Dr. jur. Florian Waldeck

Verfolgung
April 1933
Waldeck ist Vorsitzender des Altertumsvereins Mannheim. Um Schaden von dem Verein abzuwenden, legt er im April 1933 den Vorsitz nieder. Kurze Zeit später wird er wegen seiner jüdischen Abstammung aus dem Verein ausgeschlossen.
Mai 1933
Waldeck gilt bei den NS-Behörden aufgrund seiner jüdischen Abstammung als »Halbjude«. Ab 7. April 1933 droht ihm deshalb das Berufsverbot als Rechtsanwalt. Der badische Landtagspräsident Herbert Kraft (NSDAP) interveniert jedoch am 18. Mai 1933 in einem Brief beim badischen Reichsstatthalter Robert Wagner zugunsten Waldecks und verhindert so dessen bevorstehendes Berufsverbot.
November 1938
Die NS-Behörden entziehen Waldeck im November 1938 die Zulassung als Rechtsanwalt.
Februar 1939
Waldeck emigriert im Februar 1939 nach Zahlung der Judenvermögensabgabe und der Reichsfluchtsteuer nach Belgien. Seine Ehefrau Berta (geb. Mackle) bleibt zunächst in Mannheim und folgt ihm wenige Tage nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. In Brüssel versucht das Ehepaar Waldeck, seinen Lebensunterhalt mit Sprachunterricht zu verdienen.
Mai 1940
Nach Beginn des deutschen Westfeldzugs wird Waldeck Anfang Mai 1940 von den belgischen Behörden als deutscher Staatsbürger verhaftet und in Südfrankreich im Lager St. Cyprien inhaftiert. Im Oktober 1940 wird Waldeck in das Lager Gurs verlegt. Ende Dezember 1940 wird er aus der Internierung entlassen und kehrt nach Belgien zurück.
1942
Waldecks Mutter und seine Schwester nehmen sich 1942 angesichts der drohenden Deportation durch die NS-Behörden das Leben.
Mai 1942
Waldeck wird im Mai 1942 erneut von den belgischen Behörden verhaftet und für einige Wochen in St. Gilles bei Brüssel inhaftiert. Nach seiner Entlassung muss er sich wöchentlich bei der Gestapo melden.
November 1943
Um einer weiteren Verhaftung zu entgehen, taucht Waldeck mit seiner Ehefrau im November 1943 in Belgien unter und lebt bis zur Befreiung Belgiens im August 1944 versteckt bei verschiedenen Bekannten.
Herbst 1944
Waldecks jüngerer Bruder Hans wird im Herbst 1944 nach Auschwitz deportiert und gilt seitdem als verschollen.
Biografie
Sohn eines Bankprokuristen und Vorsitzenden des Altertumsvereins Mannheim
1892
Institut Schwarz in Mannheim
1895
Großherzogliches Gymnasium Mannheim
1905
Studium der Rechtswissenschaften an den Universitäten München, Freiburg im Breisgau und Heidelberg
1910
Erstes juristisches Staatsexamen
nach 1910
Rechtspraktikant in Heidelberg und im Bezirksamt Donaueschingen
1912
Promotion über das Thema »Die Exemtionen der Landesherren und der Mitglieder der Landesherrlichen Familien im Zivilprozeß«
1914
Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg, eingesetzt in Belgien bei einer Militär-Polizeistelle
1916
Konversion zum Protestantismus
1919
Zweites juristisches Staatsexamen
1919
Rechtsanwalt in Mannheim, zunächst in der Anwaltskanzlei seines Onkels Isidor Rosenfeld, dann in einer eigenen Kanzlei
ab 1920
Vorstandsmitglied im Altertumsverein Mannheim, ab 1930 Vorsitzender, zudem Mitherausgeber und Mitverfasser der Reihe »Alte Mannheimer Familien«
1925
Stadtverordneter im Bürgerausschuss Mannheim
1932
Vorsitzender des Ortvereins der DVP in Mannheim
Februar 1939
Emigration nach Belgien
nach 1945
Rückkehr nach Mannheim
1945
Rechtsanwalt in Heidelberg
ab 1947
Vorsitzender des Anwaltsvereins Mannheim, ab 1959 Ehrenvorsitzender
1948
Mitglied des Gemeinderats in Mannheim
1948
Präsident der nordbadener Rechtsanwaltskammer
ab 1949
Rechtsanwalt in Mannheim
ab 1949
Erneut Vorsitzender des Altertumsvereins Mannheim
1950
Interimsvorsitzender des Gremiums der Intendanten des Nationaltheaters Mannheim
1952
Nachlassverwalter des Unternehmers Carl Reiß und seiner Schwester, der Kammersängerin und Mäzenin Anna Reiß
1954
Vizepräsident des Deutschen Anwaltsvereins
1959
Präsident der Bundesrechtsanwaltskammer
Rezeption
1954
Ehrenbürger der Stadt Mannheim
Ehrensenator der Wirtschaftshochschule Mannheim
Schillerplakette der Stadt Mannheim
1955
Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
Namenspatron des Sitzungssaals des Gemeinderats im Mannheimer Zeughaus
Ehrengrab auf dem Mannheimer Hauptfriedhof
Literatur
Brach 1984, S. 127-128.
Karl Otto Watzinger: Geschichte der Juden in Mannheim 1650-1945, Stuttgart 1984, S. 142-144.
Karl Otto Watzinger: Florian Waldeck, in: Badische Biographien, 3, 1990, S. 281.
Schumacher 1995, S. 169.
Christoph Popp: Florian Waldeck, in: Die höchste Auszeichnung der Stadt. 42 Mannheimer Ehrenbürger im Portrait, hrsg. von Ulrich Nieß, Mannheim 2002, S. 123-126.
Weik 2003, S. 303.
Sebastian Parzer: Florian Waldeck. Mannheimer Ehrenbürger und Träger der Schillerplakette, in: Mannheimer Geschichtsblätter, 18, 2009, S. 45-54.
Alina Grassl: Florian Waldeck, in: Jüdische Schüler des Vereinigten Großherzoglichen Lyceums - Karl-Friedrich-Gymnasiums Mannheim, hrsg. von Wilhelm Kreutz, Mannheim 2014, S. 167-178.