27. Januar 2026

Gedenken, das verpflichtet

In der Stadt Herbolzheim wird am Dienstag, 26. Januar 2026 der Opfer des Nationalsozialismus gedacht.

In stillem Gedenken und bei der Kranzniederlegung am Mahnmal Eisenbahnstraße erinnert der Landtag gemeinsam an alle Menschen, die durch die nationalsozialistische Gewaltherrschaft entrechtet, verfolgt und ermordet wurden. Das Mahnmal Eisenbahnstraße wurde 2003 in Erinnerung an die aus Herbolzheim deportierte Sinti-Familie Spindler errichtet.

Im Mittelpunkt der Gedenkstunde des Landtags zum Holocaust-Gedenktag standen in diesem Jahr besonders jene, deren Leid lange im Schatten blieb: die in der NS-Zeit aus antiziganistischen Motiven verfolgten Jenischen. Das Schicksal dieser Volksgruppe mit nomadischer Tradition steht für geraubte Freiheit, zerstörte Familien und jahrzehntelanges Beschweigen. Ihre Geschichten sichtbar zu machen und sie zu würdigen, ist Teil unserer Verantwortung heute.

Nach dem stillen Gedenken führte der Weg ins Bürgerhaus Tutschfelden. Musikalisch eröffnet, geprägt von Grußworten von Bürgermeister Thomas Gedemer und vom Vorsitzenden des Fördervereins der Jenischen und anderer Reisender, Alexander Flügler, sowie der Gedenkrede von Landtagspräsidentin Muhterem Aras wurde dort eindrücklich an Verfolgung, Ausgrenzung und Auslöschung erinnert. Auch der Fachvortrag von Dr. Boris Weinrich und Beiträge von Schülerinnen und Schülern der Zeppelin-Realschule Singen machten deutlich, wie wichtig Erinnerungsarbeit für Gegenwart und Zukunft ist. 

Die Landtagspräsidentin rief im Beisein von Abgeordneten der Fraktionen Grüne, CDU, SPD und FDP/DVP sowie von Vertreterinnen und Vertretern der Opfergruppen dazu auf, entschieden gegen jede Menschenfeindlichkeit Stellung zu beziehen. „Unser Grundgesetz ist glasklar: Alle Menschen haben Würde. Eine unantastbare Würde, die durch nichts und niemanden in Frage gestellt werden darf! Niemals! Und wir alle haben die Pflicht, diese Würde zu achten und zu schützen“, so Aras.

Zum Abschluss pflanzten Präsidentin Aras und Bürgermeister Gedemer eine Trauerweide - als Symbol nicht nur für Trauer, sondern auch für Hoffnung, Verantwortung und bleibendes Gedenken.

Der Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 1945 ist seit 1996 in Deutschland offizieller Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Erinnern heißt hinschauen. Erinnern heißt Verantwortung übernehmen. Und erinnern heißt, denjenigen eine Stimme zu geben, die zu lange überhört wurden.