(Johann) Georg Reinbold

Verfolgung
März 1933
Um einer Verhaftung zu entgehen, flieht Reinbold im März 1933 nach Straßburg. Seine Ehefrau Elise Reinbold folgt ihm dorthin. In Straßburg arbeitet Reinbold als Grenzsekretär der Exil-SPD (Sopade) im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Unter dem Pseudonym »Salomon bzw. Simon Schwarz« organisert er den Grenzschmuggel und den Austausch von Informationen und Berichten. Als Tarnung dient eine Buchhandlung, die Reinbold zusammen mit dem Elsässer Sozialdemokraten Arthur Fassel eröffnet hat.
01.04.1934
Nachdem Reinbold von einem in Straßburg lebenden Saarländer denunziert wurde, erstatten die NS-Behörden am 1. April 1934 Anzeige gegen ihn.
01.07.1934
Die französischen Behörden entziehen Reinbold am 1. Juli 1934 die Aufenthaltsgenehmigung für Frankreich. Reinbold und seine Ehefrau flüchten daraufhin in das Saargebiet.
März 1935
Nach dem Anschluss des Saargebietes an das Deutsche Reich flüchten Reinbold und seine Ehefrau im März 1935 in das Großherzogtum Luxemburg. Zunächst leben sie in der Hauptstadt Luxemburg, dann in dem kleinen Ort Aspelt.
Dezember 1936
Die NS-Behörden entziehen Reinbold im Dezember 1936 die deutsche Staatsbürgerschaft.
Frühjahr 1940
Im Zuge der Besetzung Luxemburgs durch deutsche Truppen flüchten Reinbold und seine Ehefrau im Frühjahr 1940 Richtung Südfrankreich. Sie werden auf der Flucht getrennt, separat von den französischen Behörden verhaftet und als feindliche Ausländer interniert: Reinbold ab dem 12. Mai 1940 im lothringischen Internierungslager Pont-à-Mousson, seine Ehefrau im Lager Gurs. Reinbold gelingt am 13. Juni 1940 die Flucht aus Pont-à-Mousson, seine Ehefrau kann das Lager Gurs am 2. Oktober 1940 verlassen.
1940
Um einer Verhaftung durch das Vichy-Regime zu entgehen, flüchten Reinbold und seine Ehefrau 1940 zu Fuß über die Pyrenäen nach Spanien und von dort weiter nach Portugal. Von Lissabon aus reisen sie am 15. April 1941 nach New York, wo sie am 25. April 1941 eintreffen.
Biografie
Sohn eines Holzfällers
Volksschule
bis 1901
Lehre als Schlosser
1901
Wanderschaft als Schlossergeselle
1906
Eintritt in die SPD
1910
Mitglied des Bürgerausschusses in Triberg
1911
Vorsitzender des Gewerkschaftskartells in Triberg
1912
Mitarbeiter der Freiburger sozialdemokratischen Zeitung »Volkswacht« in Singen (Hohentwiel)
1915
Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg als Unteroffizier
1919
Mitglied des Gemeinderats in Singen (Hohentwiel)
1922
Mitglied des Kreisausschusses Konstanz
1923
SPD-Parteisekretär
1924
Vorsitzender des badischen SPD-Landesvorstandes in Mannheim
1924
Mitglied des Gauvorstands Baden des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold
März 1933
Flucht nach Straßburg
Juli 1934
Flucht ins Saargebiet
März 1935
Flucht in das Großherzogtum Luxemburg
1940
Flucht über Spanien und Portugal nach New York
Literatur
Michael Bosch, Wolfgang Niess (Hrsg.): Der Widerstand im deutschen Südwesten 1933-1945, Stuttgart 1984, S. 163-171.
Manfred Bosch: Johann Georg Reinbold, in: Badische Biographien, 2, 1987, S. 224-225.
Schröder 1995, S. 671.
Schumacher 1995, S. 127.
Weik 2003, S. 300.
Herbert Broghammer: Wirken und Wirren. Simon Schwarz alias Johann Georg Reinbold. Ein Sozialdemokrat als Vorkämpfer für Freiheit und Demokratie vor und nach 1933, Herzogenrath 2005.
Bernd Braun: Georg Reinbold. Der badische SPD-Vorsitzende im Widerstand als Grenzsekretär, in: Mut bewiesen. Widerstandsbiographien aus dem Südwesten, hrsg. von Angela Borgstedt, Sibylle Thelen, Reinhold Weber, Stuttgart 2017, S. 99-108.