Fritz (Julius) Elsas

Verfolgung
1933
Elsas ist Zweiter Bürgermeister von Berlin. Im Frühjahr 1933 wird er aus allen Ämtern entlassen. Grund dafür ist seine jüdische Abstammung. (Die Eltern von Elsas waren Juden, Elsas selbst war jedoch nach dem frühen Tod seiner Mutter im Jahr 1897 von seiner evangelischen Stiefmutter erzogen worden und als Student zu deren Glauben konvertiert.)
1937
Elsas wird 1937 in Berlin wegen angeblicher Devisenvergehen verhaftet und verbringt fünf Monate in Untersuchungshaft.
10.08.1944
Elsas wird am 10. August 1944 verhaftet und im Gefängnis in der Lehrter Straße in Berlin inhaftiert. Seine Wohnung wird durchsucht. Ende Dezember 1944 wird Elsas in das Konzentrationslager Sachsenhausen überstellt. Dort wird er zwischen dem 4. und dem 17. Januar 1945 ohne Gerichtsverfahren nach dem Morgenappell im sogenannten Industriehof erschossen.
1944
Elsas' Ehefrau Maria und die beiden gemeinsamen Töchter werden nach Elsas' Verhaftung in Sippenhaft genommen: Maria Elsas und die älteste Tochter Marianne befinden sich ab dem 4. September 1944 im Frauengefängnis Berlin-Moabit. Dort werden sie 1945 noch vor dem Eintreffen der russischen Truppen befreit. Tochter Hanne kann sich einer Verhaftung zunächst entziehen und untertauchen. Sie wird jedoch 1944 bei einer Gestapo-Vorsprache festgenommen und im Jüdischen Krankenhaus in Berlin, später im Konzentrationslager Ravensbrück inhaftiert.
Biografie
Sohn eines Kommerzienrats und Mitinhabers einer mechanischen Buntweberei in Cannstatt
Gymnasium in Cannstatt
1908
Studium der Rechts-und Staatswissenschaften in München, Berlin und Tübingen
1912
Promotion über das Thema »Ausnahmetarife im Güterverkehr der preußisch-hessischen Eisenbahngesellschaften«
1912
Ausarbeitung einer Habilitationsschrift
Oktober 1913
Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger, aufgrund von Kurzsichtigkeit nach wenigen Wochen ausgemustert
1914
Stellvertretender Syndikus der Handelskammer Stuttgart
Februar 1915
Eintritt in den Dienst der Stadt Stuttgart, dort als »Hilfsarbeiter« Leiter des Mehlhauptamts (später städtisches Lebensmittelamt), zugleich stellvertretender Leiter der städtischen Preisprüfstelle zur Überwachung des Einzelhandels
1918
Eintritt in die DDP
16.04.1919
Städtischer Rechnungsrat in Stuttgart
02.01.1925
Leiter des städtischen Personalamts in Stuttgart
01.11.1926
Vizepräsident und geschäftsführender Vorstand des Deutschen und Preußischen Städtetags in Berlin
14.04.1931
Wahl zum Zweiten Bürgermeister durch die Stadtverordnetenversammlung Berlin
1934
Tätigkeit als Wirtschafts- und Devisensachverständiger. Elsas berät und unterstützt Menschen, die aus Deutschland emigrieren müssen.
Kontakte zu der liberalen Widerstandsgruppe um Landgerichtsrat Ernst Strassmann in Berlin und den Kaufmann Hans Robinsohn in Hamburg, ferner Kontakte zu dem früheren Leipziger Oberbürgermeister Carl Friedrich Goerdeler. Für Goerdeler verfasst Elsas eine Proklamation, mit der die Öffentlichkeit nach dem geplanten Attentat vom 20. Juli 1944 auf Hitler informiert werden soll. Im Fall des Gelingens des Attentats ist Elsas außerdem als Leiter der Reichskanzlei vorgesehen.
August 1944
Nach dem gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler gewährt Elsas dem flüchtigen Widerstandskämpfer Carl Friedrich Goerdeler am 26./27. Juli 1944 in seinem Haus in Berlin für eine Nacht Zuflucht. Am 27. und am 31. Juli 1944 erfolgen vermutlich weitere Besuche Goerdelers.
Rezeption
1946
Namenspatron der Fritz-Elsas-Straße in Stuttgart
1954
Namenspatron der Fritz-Elsas-Straße in Berlin
Der FDP-Kreisverband Oberhavel erinnert alljährlich im Januar durch eine Kranzniederlegung im ehemaligen KZ Sachsenhausen an Fritz Elsas.
Literatur
Manfred Schmid: Organisator der Lebensmittelversorgung im Krieg. Erinnerungen an Fritz Elsas und seine Stuttgarter Zeit (1913-1926), in: Momente. Beiträge zur Landeskunde von Baden-Württemberg, 6, 1990, S. 6-11.
Fritz Elsas, Manfred Schmid (Hrsg.): Auf dem Stuttgarter Rathaus 1915-1922. Erinnerungen, Stuttgart 1990.
Thomas Schnabel: Fritz Elsas. 1890-1945, in: Große Stuttgarter. Gestalten aus fünf Jahrhunderten, hrsg. von Erwin Teufel, Stuttgart 1996, S. 260-265.
Jörg Thierfelder: Fritz Elsas, in: Zeugen des Widerstands. Ehemalige Studenten der Universität Tübingen, die im Kampf gegen den Nationalsozialismus starben, hrsg. von Joachim Mehlhausen, Tübingen 1998, S. 91-110.
Raberg 2001, S. 176-178.
Weik 2003, S. 310.
Angela Borgstedt: Fritz Julius Elsas, in: Württembergische Biographien, 1, 2006, S. 63-64.
Manfred Schmid: Ein Demokrat im Widerstand. In Gedenken an Fritz Elsas (1890-1945), in: Schwäbische Heimat, 66, 2015, 3, S. 295-300.
Manfred Schmid: Fritz Elsas (1890-1945). Ein Canstatter Jude im Widerstand gegen Hitler, in: Mut bewiesen. Widerstandsbiographien aus dem Südwesten, hrsg. von Angela Borgstedt, Sibylle Thelen und Reinhold Weber, Stuttgart 2017, S. 39-48.