Ernst Gäßler

Parlament

1921
Landtag der Republik Baden (KPD, Landesliste)

Partei vor 1933 Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)
Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD)
Kommunistische Partei Deutschlands (KPD)

nach 1945 -
Geburt 12.12.1889, Geisingen
Ehe Genovefa geb. Mink (1919)
Beruf Landwirt, Fabrikarbeiter, Straßenbauarbeiter
Kinder 4
Konfession Konfessionslos
Verstorben 31.03.1945, Debrezin (Debrecen)

Verfolgung

04.03.1933
Gäßler wird am 4. März 1933 von der Gestapo verhaftet und in Donaueschingen in »Schutzhaft« genommen. Am 9. März 1933 wird er aus der Haft entlassen.

09.11.1933
Gäßler wird am 9. November 1933 erneut in »Schutzhaft« genommen und bis zum 29. Dezember 1933 in Donaueschingen und Waldshut inhaftiert.

06.12.1939
Gäßler wird am 6. Dezember 1939 in Blumberg verhaftet und ins Gefängnis Konstanz gebracht. Am 12. Juni 1940 wird er in das Konzentrationslager Dachau (Häftlingsnummer 13724) überstellt. Am 15. Oktober 1944 ruft das illegale Lagerkomitee in Dachau die Häftlinge dazu auf, sich »freiwillig« zum Dienst in der Wehrmacht zu melden, um dann auf die alliierte Seite zu wechseln. Gäßler und andere Häftlinge folgen der Aufforderung. Am 8. November 1944 wird Gäßler zur SS-Division Dirlewanger einberufen und am 10. November 1944 an die Front transportiert. Mitte Dezember 1944 läuft Gäßler im slowakisch-ungarischen Grenzgebiet zur Roten Armee über. Er wird in Kriegsgefangenschaft genommen und stirbt im April 1945 in einem sowjetischen Gefangenenlager in Debrezin in Ungarn.

Biografie

Volksschule in Kirchen-Hausen

1909
Militärdienst in Jüterborg, dort Ausbildung zum Artilleristen

Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg

Übernahme des landwirtschaftlichen Betriebs der Eltern in Kirchen-Hausen

1919
Studienreise in die Sowjetunion

ab 1922
Mitglied des Gemeinderates in Kirchen-Hausen

10.10.1923
Delegierter beim 1. Internationalen Bauernkongress in Moskau

ab 1925
Nebenverdienst bei Straßenbauarbeiten

1930
Erfolglose Kandidatur für den Reichstag

ab 1930
Leiter eines kommunistisch orientierten Bauernbunds und Publikationen im »Badischen Bauern-Anzeiger« (Zeitschrift des Bauernbunds)

ab 1936
Gäßler unterhält Kontakte zu einer kommunistischen Widerstandsgruppe um Franz Greis in Konstanz und Umgebung.

ab 1936
Nebenverdienst als Fabrikarbeiter bei der Firma Doggererz-Bergbau in Blumberg

Rezeption

1989
Gedenkstein auf dem Kirchhof in Kirchen-Hausen

Literatur

Rapp 1929, S. 15.

Hans-Peter Klausch: Antifaschisten in SS-Uniform. Schicksal und Widerstand der deutschen politischen KZ-Häftlinge, Zuchthaus- und Wehrmachtsgefangenen in der SS-Sonderformation Dirlewanger, Bremen 1993, S. 340.

Schumacher 1995, S. 45.

Weik 2003, S. 293.

Weber Herbst 2008, S. 282.

Dokumente

Brief von Ernst Gäßler

Am 2. Juli 1944 schrieb Gäßler aus dem Konzentrationslager Dachau einen Brief an seine Familie. Er äußert sich darin vor allem zu den Arbeiten, die auf dem Bauernhof der Familie anstanden. Die Schwärzungen auf der zweiten Seite des Briefes stammen vermutlich von der Postzensur des Konzentrationslagers. Mutmaßlich ging es dort um Gäßlers Sohn, der Kriegsdienst leistete.