Erste Erkenntnisse zum Sprachförderkonzept „SprachFit“ im Bildungsausschuss vorgestellt
Stuttgart. Erste Erkenntnisse zur Umsetzung des neu eingeführten Sprachförderkonzepts „SprachFit“ sind am Donnerstag, 22. Januar 2026, auf Antrag der SPD im Ausschuss für Kultus, Jugend und Sport vorgestellt worden. Die Sitzung wurde von der Ausschussvorsitzenden Petra Häffner (Grüne) geleitet.
Das Konzept „SprachFit“ solle Kinder bereits vor der Einschulung und im Übergang zur Grundschule durch zusätzliche, strukturierte Sprachförderung beim Spracherwerb unterstützen. Ziel sei es, Basiskompetenzen frühzeitig zu fördern, um Bildungschancen nachhaltig zu verbessern, informierte Häffner.
Im Ausschuss sei vom Ministerium offengelegt worden, dass für das laufende Schuljahr 2025/2026 insgesamt 1.000 Sprachfördergruppen vorgesehen waren. Diese seien von den Staatlichen Schulämtern weitestgehend eingerichtet worden. Konkret seien 981 Gruppen bis zum Stichtag am 14. November 2025 gebildet worden, davon 627 Gruppen (64 %) an Schulen und 354 Gruppen (36 %) in Kindertageseinrichtungen.
Zur Besetzung der vorgesehenen Stellen in der ergänzenden Sprachförderung lägen derzeit noch keine verlässlichen Zahlen vor. Mit vorläufigen Daten werde ab Ende Februar 2026 gerechnet. Daten zum Ausfall von Stunden der zusätzlichen Sprachförderung vor der Einschulung würden nicht systematisch erhoben. Eine entsprechende Erhebung sei zur Minimierung administrativer Belastungen für die beteiligten Institutionen nicht vorgesehen, erklärte das Ministerium Häffner zufolge.
Das Ministerium habe weiter ausgeführt, dass der Umfang der Sprachförderung per Rechtsverordnung auf viermal 45 Minuten pro Woche festgelegt sei. Konkrete Vorgaben zu alternativen Zeitmodellen oder Bewertungen einzelner Modelle gebe es nicht, da die Umsetzung vor Ort in der Verantwortung der jeweiligen Einrichtung liege.
Ein weiterer Schwerpunkt der Beratung habe auf der Einbindung der Ergebnisse der Einschulungsuntersuchung (ESU) in den Prozess der Sprachförderung gelegen, berichtete Häffner. Hier sei vom Ministerium dargelegt worden, dass der Untersuchungszeitraum der ESU in den nächsten Jahren schrittweise vorverlegt werde, um die Daten rechtzeitig für die Auswahl der Kinder mit intensivem Sprachförderbedarf verfügbar zu machen. Zukünftig sei zudem geplant, dass die Gesundheitsämter gesetzlich verpflichtet werden, ESU-Daten an die Schulleitungen zu übermitteln, sobald ein intensiver Sprachförderbedarf bestehe. Derzeit erfolge die Datenübermittlung nur mit Einverständnis der Sorgeberechtigten.
Für den Einsatz in der Sprachförderung vor der Einschulung können neben Grundschullehrkräften verschiedene pädagogische Berufsgruppen eingesetzt werden, darunter staatlich anerkannte Kindheitspädagoginnen und -pädagogen, Lehrkräfte in Ausbildung oder Personen mit einem Studienabschluss im Bereich Deutsch als Zweit- oder Fremdsprache. Alle Einsatzkräfte würden vorbereitende und begleitende Qualifizierungsmaßnahmen des Zentrums für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) durchlaufen. Das ZSL biete ein kombiniertes Fortbildungsangebot aus Online-Modulen, regionalen Netzwerktreffen und Selbstlern-Bausteinen an. Rückmeldungen der Sprachförderkräfte würden kontinuierlich in die Weiterentwicklung der Veranstaltungen einfließen. Besonders hervorgehoben worden sei der Bedarf nach stärkerem Praxisbezug und der Einbindung der Eltern und Erziehungsberechtigten.
Das Ministerium habe das Gremium zudem über die Finanzierung und Ausstattung der Einrichtungen informiert: Die Zuwendungen würden Personal-, Sach- und Beförderungskostenzuwendungen in Form von Pro-Kopf-Pauschalen für den Förderzeitraum abdecken. Die Voraussetzungen für die Einrichtung von Sprachfördergruppen an Kindertageseinrichtungen seien über spezifische Verordnungsbestimmungen geregelt. Bis zum Schuljahr 2027/2028 solle die Gesamtzahl der Sprachfördergruppen auf 4.200 Einheiten ausgebaut werden, um eine zumutbare Entfernung für die Beförderung der Kinder sicherzustellen. Aus Sicht der SPD bleibe die Beförderung jedoch eine der größten Unwägbarkeiten. Es brauche klare und einheitliche Regelungen für Verantwortliche vor Ort, um den Kinderschutz zu gewährleisten.
Die FDP/DVP habe den Fokus auf einen frühen Spracherwerb und die Vorverlegung der ESU begrüßt, aber zugleich angemerkt, dass es derzeit noch an der Umsetzung hapere und Unsicherheiten vor Ort bestünden, so Häffner.
Das Ministerium habe betont, dass sich das Projekt noch im Aufbau befinde und stufenweise ausgerollt werde. „SprachFit“ habe eine hohe Priorität bei den Kommunen und Rückmeldungen von Schulen zeigten, wie wichtig Investitionen in Basiskompetenzen seien.