Erwin Eckert

Parlament

1946
Beratende Landesversammlung Baden (KPD)

1947
Landtag Baden (KPD, Landesliste)

1952
Verfassunggebende Landesversammlung Baden-Württemberg (KPD, Landesliste)

1953
Landtag Baden-Württemberg (KPD, Landesliste)

Partei vor 1933 Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)
Kommunistische Partei Deutschlands (KPD)

nach 1945 Kommunistische Partei Deutschlands (KPD)
Deutsche Kommunistische Partei (DKP)
Geburt 16.06.1893, Zaisenhausen
Ehe Elisabeth geb. Setzer (1920)
Beruf Pfarrer, Buchhändler, Redakteur
Kinder 1
Konfession Evangelisch
Verstorben 20.12.1972, Mannheim

Verfolgung

01.03.1933
Eckert wird am 1. März 1933 in Düsseldorf in »Schutzhaft« genommen und im Gefängnis Düsseldorf-Derendorf inhaftiert. Am 17. Oktober 1933 wird er aus der Haft entlassen.

13.06.1936
Eckert wird am 13. Juni 1936 in Frankfurt am Main in Untersuchungshaft genommen. Am 9. Oktober 1936 wird er vom Oberlandesgericht Kassel wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu drei Jahren und acht Monaten Zuchthaus verurteilt. Zur Last gelegt werden ihm die Redaktion und Verteilung von illegalen Flugblättern, die illegale Tätigkeit für die KPD und die Unterstützung flüchtiger kommunistischer Funktionäre. Zunächst wird Eckert im Zuchthaus Freiendiez an der Lahn inhaftiert. Ab 11. Dezember 1939 befindet er sich im Gefängnis Hohenasperg. Am 9. März 1940 wird Eckert wegen Krankheit vorzeitig aus der Haft entlassen und in Frankfurt am Main unter Polizeiaufsicht gestellt.

nach März 1940
Nach seiner Haftentlassung am 9. März 1940 ist Eckert zunächst arbeitslos. Der Präsident der Reichsschriftumskammer verbietet es Eckert wegen »politischer Unzuverlässigkeit«, seiner Vorstrafen und seines Ehrverlusts, erneut in der Buchhandlung seiner Frau mitzuarbeiten.

Dezember 1942
Eckert ist ab 18. Dezember 1941 bei der Firma Preveg in Frankfurt am Main tätig - zunächst als kaufmännischer Angestellter, ab 1. September 1942 als Prokurist. Im Dezember 1942 fordert die Frankfurter NSDAP-Kreisleitung die Firma Preveg auf, Eckert zu entlassen. Das Unternehmen weigert sich jedoch.

Januar 1945
Im Februar 1944 übersiedelt Eckert nach Oberwihl, da sein Arbeitgeber, die Frankfurter Firma Preveg, dorthin verlagert wird. Im Januar 1945 fordert die Gestapo Waldshut die Firma Preveg auf, Eckert zu entlassen. Erneut verweigert das Unternehmen jedoch eine Entlassung.

Biografie

1903
Gymnasium in Mannheim

1911
Eintritt in die SPD

1911
Studium der Philosophie und der evangelischen Theologie an den Universitäten Heidelberg, Göttingen und Basel

1914
Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg

1919
Stadtvikar in Pforzheim

1922
Pfarrer in Meersburg

1926
Mitbegründer und Leiter des Bunds der Religiösen Sozialisten Deutschlands (BRSD)

1927
Stadtpfarrer in Mannheim

Mitglied der badischen Landessynode und Abgeordneter des deutschen evangelischen Kirchentags

Herausgeber und Redakteur der Wochenzeitung »Der religiöse Sozialist«, außerdem Mitherausgeber und Mitarbeiter der Monatszeitschrift »Religion und Sozialismus«

1931
Austritt aus der SPD, Eintritt in die KPD

1931
Redakteur im Verlag der »Roten Fahne« in Berlin

10.12.1931
Entlassung aus dem Kirchendienst wegen des Beitritts zur KPD

1932
Redakteur bei der sozialistischen Zeitschrift »Freiheit« in Düsseldorf

ab 1934
Mitarbeit in der seiner Frau gehörenden Buchhandlung in Frankfurt

1940
Nach seiner Haftentlassung zunächst arbeitslos, ab Dezember 1941 kaufmännischer Angestellter und Prokurist in Frankfurt am Main, ab Februar 1944 in Oberwihl

November 1945
Gründung des Verlags »Die Neue Demokratie« in Baden-Baden

ab 1946
Kreisrat in Freiburg

April 1946
Staatsrat für besondere Aufgaben

Dezember 1946
Staatskommissar für den Wiederaufbau

Vorsitzender der Kommunistischen Partei Südbadens

1949
Erfolglose Kandidatur für das Amt des Oberbürgermeisters in Mannheim

1950
Vizepräsident des Weltfriedensrats

1960
Das Düsseldorfer Landgericht verurteilt Eckert zu einer Gefängnisstrafe von neun Monaten. Grund ist seine Betätigung im Friedenskomitee der Bundesrepublik Deutschland, das sich gegen die Wiederbewaffnung der BRD richtet und daher als verfassungsfeindliche Organisation gilt.

1968
Eintritt in die Deutsche Kommunistische Partei (DKP)

Literatur

Friedrich-Martin Balzer: Klassengegensätze in der Kirche. Erwin Eckert und der Bund der Religiösen Sozialisten, Bonn 1993.

Mannheimer Gesprächskreis Geschichte und Politik e. V. (Hrsg.): Erwin Eckert. Pfarrer und Kommunist. Zeitzeugen erinnern sich, Mannheim 1993.

Friedrich-Martin Balzer, Karl Ulrich Schnell: Der Fall Erwin Eckert. Zum Verhältnis von Protestantismus und Faschismus am Ende der Weimarer Republik, Bonn 1993.

Frieder Kudis: Erwin Eckert. Ein christlicher Revolutionär aus Zaisenhausen, in: Jahrbuch Landkreis Karlsruhe, 4, 1994, S. 277-278.

Friedrich-Martin Balzer: Erwin Eckert. Eine große Symbolfigur der Friedensbewegung, in: Berliner Dialog-Hefte, 6, 1995, 1, S. 43-46.

Friedrich-Martin Balzer, Manfred Weißbecker: Erwin Eckert. Badischer Pfarrer und revolutionärer Sozialist 1893-1972, in: Lebensbilder aus Baden-Württemberg, 19, 1998, S. 523-549.

Weik 2003, S. 39.

Hartmut Hensgen: Erwin Eckert. »Dem Ganzen dienen, sich selbst treu bleiben«, in: Kraichgau, 24, 2015, S. 221-243.