Fritz (Louis Wilhelm) Corterier

Verfolgung
März 1933
Corterier publiziert am 12. März 1933 in der Zeitschrift »Deutsche Republik« einen Aufsatz. Er kritisiert darin den Einfluss des Nationalsozialismus auf die deutsche Studentenschaft. In der NS-Zeitschrift »Die Bresche« wird Corterier daraufhin persönlich verunglimpft und als »Talmud-Zögling« bezeichnete.
15.11.1933
Corterier studiert an der Universität Heidelberg und an der Handelsschule Mannheim mit dem Ziel einer Promotion. Aus politischen Gründen wird ihm jedoch am 15. November 1933 das weitere Studium verweigert. Er darf auch keine andere deutsche Hochschule besuchen. Grundlage für diese Entscheidung ist ein Erlass des badischen Ministers für Kultus und Unterricht vom 18. August 1933, der die »Säuberung der Hochschulen von marxistischen und sonstigen volksfeindlichen Studenten« vorschreibt.
Biografie
1916
Scharnhorst-Realschule in Wunstorf
Erlangung der Primareife an der Lutherschule in Hannover
1923
Kaufmännische Lehre in einer Export-Import-Firma in Bremen
1927
Studium der Wirtschaftswissenschaften an den Handelshochschulen in Berlin und Mannheim sowie an den Universitäten Tours und Heidelberg
1928
Mitglied des Sozialistischen Deutschen Studentenbunds und der Vereinigung Republikanischer Studierender
1929
Eintritt in die SPD
Leitung der südwestdeutschen Sektion der Republikanischen Studentenvereinigung
1931
Stellvertretender Reichsvorsitzender der Republikanischen Studentenvereinigung
1933
Prüfung als Diplom-Kaufmann
1933
Tätigkeit als Sportberichterstatter
1934
Eröffnung eines Steuerberatungsbüros in Karlsruhe
1934
Lehrer an einer privaten Handelsschule
1939
Kriegsdienst im Zweiten Weltkrieg, unter anderem bei der Marine-Artillerie in Nordfrankreich
1945
Britische Kriegsgefangenschaft
1950
Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Karlsruhe
1958
Stellvertretendes Mitglied in der deutschen Delegation in der Beratenden Versammlung des Europarats
1967
Mitglied des Europäischen Parlaments
Rezeption
1947
Ehrendoktortitel der Technischen Hochschule Karlsruhe
1969
Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
1970
Medaille des Europäischen Parlaments in Gold
1981
Ehrenmedaille der Stadt Karlsruhe
Ehrenmitglied des SPD-Kreisverbands Karlsruhe
Ehrenmitglied der Europaunion
Literatur
»Ein bewußter Karlsruher«. Der frühere SPD-Abgeordnete Corterier feierte 80. Geburtstag, in: Amtsblatt der Stadt Karlsruhe, 26. Juli 1986.
Josef Werner: »Engagement für Südweststaat war ein Fehler«. Kritik und Selbstkritik. Fritz Corterier feiert heute seinen 80. Geburtstag, in: Badische Neueste Nachrichten, 19. Juli 1986.
Horst Ferdinand: Louis Wilhelm Fritz Corterier, in: Baden-Württembergische Biographien, 2, 1999, S. 81-84.
Manfred Koch (Hrsg.): Im Mittelpunkt der Mensch. Parlamentsreden Karlsruher SPD-Abgeordneter, Karlsruhe 2001, S. 149-152.
Vierhaus Herbst 2002, S. 126.