(Karl) Albert Fischer

Verfolgung
März 1933
Um einer Verhaftung zu entgehen, taucht Fischer nach der Reichstagswahl vom 5. März 1933 unter. Er hält sich vermutlich unter dem Decknamen »Max Maier« als Gelegenheitsarbeiter in einer Mühle auf. Anfang August 1933 wird Fischer aufgegriffen und in »Schutzhaft« genommen. Zunächst wird er in der Gestapo-Zentrale Hotel Silber in Stuttgart inhaftiert. Nach einer Woche wird Fischer in das Konzentrationslager Heuberg bei Stetten verlegt. Am 25. Dezember 1933 wird er in das Konzentrationslager Oberer Kuhberg bei Ulm überstellt. Dort wird Fischer am 24. Dezember 1934 aus der Haft entlassen.
13.08.1933
Nach Fischers Verhaftung veröffentlicht die »Alb-Neckar-Zeitung« am 13. August 1933 ein Spottgedicht über ihn. Das Gedicht bezeichnet Fischer (wegen seines Decknamens »Max Maier«) als »Moskau-Maxe« und macht sich über sein Untertauchen lustig.
1934
Fischer ist ab 1932 zusammen mit seiner Ehefrau Anna Katharina Pächter der Gaststätte »Rössle« in Metzingen. Während der Haft ihres Mannes führt Anna Katharina Fischer die Gaststätte weiter, bis ihr 1934 der Betrieb von den NS-Behörden untersagt wird.
1935
Nach seiner Entlassung aus der Haft ist Fischer aufgrund einer schweren chronischen Bronchitis mit Asthma und Lungenerweiterung zu zwei Dritteln arbeitsunfähig. Von 1935 bis 1936 ist er arbeitslos. 1936 plant Fischer die Eröffnung eines Lebensmittelgeschäfts in Metzingen. Die entsprechende Genehmigung wird ihm jedoch auf Betreiben des Metzinger NSDAP-Bürgermeisters Ernst Neuhaus und der NSDAP-Ortsgruppe verweigert. Auch sein Bestreben, als Hausierer mit Kaffee und Nudeln zu handeln, wird Fischer untersagt, da man befürchtet, sein Auftreten in den Häusern könnte ihm und der KPD Sympathien verschaffen. Von 1936 bis 1939 arbeitet Fischer im Betrieb eines Freundes in Reutlingen.
01.09.1939
Fischer wird am 1. September 1939 - mit Beginn des Zweiten Weltkriegs - zusammen mit seinem gleichnamigen Sohn Albert Fischer verhaftet und in das Konzentrationslager Buchenwald gebracht. Dort sind beide bis zur Befreiung des Lagers im April 1945 inhaftiert.
Biografie
Sohn eines Fabrikarbeiters
Lehre als Weißgerber bei der Leder- und Handschuhfabrik Gänsslen in Metzingen
Tätigkeit als Weißgerber
1901
Eintritt in die Gewerkschaft
1914
Eintritt in die SPD
Vorsitzender des SPD-Ortsvereins in Metzingen
1917
Eintritt in die USPD
1919
Mitglied des Gemeinderats von Metzingen
1921
Eintritt in die KPD
20.10.1923
Fischer wird wegen seiner Tätigkeit für die KPD einige Wochen in Haft genommen. Ihm wird die Vorbereitung eines Generalstreiks und von Sabotageakten vorgeworfen.
1927
Mitglied der KPD-Bezirksleitung Württemberg
1930
Erfolglose Kandidatur als Bürgermeister von Metzingen
1932
Mit seiner Ehefrau Betrieb der Gaststätte »Rössle« in Metzingen
1935
Arbeitslos
1936
Tätigkeit im Betrieb eines Freundes in Reutlingen
1945
Kommissarischer Bürgermeister von Metzingen, von der französischen Militärregierung ernannt
Ende 1945
Stellvertretender Bürgermeister von Metzingen
Literatur
Rudolf Renz: Doch die Freiheit, die kommt wieder, in: Volkshochschule Metzingen-Ermstal, Arbeitskreis Stadtgeschichte, Rundschreiben, 1, 1995, S. 20-26.
Raberg 2001, S. 206-207.
Weber Herbst 2008, S. 245.
Rudolf Renz: Vor 80 Jahren: Zwei Metzinger, Albert Fischer und Alois Dangelmaier, in KZ-Haft, in: Spuren. Beiträge zur Metzinger Stadtgeschichte, 17, 2014, S. 52-65.
Nicola Wenge: Albert Fischer (1883-1952). Ein Metzinger Kommunist widersteht unter der Verfolgung, in: Mut bewiesen. Widerstandsbiographien aus dem Südwesten, hrsg. von Angela Borgstedt, Sibylle Thelen, Reinhold Weber, Stuttgart 2017, S. 49-61.