Ernst Paul

Parlament

1949
Deutscher Bundestag (SPD, Landesliste)

Partei vor 1933 Deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik (DSAP)

nach 1945 Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)
Geburt 27.04.1897, Steinsdorf (Altmannstein)
Ehe Gisela geb. Hübner (1922)
Beruf Schriftsetzer, Redakteur, Parteifunktionär
Kinder Kinderlos
Konfession Römisch-katholisch, ab 1921 konfessionslos
Verstorben 11.06.1978, Esslingen am Neckar

Verfolgung

März 1939
Paul ist in Prag Sekretär der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (DSAP). Nach der Besetzung des Sudetenlands durch Deutschland im Oktober 1938 bemüht sich Paul, Visa für verfolgte Sozialdemokraten zu beschaffen. Zu diesem Zweck reist er am 5. März 1939 in die Niederlande sowie nach Belgien und Schweden. Pauls Rückreise nach Prag ist für den 15. März 1939 geplant. Nach der deutschen Besetzung der restlichen Tschechoslowakei droht ihm in Prag jedoch die Verhaftung, sodass Paul nicht zurückkehrt, sondern nach Schweden ins Exil geht. Seine Frau ist bereits im November 1938 dorthin emigriert. Möbel und Bücher, die Paul nach Schweden schicken lassen wollte, werden bei der beauftragten Speditionsfirma von der Gestapo beschlagnahmt. In Schweden arbeitet Paul für die Exil-DSAP (Treuegemeinschaft sudetendeutscher Sozialdemokraten), unter anderem gibt er deren Zeitung »Sudeten-Freiheit« heraus.

Biografie

1903
Volksschule in Riegersdorf

1908
Bürgerschule in Eulau

1911
Lehre als Schriftsetzer in Bodenbach

1912
Mitglied und Funktionär im Verband jugendlicher Arbeiter Österreichs

1913
Eintritt in die DSAP

1915
Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg in der österreichisch-ungarischen Armee

1919
Erhalt der tschechoslowakischen Staatsangehörigkeit

Mitgründer des Verbands der Sozialdemokratischen Arbeiterjugend

1920
Übersiedelung nach Teplitz-Schönau

1920
Obmann der Sozialistischen Jugend

Mitgründer der Sozialistischen Jugend-Internationale

1924
Übersiedelung nach Prag, dort Leiter der Bildungszentrale der DSAP

1924
Sekretär der DSAP in Prag

1925
Redakteur der Zeitung »Der Sozialdemokrat« in Prag

1928
Vorsitzender der Republikanischen Bürgerwehr der DSAP (Schutztruppe gegen Übergriffe der tschechischen Staatsorgane und der NS-Anhänger)

ab 1930
Mitglied im Parteivorstand der DSAP

1937
Mitglied der Exekutive der Sozialistischen Arbeiterinternationale

Leiter des DSAP-Emigrationsbüros

September 1941
Aufenthalt in London, dort Verhandlungen mit Edvard Beneš, dem Präsidenten der Tschechoslowakischen Exilregierung, über die Zukunft der Sudetendeutschen

1942
Mitgründer und Vorsitzender der Internationalen Gruppe Demokratischer Sozialisten (sogenannte Kleine Internationale)

1943
Ausbürgerung aus der Tschecheslowakei wegen seiner Ablehnung der tschechoslowakischen Aussiedlungspolitik

1945
Mitbegründer des Hilfskomitees für sudetendeutsche Flüchtlinge

1946
Erhalt der schwedischen Staatsangehörigkeit

1947
Mitglied der schwedischen Mission in Wien zur Aussiedelung von Sudetendeutschen nach Schweden

1948
Erhalt der deutschen Staatsangehörigkeit

Übersiedelung nach Esslingen

Eintritt in die SPD

1949
Chefredakteur der »Allgemeinen Zeitung« Mannheim/Stuttgart

1950
Mitglied der Beratenden Versammlung des Europarates

1950
Mitglied der Seliger-Gemeinde, später deren Bundesvorsitzender und Vorsitzender des Seliger-Archivs in Stuttgart

1952
Mitgründer des Sudetendeutschen Rates

1960
Mitglied des Kreistags in Esslingen

Rezeption

1969
Großes Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland

Namenspatron der Ernst-und-Gisela-Paul-Stiftung (Forschung zur sudetendeutschen Arbeiterbewegung)

Literatur

Röder 1980, S. 551.

Adolf Hasenöhrl: Kampf, Widerstand, Verfolgung der sudetendeutschen Sozialdemokraten. Dokumentation der deutschen Sozialdemokraten aus der Tschechoslowakei im Kampf gegen Henlein und Hitler, Stuttgart 1983, S. 39, 42-47, 271-272, 329-330.

Olga Sippl: Ein Sohn des Volkes. Ernst Paul zum 100. Geburtstag. Ein Lebensbild nach archivarischen Unterlagen, München 1997.

Schumacher 2000, S. 309.

Horst Ferdinand: Ernst Paul, in: Neue Deutsche Biographie, 20, 2001, S. 113-114.

Horst Ferdinand: Ernst Paul, in: Baden-Württembergische Biographien, 3, 2002, S. 295-298.