Aras: „Wir müssen gemeinsam einstehen gegen Antisemitismus, gegen Rassismus und gegen Menschenfeindlichkeit“

Stuttgart. Die syrisch-libanesische Friedensaktivistin Rawan Osman und die Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Gedenkstätteninitiativen in Baden-Württemberg (LAGG) sind mit der Joseph-Ben-Issachar-Süßkind-Oppenheimer-Medaille geehrt worden. Sie erhielten die von der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg (IRGW) und dem Landtag von Baden-Württemberg verliehene Auszeichnung am Montag, 29. September 2025, bei einem Empfang zum jüdischen Neujahrsfest im Neuen Schloss in Stuttgart. Mit der Oppenheimer-Medaille wird alle zwei Jahre herausragendes Engagement in Wissenschaft und Publizistik gegen Minderheitenfeindlichkeit und Vorurteile gewürdigt.

Landtagspräsidentin Muhterem Aras (Grüne) erklärte bei der Verleihung: „Wir alle müssen gemeinsam einstehen gegen Antisemitismus, gegen Rassismus, gegen Menschenfeindlichkeit. Wir müssen gemeinsam einstehen für Versöhnung und Verständigung.“ Darin liege auch der Auftrag der Medaille, die Landtag und IRGW gemeinsam verleihen. „In Zeiten, in denen die Gedenkstätten zunehmend von Argwohn, Vandalismus und sogar Anfeindungen betroffen sind, will ich glasklar sagen: bei allen sonstigen Meinungsverschiedenheiten stehen die Landtagsfraktionen von Grünen, CDU, SPD und FDP/DVP wie eine Eins felsenfest zusammen und hinter der Gedenkstättenarbeit in Baden-Württemberg“, betonte die Präsidentin. In der LAGG sind über 80 Gedenkstätten organisiert. Bei der Ehrung wurden sie von einer Delegation des Sprecherrates durch Felix Köhler und Thomas Stöckle repräsentiert. Ausgezeichnet wurde die LAGG für das beispielhafte Engagement bei der Aufarbeitung und Aufklärung der Taten des NS-Terrorregimes.

Für Rückschau und Introspektion stehe auch die Geschichte von Rawan Osman, sagte Landtagspräsidentin Aras. Sie betonte, es sei immer wichtiger, Feindbilder zu hinterfragen, Propaganda zu zerstreuen und auf Verständigung hinzuarbeiten. „Für Antisemitismus und für jede Art von Menschenfeindlichkeit gibt es keinen Platz und keine Rechtfertigung“, so Aras. Geehrt wird sie für ihr Engagement gegen Antisemitismus und ihre Aufklärung junger Menschen in arabischer und englischer Sprache zu Israel und seinen Nachbarstaaten. Osman ist in einer Hochburg der libanesischen Terrorgruppe aufgewachsen und hat in den sozialen Medien durch ihr Engagement für den jüdischen Staat große Aufmerksamkeit erregt.

Die Vorstandssprecherin der IRGW, Prof. Barbara Traub, sagte in ihrem Grußwort: „In dem, was wir unsere Kinder heute lehren, entsteht jeden Tag Stück für Stück etwas mehr von der Zukunft, die wir unserer Welt wünschen.“ Mit Projekten, wie „Arabs ask“ von Rawan Osman, die das Schweigen brechen und Brücken über die Gräben bauen wollten, die über Jahrzehnte durch unwidersprochene Vorurteile und fortwährende Hetze entstehen konnten und in den Gedenkstätten, wo die Ehrenamtlichen nicht nur fortwährende Erinnerungsarbeit an die Opfer von einst leisteten, sondern nachhaltig zur Stärkung unserer demokratisch-freiheitlichen Grundordnung beitragen würden, „ersteht Tag um Tag, Stück für Stück Zukunft. Und Sie senden auf diese Weise ein fortwährendes Zeichen der Hoffnung aus“. Barbara Traub weiter: „So werden wir als jüdische Gemeinde, unterstützt durch unser Land und im Bewusstsein um den Rückhalt, den wir durch Sie als Freunde und Demokraten erfahren, auch das neue Jahr voll Zuversicht angehen - möge das neue Jahr ein Jahr ein gutes, ein süßes und ein hoffnungsvolles Jahr werden!“

Die Laudatio für Preisträgerin Rawan Osman hielt Prof. Dr. Werner Arnold, ehemaliger Rektor der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg (HfJS). Laudator für die LAGG war Dr. Thomas Lutz, ehemaliger Leiter des Gedenkstättenreferats der Stiftung Topographie des Terrors. 

Der Landtag von Baden-Württemberg und die Israelitische Religionsgemeinschaft Württemberg verleihen seit 2015 alle zwei Jahre die Oppenheimer-Auszeichnung im Gedenken an Joseph Ben Issachar Süßkind Oppenheimer. Oppenheimer wurde am 4. Februar 1738 aufgrund judenfeindlicher Anschuldigungen in Stuttgart Opfer eines Justizmordes und im Dritten Reich von der NS-Propaganda erneut judenfeindlich instrumentalisiert. 

Vorherige Preisträgerinnen und Preisträger sind die Amadeu Antonio Stiftung, der Rabbiner Dr. Tovia Ben-Chorin und der Psychologe Ahmad Mansour, die ZDF-Journalistin Nicole Diekmann und der Geschichtsforscher Martin Ritter, die Soziologin Prof. Dr. Julia Bernstein, der Pfarrer Dr. Michael Volkmann sowie die Literaturwissenschaftlerin Anat Feinberg und der Journalist Anton Maegerle. Die nicht dotierte Auszeichnung besteht aus einer Medaille und einer Urkunde. Entworfen wurde die Medaille von dem jüdischen Künstler Jacob Abitbol aus Schwäbisch Hall. Zentrale Elemente auf der Vorderseite bilden der Davidstern und ein Bildnis Oppenheimers. Die Rückseite zeigt die beiden Logos von Landtag und IRGW.