Eugen Haller

Verfolgung
Juni 1933
Haller ist Uhrmacher bei der Firma Müller-Schlenker in Schwenningen. Im Juni 1933 wird er aus politischen Gründen entlassen. In der Folge ist er - abgesehen von einigen kurzen Unterbrechungen - bis zu einer Verhaftung 1938 arbeitslos. Ab August 1936 erhält er keine Arbeitslosenunterstützung mehr.
31.05.1938
Haller ist illegal für die SPD tätig. Am 31. Mai 1938 wird er deshalb mit weiteren Gesinnungsgenossen verhaftet. Haller wird in das Untersuchungsgefängnis Stuttgart gebracht und am 18. Februar 1939 vom Sondergericht Stuttgart wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Haller verbüßt die Strafe im Gefängnis in Rottweil, im Zuchthaus Ludwigsburg und ab März 1940 für drei Monate im Strafgefangenenlager II Aschendorfermoor. Nach Verbüßung seiner Haftstrafe wird Haller nicht freigelassen, sondern am 18. Dezember 1940 von der Gestapo in »Schutzhaft« genommen und in das Konzentrationslager Welzheim überstellt. Dort wird er am 8. November 1941 aus der Haft entlassen.
22.08.1944
Haller wird am 22. August 1944 im Rahmen der »Aktion Gewitter« verhaftet und im Amtsgerichtsgefängnis Horb inhaftiert. Im April 1945 soll Haller an die Gestapo Oberndorf überstellt werden. Dies ist jedoch aufgrund des Vorrückens französischer Truppen nicht mehr möglich. Die Gestapo Oberndorf erteilt deshalb telefonisch den Befehl, Haller zu exekutieren. Die Besetzung Horbs durch französische Truppen verhindert jedoch die Ausführung des Befehls. Haller wird am 17. April 1945 aus der Haft befreit.
Biografie
Sohn eines Maschinenschlossers
Volksschule in Rottweil
Lehre als Uhrmacher bei der Firma Mauthe in Schwenningen
Wanderschaft in Hessen, Westfalen und Frankreich
Tätigkeit als Uhrmacher in Schwenningen
vor 1913
Eintritt in die SPD
1917
Eintritt in die USPD
1920
Eintritt in die KPD
1923
Parteisekretär der KPD
ab 1924
Organisatorisch tätig für die Rote Hilfe in Württemberg
1925
Haller wird wegen eines illegalen Maschinengewehrtransports von Freudenstadt nach Schwenningen vom Staatsgerichtshof in Leipzig zu zwei Jahren Haft verurteilt. Aufgrund seiner Abgeordnetenimmunität muss er die Strafe jedoch nicht antreten.
1926
Ausschluss aus der KPD
1928
Wiedereintritt in die SPD
1933
Mitglied des Gemeinderats in Schwenningen
1933
Arbeitslos
November 1941
Tätigkeit bei der Firma Johann Jauch in Schwenningen
Juni 1943
Dienstverpflichtet bei der Firma Hanhart in Schwenningen
nach 1945
Verschiedene Funktionen im SPD-Ortsverband Schwenningen
Literatur
Ekkehard Hausen, Hartmut Danneck: »Antifaschist, verzage nicht ...!« Widerstand und Verfolgung in Schwenningen und Villingen 1933-1945, Villingen-Schwenningen 1990, S. 43-48.
Schumacher 1995, S. 56.
Raberg 2001, S. 315-316.
Weik 2003, S. 312.
Weber Herbst 2008, S. 342.
Dokumente
Personalbogen aus dem Zuchthaus Ludwigsburg
Hallers Personalbogen aus dem Zuchthaus Ludwigsburg schilderte 1939 seinen körperlichen Zustand und sein Verhalten während der Haft.
Anzeige des Zuchthauses Ludwigsburg über die Entlassung Eugen Hallers
Am 10. Oktober 1940 meldete das Zuchthaus Ludwigsburg der Gestapo Stuttgart die bevorstehende Haftentlassung Hallers. Aufgrund der Tatsache, dass dieser als Häftling Kontakt zu kommunistischen Gefangen gesucht hatte, empfahl das Zuchthaus, Haller nach der Haft weiterhin zu beobachten.