisse des ersten Teilprojekts wurden am Mittwochabend bei dem Fachgespräch „Erinnerungsarbeit im Parlament: NS-Bezüge der im Landtag ausgestellten Kunstwerke“ mit einem Fachpublikum diskutiert. Landtagspräsidentin Muhterem Aras betont in ihrer Begrüßung, dass der Landtag geprägt sei von Offenheit und Transparenz. Dazu gehöre auch ein ehrlicher Blick in die Geschichte. „Gerade weil die Kunst für dieses Haus eine so große Bedeutung hat, ist es auch von Bedeutung, von wem diese Kunst stammt, welches Weltbild diese Kunst prägt und in welchem Kontext sie entstand“, so Aras. Die Geschichte der Bundesrepublik sei kein weißes Blatt gewesen, sondern voller Biografien, die von der NS-Zeit beeinflusst gewesen seien. „Menschen, die zum NS-System beigetragen haben, leisteten mitunter Beiträge für demokratische Institutionen wie für den Landtag. Das gilt sowohl für manche Kunstschaffenden, als auch für manche der in Bronze abgebildeten Landtagspräsidenten. Es gehört zur Komplexität unserer Demokratiegeschichte“, betonte Aras. Es gehe bei dem Forschungsprojekt nicht darum, posthum über Menschen zu richten oder ihnen spätere demokratische Verdienste abzusprechen, sondern darum, die Wahrheit in allen Facetten zu kennen und abzubilden.

Prof. Dr. Philipp Gassert von der Uni Mannheim spricht in seinem Fachvortrag über Erinnerungskultur und ihre demokratischen Potenziale. Bei einer Podiumsdiskussion berichten die beiden Gutachter des Forschungsprojekts, Prof. Dr. Frank Engehausen von der Uni Heidelberg und Dr. Leonie Beiersdorf von der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe über die Ergebnisse. Moderiert wurde das Gespräch von Dr. Cornelia Hecht-Zeiler, Direktorin des Haus der Geschichte.

Das Forschungsprojekt ist 2024 auf Initiative von Präsidentin Aras gestartet. Es wird von der Landeszentrale für politische Bildung koordiniert und mit Mitteln der Baden-Württemberg Stiftung finanziert.