(Hermann) Erich Roßmann

Verfolgung
27.04.1933
Roßmann ist Direktor des Hauptversorgungsamtes Württemberg in Stuttgart. Zum 1. April 1933 werden die Hauptversorgungsämter Württemberg und Baden zum Hauptversorgungsamt Südwest zusammengelegt. Im Zuge dessen wird Roßmann zum 1. April 1933 in den Wartestand versetzt. Am 27. April 1933 wird er aus dem Staatsdienst entlassen. Roßmann erhält drei Viertel seines Ruhegehalts. Die rechtliche Grundlage für die Entlassung bietet das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums.
10.06.1933
Roßmann wird am 10. Juni 1933 in Stuttgart in »Schutzhaft« genommen und zunächst im Polizeigefängnis Stuttgart inhaftiert. Am 26. Juni 1933 wird er ins Konzentrationslager Heuberg gebracht. Mitte Oktober 1933 wird Roßmann in das Garnisonsarresthaus in Ulm verlegt. Dort wird er am 24. oder 28. Oktober 1933 aus der Haft entlassen. Als Voraussetzung für seine Haftentlassung soll Roßmann zusammen mit sieben anderen sozialdemokratischen Gefangenen am 22. Oktober 1933 eine Loyalitätserklärung an den württembergischen Reichsstatthalter Wilhelm Murr unterzeichnet haben. Die Loyalitätserklärung erscheint am 11. November 1933 im Staatsanzeiger für Württemberg (»Vorbehaltlos auf der Seite des Vaterlandes«) und am 13. November 1933 im Ulmer Tagblatt (»Treuebekenntnis einstiger Sozialdemokraten«).
22.08.1944
Roßmann wird am 22. August 1944 im Rahmen der »Aktion Gewitter« in Berlin verhaftet. Er befindet sich bis zum 29. August 1944 im Polizeigefängnis Berlin-Alexanderplatz. Dann wird Roßmann ins Konzentrationslager Sachsenhausen überstellt (Häftlingsnummer 93909). Dort wird Roßmann am 23. Oktober 1944 aus der Haft entlassen.
Ende 1944
Aus Angst vor einer erneuten Verhaftung verbringt Roßmann die Nächte ab Ende 1944 häufig bei Freunden und Bekannten. In den letzten Kriegstagen taucht er in Biesenthal unter.
Biografie
Sohn eines Arbeiters
Kaufmännische Lehre
Tätigkeit als kaufmännischer Angestellter
Eintritt in die SPD
1904
Tätigkeit als Berichterstatter der SPD-Zeitung »Schwäbische Tagwacht« in Stuttgart, dort ab September 1906 Redakteur
Oktober 1911
Redakteur der Ulmer SPD-Zeitung »Donau-Wacht«
1915
Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg, unter anderem an der Westfront
1918
Mitbegründer des Reichsbunds der Kriegsbeschädigten und Kriegsteilnehmer, dort 1918 bis 1920 Mitglied im Hauptvorstand
1918
Referent im Reichsausschuss für Kriegsbeschädigtenfürsorge
April 1919
Regierungsrat im Reichsarbeitsministerium in Berlin
März 1920
Direktor des Hauptversorgungsamts Württemberg mit Sitz in Stuttgart
1924
Landesvorsitzender der SPD in Württemberg
1933
Tätigkeit als selbstständiger Immobilien- und Hausverwalter in Berlin
Dezember 1945
Generalsekretär des Süddeutschen Länderrats mit Sitz in Stuttgart
August 1948
Ehrenamtlicher Generalsekretär der Europa-Union Deutschland
Oktober 1948
Intendant von Radio Stuttgart
Mitglied des Deutschen Rates der Europäischen Bewegung
26.09.1953
Roßmann stirbt während eines Kuraufenthalts in Meran in Südtirol.
Literatur
Hermann Erich Roßmann: Ein Leben für Sozialismus und Demokratie, Stuttgart, Tübingen 1947.
Franz Osterroth: Biographisches Lexikon des Sozialismus. Verstorbene Persönlichkeiten, 1, Hannover 1960, S. 256.
Schumacher 1991, S. 473-474.
Thomas Kurz: Feindliche Brüder im deutschen Südwesten. Sozialdemokraten und Kommunisten in Baden und Württemberg von 1928 bis 1933, Berlin 1996, S. 465-466.
Frank Raberg: Hermann Erich Rossmann, in: Neue Deutsche Biographie, 22, 2005, S. 96-97.
Dokumente
Schreiben des Reichsarbeitsministers
Roßmann war Direktor des Hauptversorgungsamtes Württemberg in Stuttgart. Am 27. April 1933 wurde er aus dem Staatsdienst entlassen. Der äußere Anlass dafür war die Zusammenlegung der Hauptversorgungsämter Württemberg und Baden.
»Treubekenntnis einstiger Sozialdemokraten«
Als Häftling im Garnisons-Arresthaus in Ulm unterschrieben Roßmann und sieben weitere sozialdemokratischen Gefangenen angeblich am 22. Oktober 1933 eine Loyalitätserklärung an den württembergischen Reichsstatthalter Wilhelm Murr. Die Loyalitätserklärung erschien am 13. November 1933 im Ulmer Tagblatt unter dem Titel »Treuebekenntnis einstiger Sozialdemokraten«.