Dr. Arnulf Klett

Verfolgung
26.11.1933
Klett wird am 26. November 1933 verhaftet und im Konzentrationslager Heuberg in »Schutzhaft« genommen. Grund dafür ist, dass er als Rechtsanwalt der Verleger der »Alb-Neckar-Zeitung« (Gustav und Erich Köllreutter) am 11. November 1933 eine Denkschrift gegen die nationalsozialistische Gleichschaltung der Presse verfasst und an Behörden und Privatpersonen verschickt hat. Klett wird am 10. Dezember 1933 aus der Haft entlassen.
Biografie
Sohn eines evangelischen Pfarrers
Realprogymnasium Nürtingen
Dillmann-Gymnasium Stuttgart
1923
Studium der Rechtswissenschaften an den Universitäten Tübingen und München
Mitgliedschaft in der Studentenverbindung Igel
1927
Rechtsreferendariat in Herrenberg und Stuttgart
1928
Promotion an der Universität Tübingen
ab 1930
Rechtsanwalt in Stuttgart
nach 1933
Klett vertritt als Rechtsanwalt Juden und Kritiker des NS-Regimes. Während des Zweiten Weltkriegs verteidigt er vor Kriegsgerichten in Berlin, München, Paris und Minsk deutsche Soldaten, die der »Fahnenflucht«, der »Zersetzung der Wehrkraft« und ähnlicher Vergehen beschuldigt werden.
Ende 1937
Klett gelingt es, aus privatrechtlichen Gründen ein Verbot für das erst kurz zuvor mit dem Schwäbischen Dichterpreis ausgezeichnete Buch »Bis zur Heimkehr im Sommer« des NS-Schriftstellers Veit Bürkle zu erwirken.
Kontakte zum Widerstandskreis um den Schriftsteller und Journalisten Rudolf Pechel
1944
Notdienstverpflichtet in der Stadtverwaltung Stuttgart tätig
1945
Oberbürgermeister Stuttgarts, ab 23. April 1945 von der französischen Militärregierung ernannt, am 8. Oktober 1945 durch die amerikanische Militärregierung bestätigt, 1946 vom Gemeinderat, 1948 von der Bevölkerung gewählt
1948
Gründungsmitglied und Vizepräsident Internationale Bürgermeisterunion
1953
Vorsitz des Zweckverbands Bodensee-Wasserversorgung
1954
Präsident des Landesverbands des Deutschen Roten Kreuzes Baden-Württemberg
1963
Präsident des Deutschen Städtetags
1966
Präsident des Verbands Kommunaler Unternehmen
Rezeption
1958
Ritterkreuz der Französischen Ehrenlegion
1959
Großes Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
1961
Ehrenbürger von Kansas City (USA)
1962
Komturkreuz der Französischen Ehrenlegion
1963
Ehrensenator der Technische Hochschule Stuttgart
1964
Ehrenbürger von Baton Rouge (USA)
1964
Ehrenmitglied der Mark-Twain-Gesellschaft (USA)
1967
Ehrensenator der Universität Stuttgart-Hohenheim
1973
Willy-Reichert-Plakette
1976
Namenspatron des Arnulf-Klett-Platzes in Stuttgart
Literatur
Nachrichtenamt der Stadt Stuttgart (Hrsg.): Arnulf Klett 1905-1974. Oberbürgermeister der Stadt Stuttgart 1945-1974, Stuttgart 1974.
Trauer um Oberbürgermeister Dr. Arnulf Klett, in: Deutscher Städtetag: Der Städtetag, 27, 1974, S. 478-479.
Wolfgang von Gropper: Nachruf auf Oberbürgermeister Arnulf Klett, in: Baden-Württemberg, 21, 1974, S. 265.
Arnulf Klett. Sein Wirken für Stuttgart, Baden-Württemberg und Europa, in: Stuttgarter Leben, 49, 1974, 5, S. 10-13.
Kurt Leipner: Arnulf Klett, in: Neue Deutsche Biographie, 12, 1979, S. 52-53.
Paul Sauer: Arnulf Klett, in: Baden-Württembergische Biographien, 1, 1994, S. 186-189.
Peer-Uli Faerber: Arnulf Klett, in: Große Stuttgarter. Gestalten aus fünf Jahrhunderten, hrsg. von Erwin Teufel, Stuttgart 1996, S. 299-307.
Paul Sauer: Arnulf Klett. Ein Leben für Stuttgart, Gerlingen 2001.
Weik 2003, S. 81.
Dokumente
Schreiben der Württembergischen Politischen Polizei
Die Politischen Polizei informierte am 25. Januar 1934 das württembergische Staatsministerium, dass Klett verhaftet worden war, weil er eine Denkschrift gegen die nationalsozialistische Gleichschaltung der Presse verfasst und an Behörden und Privatpersonen verschickt hatte.