Berthold (Baruch) Heymann

Parlament

1919
Verfassunggebende Landesversammlung des freien Volksstaates Württemberg (SPD, Landesliste)

1920
Landtag des freien Volksstaates Württemberg (SPD, Landesliste)

Partei vor 1933 Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)

nach 1945 -
Geburt 25.07.1870, Posen (Pozna?)
Ehe Anna geb. Auer (1900)
Beruf Kaufmann, Journalist, Landesminister
Kinder 3
Konfession Jüdisch, später konfessionslos
Verstorben 06.09.1939, Zürich

Verfolgung

Anfang 1933
Wilhelm Keil, der SPD-Fraktionsvorsitzende im württembergischen Landtag, bittet Heymann Anfang 1933 um eine erneute Kandidatur als Landtagsabgeordneter. Heymann erklärt sich dazu bereit, obwohl er als Jude gilt und deshalb massiven nationalsozialistischen Anfeindungen ausgesetzt ist. Der Landtagspräsident Jonathan Schmid gibt jedoch zu verstehen, dass Heymann im neuen Landtag nicht mehr geduldet wird. Heymann verzichtet daraufhin auf eine Kandidatur.

April 1933
Heymann wird von der Gestapo bedroht und flieht im April 1933 mit seiner Ehefrau Anna in die Schweiz. In Zürich betreibt er bis zu seinem Tod eine kleine Pension, die zur Anlaufstelle für zahlreiche verfolgte Politiker und Emigranten aus Deutschland wird.

1939
Heymanns Tochter, Charlotte Arnstein (geb. 1907), flieht mit ihren Kindern in die USA zu ihrem bereits zuvor ausgewanderten Ehemann Richard Arnstein.

Biografie

Volksschule in Posen

Gymnasium in Posen und Berlin

1888
Kaufmännische Lehre in Berlin und Tätigkeit als Handlungsgehilfe

ab 1895
In Berlin Redakteur bei den Zeitschriften »Sozialistischer Akademiker« und »Sozialistische Monatshefte«

1897
In Braunschweig Redakteur der SPD-Zeitung »Volksfreund«

1901
Redakteur der satirischen SPD-Wochenschrift »Der Wahre Jacob«

1904
Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Stuttgart

1906
Mitglied der württembergischen Landstände

1907
Mitglied des Stuttgarter Bezirksrats

09.11.1918
Württembergischer Kultminister

01.11.1919
Württembergischer Innenminister

Februar 1920
Kurzzeitig Stellvertreter des erkrankten württembergischen Arbeitsministers Theodor Leipart

1926
Redakteur der Zeitung »Sonntagspost«

ab 1933
Betreiber einer kleinen Pension in Zürich

Literatur

Ernest Hamburger: Juden im öffentlichen Leben Deutschlands. Regierungsmitglieder, Beamte und Parlamentarier in der monarchischen Zeit 1848-1918, Tübingen 1968, S. 538-539.

Siegfried Bassler (Hrsg.): Mit uns für die Freiheit. 100 Jahre SPD in Stuttgart, Stuttgart 1987, S. 49, 70, 81, 88, 96, 202.

Konrad Ege: Karikatur und Bildsatire im Deutschen Reich. »Der Wahre Jakob«. Hamburg 1879/80. Stuttgart 1884-1914, Münster 1992, S. 119-121.

Schumacher 1995, S. 66-67.

Schröder 1995, S. 128.

Frank Raberg: Ein vergessener württembergischer Minister. Berthold Heymann war ein bedeutender Vertreter der SPD im Landtag, in: Beiträge zur Landeskunde, 3, 1996, S. 14-18.

Mittag 1997, S. 168.

Frank Raberg: Bertold Heymann, in: Württembergische Biographien, 1, 2006, S. 108-112.