Dr. Edmund Kaufmann

Verfolgung
05.05.1933
Kaufmann ist Bürgermeister der Stadt Singen (Hohentwiel). Am 5. Mai 1933 wird er aus politischen Gründen entlassen. Die rechtliche Grundlage dafür bietet das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums. Kaufmanns Ruhegeld wird von der Stadt Singen zeitweise nicht ausgezahlt.
Juni 1933
Die Stadt Singen stellt im Juni 1933 Strafanzeige gegen Kaufmann wegen angeblicher Anstiftung zur Untreue im Bürgermeisteramt. Das Untersuchungsverfahren wird am 24. Oktober 1933 vom Landgericht Konstanz ergebnislos eingestellt.
Dezember 1933
Im Dezember 1933 leiten die NS-Behörden ein Dienststrafverfahren gegen Kaufmann ein, das vermutlich im Januar 1936 endgültig niedergeschlagen wird.
Biografie
Sohn eines Postverwalters
1899
Volksschule
1903
Gymnasium in Wertheim
1912
Studium der Astronomie in Heidelberg
1914
Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg als Flieger
1918
Studium der Volkswirtschaft an der Handelshochschule Mannheim
1919
Promotion in Heidelberg
1923
Bürgermeister der Stadt Singen (Hohentwiel)
1933
Arbeitslos und Gelegenheitsarbeiten
1935
Buchhändler in Mainz
1936
Kaufmann verfasst und verschickt unter dem Pseudonym »Michael Teutonicus« mehrere Briefe, in denen er die NS-Kirchenpolitik anprangert, darunter ein Brief an Joseph Goebbels vom 28. Mai 1937. Die Briefe werden unter anderem von der ausländischen Presse zitiert.
März 1941
Kriegsdienst im Zweiten Weltkrieg bei der Luftwaffe
Mitbegründer der CDU in Rheinland-Pfalz
1946
Oberregierungsrat in Mainz
März 1946
Landesdirektor für Wirtschaft, Ernährung und Verkehr in Karlsruhe
Juni 1946
Ministerialdirektor im württemberg-badischen Wirtschaftsministerium in Stuttgart
August 1947
Hauptreferent für Wirtschaft und stellvertretender Generalsekretär des Exekutivrats des Vereinigten Wirtschaftsgebiets
April 1948
Stellvertretender Direktor der Verwaltung für Wirtschaft des Vereinigten Wirtschaftsgebiets
Februar 1949
Finanzminister des Landes Württemberg-Baden
Januar 1951
Präsident des Landesbezirks Baden
1951
Präsident des Badischen Sparkassen- und Giroverbandes
1952
Übertritt zur DVP
April 1952
Als Staatssekretär Mitglied der Regierung Reinhold Maier
Rezeption
1949
Ehrenbürger der Stadt Boxberg
Literatur
Paul Kopf: Edmund Kaufmann und der Brief des »Michael Teutonicus« von 1937 an Goebbels, in: Zeitschrift für württembergische Landesgeschichte, 56, 1997, S. 357-373.
Paul Feuchte: Edmund Kaufmann, in: Baden-Württembergische Biographien, 2, 1999, S. 251-254.
Weik 2003, S. 73.
Dieter Thoma: Dr. Edmund Kaufmann. Boxberger Ehrenbürger in der 1. Landesregierung von Baden-Württemberg, in: Mein Boxberg, 46, 2012, S. 68-69.
Dieter Thoma: Ein guter Freund der Stadt Boxberg. Mit Dr. Edmund Kaufmann gehörte ein Boxberger Ehrenbürger der ersten Landesregierung von Baden-Württemberg an, in: Unser Land. Heimatkalender für Neckartal, Odenwald, Bauland und Kraichgau, 2013, S. 247-248.