Dr. Arnulf Klett

Parlament

1946
Vorläufige Volksvertretung Württemberg-Baden (Vertreter der Oberbürgermeister)

Partei vor 1933 -
nach 1945 -
Geburt 08.04.1905, Stuttgart
Erste Ehe
Gertrud Melanie geb. Mebold (1934)
Zweite Ehe
Yvonne Marta geb. Göhring (1950)
Beruf Rechtsanwalt, Oberbürgermeister
Kinder 4
Konfession Evangelisch
Verstorben 14.08.1974, Bühl

Verfolgung

26.11.1933
Klett wird am 26. November 1933 verhaftet und im Konzentrationslager Heuberg in »Schutzhaft« genommen. Grund dafür ist, dass er als Rechtsanwalt der Verleger der »Alb-Neckar-Zeitung« (Gustav und Erich Köllreutter) am 11. November 1933 eine Denkschrift gegen die nationalsozialistische Gleichschaltung der Presse verfasst und an Behörden und Privatpersonen verschickt hat. Klett wird am 10. Dezember 1933 aus der Haft entlassen.

Biografie

Sohn eines evangelischen Pfarrers

Realprogymnasium Nürtingen

Dillmann-Gymnasium Stuttgart

1923
Studium der Rechtswissenschaften an den Universitäten Tübingen und München

Mitgliedschaft in der Studentenverbindung Igel

1927
Rechtsreferendariat in Herrenberg und Stuttgart

1928
Promotion an der Universität Tübingen

ab 1930
Rechtsanwalt in Stuttgart

nach 1933
Klett vertritt als Rechtsanwalt Juden und Kritiker des NS-Regimes. Während des Zweiten Weltkriegs verteidigt er vor Kriegsgerichten in Berlin, München, Paris und Minsk deutsche Soldaten, die der »Fahnenflucht«, der »Zersetzung der Wehrkraft« und ähnlicher Vergehen beschuldigt werden.

Ende 1937
Klett gelingt es, aus privatrechtlichen Gründen ein Verbot für das erst kurz zuvor mit dem Schwäbischen Dichterpreis ausgezeichnete Buch »Bis zur Heimkehr im Sommer« des NS-Schriftstellers Veit Bürkle zu erwirken.

Kontakte zum Widerstandskreis um den Schriftsteller und Journalisten Rudolf Pechel

1944
Notdienstverpflichtet in der Stadtverwaltung Stuttgart tätig

1945
Oberbürgermeister Stuttgarts, ab 23. April 1945 von der französischen Militärregierung ernannt, am 8. Oktober 1945 durch die amerikanische Militärregierung bestätigt, 1946 vom Gemeinderat, 1948 von der Bevölkerung gewählt

1948
Gründungsmitglied und Vizepräsident Internationale Bürgermeisterunion

1953
Vorsitz des Zweckverbands Bodensee-Wasserversorgung

1954
Präsident des Landesverbands des Deutschen Roten Kreuzes Baden-Württemberg

1963
Präsident des Deutschen Städtetags

1966
Präsident des Verbands Kommunaler Unternehmen

Rezeption

1958
Ritterkreuz der Französischen Ehrenlegion

1959
Großes Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland

1961
Ehrenbürger von Kansas City (USA)

1962
Komturkreuz der Französischen Ehrenlegion

1963
Ehrensenator der Technische Hochschule Stuttgart

1964
Ehrenbürger von Baton Rouge (USA)

1964
Ehrenmitglied der Mark-Twain-Gesellschaft (USA)

1967
Ehrensenator der Universität Stuttgart-Hohenheim

1973
Willy-Reichert-Plakette

1976
Namenspatron des Arnulf-Klett-Platzes in Stuttgart

Literatur

Nachrichtenamt der Stadt Stuttgart (Hrsg.): Arnulf Klett 1905-1974. Oberbürgermeister der Stadt Stuttgart 1945-1974, Stuttgart 1974.

Trauer um Oberbürgermeister Dr. Arnulf Klett, in: Deutscher Städtetag: Der Städtetag, 27, 1974, S. 478-479.

Wolfgang von Gropper: Nachruf auf Oberbürgermeister Arnulf Klett, in: Baden-Württemberg, 21, 1974, S. 265.

Arnulf Klett. Sein Wirken für Stuttgart, Baden-Württemberg und Europa, in: Stuttgarter Leben, 49, 1974, 5, S. 10-13.

Kurt Leipner: Arnulf Klett, in: Neue Deutsche Biographie, 12, 1979, S. 52-53.

Paul Sauer: Arnulf Klett, in: Baden-Württembergische Biographien, 1, 1994, S. 186-189.

Peer-Uli Faerber: Arnulf Klett, in: Große Stuttgarter. Gestalten aus fünf Jahrhunderten, hrsg. von Erwin Teufel, Stuttgart 1996, S. 299-307.

Paul Sauer: Arnulf Klett. Ein Leben für Stuttgart, Gerlingen 2001.

Weik 2003, S. 81.

Dokumente

Schreiben der Württembergischen Politischen Polizei

Die Politischen Polizei informierte am 25. Januar 1934 das württembergische Staatsministerium, dass Klett verhaftet worden war, weil er eine Denkschrift gegen die nationalsozialistische Gleichschaltung der Presse verfasst und an Behörden und Privatpersonen verschickt hatte.