Fritz Arnold

Parlament

1946
Beratende Landesversammlung Baden (SPD)

Partei vor 1933 Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)

nach 1945 Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)
Geburt 14.11.1883, Konstanz
Ehe Emilie geb. Weishaar (1911)
Beruf Ingenieur, Bürgermeister
Kinder 4
Konfession Altkatholisch
Verstorben 17.06.1950, Konstanz

Verfolgung

Mitte März 1933
Arnold ist Zweiter Bürgermeister und Leiter der Technischen Werke in Konstanz. Mitte März 1933 wird ihm von dem NSDAP-Stadtrat Carl Gruner vorgeworfen, er habe ihn belastende Unterlagen im Kesselhaus des Konstanzer Gaswerks verbrannt. Arnold wird daraufhin in Untersuchungshaft genommen und im Amtsgefängnis in Konstanz inhaftiert. Als die Ermittlungen keine Hinweise auf die absichtliche Beseitigung von Akten ergeben, wird Arnolds Untersuchungshaft in »Schutzhaft« umgewandelt. Am 8. April 1933 wird Arnold aus der »Schutzhaft« entlassen und erhält Hausarrest.

April 1933
Arnold ist Präsident des Konstanzer Gesangsvereins Bürgerverein Bodan. Am 19. April 1933 erscheint in der Zeitung »Bodensee-Rundschau« ein gegen Arnold gerichteter Artikel mit der Überschrift »Wir fordern eine nationale Führung der vereinigten Gesangvereine Konstanz. Hinweg mit dem Bürgermarxisten Arnold!«. Am 22. April 1933 gibt Arnold dem öffentlichen Druck nach und erklärt seinen Rücktritt vom Präsidentenamt des Gesangsvereins.

Mai 1933
Arnold wird am 5. Mai 1933 aus politischen Gründen als Zweiter Bürgermeister und Leiter der Technischen Werke Konstanz beurlaubt. Am 17. Mai 1933 übt der neue NSDAP-Bürgermeister Albert Herrmann Druck auf Arnold aus und fordert ihn auf, zurückzutreten. Am 26. Mai 1933 wird Arnold vorläufig des Amts enthoben, auf Betreiben des Bürgermeisters Herrmann wird ihm das Ruhegehalt vorenthalten. Arnold macht daraufhin seinen Anspruch auf Ruhegehalt vor dem Landgericht Konstanz geltend. Der Prozess endet am 13. Juli 1933 mit einem Vergleich, bei dem Arnold ein monatliches Ruhegehalt von 335 Reichsmark zugebilligt wird.

September 1933
Im September 1933 wird Arnold nachträglich aus dem Beamtenverhältnis entlassen. Grundlage dafür bildet das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums. Trotz der nachträglichen Entlassung erhält Arnold jedoch weiterhin sein durch den gerichtlichen Vergleich bestätigtes Ruhegehalt.

Biografie

1902
Abitur an der Oberrealschule Konstanz

Studium des Ingenieurswesens, Abschluss als Diplomingenieur

1914
Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg als Offizier bei den bayerischen Pionieren

Juni 1919
Zweiter Bürgermeister der Stadt Konstanz und Leiter der Technischen Werke Konstanz

1933
Inhaber eines Ingenieurbüros

1940
Kriegsdienst im Zweiten Weltkrieg als Offizier bei den Pionieren

April 1945
Französische Kriegsgefangenschaft

ab 1946
Kommissarischer Oberbürgermeister der Stadt Konstanz

September 1946
Zweiter Bürgermeister der Stadt Konstanz

1948
Erster Bürgermeister der Stadt Konstanz

Rezeption

Arnold setzt sich Ende der 1920er-Jahre für den Aufbau eines städtischen Busnetzes in Konstanz ein. Die Busse wird im Volksmund daher »Roter Arnold« genannt.

Namenspatron der Fritz-Arnold-Straße in Konstanz

1963
Namenspatron der Bodensee-Autofähre »Fritz Arnold«

Namenspatron des Mitgliedermagazins »Roter Arnold« des SPD-Ortsvereins Konstanz

Literatur

Nachruf Fritz Arnold, in: Südkurier Konstanz, Nr. 73, 20. Juni 1950, S. 5.

Helmut Maurer: Fritz Arnold, in: Badische Biographien, 1, 1982, S. 19-20.

Franz Fehrenbacher: Stadtgeschichtliches. Ehrenbürger, Ortsvorsteher, Abgeordnete, Schramberg 1989, S. 125-130.

Tobias Engelsing: Der Rote Arnold. Eine Lebensgeschichte 1883-1950, Konstanz 1996.

Weik 2003, S. 15.

Jürgen Klöckler: Selbstbehauptung durch Selbstgleichschaltung. Die Konstanzer Stadtverwaltung im Nationalsozialismus, Ostfildern 2012, S. 121-123, 375-377.