Fritz (Louis Wilhelm) Corterier

Parlament

1953
Deutscher Bundestag (SPD, Landesliste)

Partei vor 1933 Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)

nach 1945 Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)
Geburt 19.07.1906, Wunstorf
Ehe Maria geb. John
Beruf Kaufmann, Steuerberater
Kinder 2
Konfession Evangelisch
Verstorben 27.04.1991, Karlsruhe

Verfolgung

März 1933
Corterier publiziert am 12. März 1933 in der Zeitschrift »Deutsche Republik« einen Aufsatz. Er kritisiert darin den Einfluss des Nationalsozialismus auf die deutsche Studentenschaft. In der NS-Zeitschrift »Die Bresche« wird Corterier daraufhin persönlich verunglimpft und als »Talmud-Zögling« bezeichnete.

15.11.1933
Corterier studiert an der Universität Heidelberg und an der Handelsschule Mannheim mit dem Ziel einer Promotion. Aus politischen Gründen wird ihm jedoch am 15. November 1933 das weitere Studium verweigert. Er darf auch keine andere deutsche Hochschule besuchen. Grundlage für diese Entscheidung ist ein Erlass des badischen Ministers für Kultus und Unterricht vom 18. August 1933, der die »Säuberung der Hochschulen von marxistischen und sonstigen volksfeindlichen Studenten« vorschreibt.

Biografie

1916
Scharnhorst-Realschule in Wunstorf

Erlangung der Primareife an der Lutherschule in Hannover

1923
Kaufmännische Lehre in einer Export-Import-Firma in Bremen

1927
Studium der Wirtschaftswissenschaften an den Handelshochschulen in Berlin und Mannheim sowie an den Universitäten Tours und Heidelberg

1928
Mitglied des Sozialistischen Deutschen Studentenbunds und der Vereinigung Republikanischer Studierender

1929
Eintritt in die SPD

Leitung der südwestdeutschen Sektion der Republikanischen Studentenvereinigung

1931
Stellvertretender Reichsvorsitzender der Republikanischen Studentenvereinigung

1933
Prüfung als Diplom-Kaufmann

1933
Tätigkeit als Sportberichterstatter

1934
Eröffnung eines Steuerberatungsbüros in Karlsruhe

1934
Lehrer an einer privaten Handelsschule

1939
Kriegsdienst im Zweiten Weltkrieg, unter anderem bei der Marine-Artillerie in Nordfrankreich

1945
Britische Kriegsgefangenschaft

1950
Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Karlsruhe

1958
Stellvertretendes Mitglied in der deutschen Delegation in der Beratenden Versammlung des Europarats

1967
Mitglied des Europäischen Parlaments

Rezeption

1947
Ehrendoktortitel der Technischen Hochschule Karlsruhe

1969
Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland

1970
Medaille des Europäischen Parlaments in Gold

1981
Ehrenmedaille der Stadt Karlsruhe

Ehrenmitglied des SPD-Kreisverbands Karlsruhe

Ehrenmitglied der Europaunion

Literatur

»Ein bewußter Karlsruher«. Der frühere SPD-Abgeordnete Corterier feierte 80. Geburtstag, in: Amtsblatt der Stadt Karlsruhe, 26. Juli 1986.

Josef Werner: »Engagement für Südweststaat war ein Fehler«. Kritik und Selbstkritik. Fritz Corterier feiert heute seinen 80. Geburtstag, in: Badische Neueste Nachrichten, 19. Juli 1986.

Horst Ferdinand: Louis Wilhelm Fritz Corterier, in: Baden-Württembergische Biographien, 2, 1999, S. 81-84.

Manfred Koch (Hrsg.): Im Mittelpunkt der Mensch. Parlamentsreden Karlsruher SPD-Abgeordneter, Karlsruhe 2001, S. 149-152.

Vierhaus Herbst 2002, S. 126.