Georg Mall

Verfolgung
27.03.1933
Mall ist Mitglied im Gemeinderat Donaueschingen. Dort wird am 27. März 1933 ein Antrag eingebracht, Reichspräsident Paul von Hindenburg und Reichskanzler Adolf Hitler die Donaueschinger Ehrenbürgerschaft zu verleihen. Mall stimmt gegen den Antrag mit dem Hinweis, man vergebe keine Ehrungen vor Taten. Ab diesem Zeitpunkt wird Mall die Teilnahme an Sitzungen des Gemeinderats verweigert.
06.07.1938
Mall ist Bauunternehmer und äußert sich am 6. Juli 1938 kritisch vor seinen Angestellten über Hermann Göring, den Reichsbeauftragten für den Vierjahresplan. Zeugenaussagen zufolge soll Mall gesagt haben: »Der Göring mit seinem fetten Ranzen, mit seinem Vierjahresplan, der meint, vor ihm soll alles auf dem Bauch kriechen. Wenn er sagt, wir sind Arschlöcher, dann sind wir alle Arschlöcher.« Daraufhin stellt die NSDAP-Kreisleitung 30. Juli 1938 Strafanzeige gegen Mall wegen eines Vergehens gegen das »Heimtückegesetz« (Gesetz gegen heimtückische Angriffe auf Staat und Partei und zum Schutz der Parteiuniformen). Die Staatsanwaltschaft stellt das Untersuchungsverfahren jedoch am 7. September 1938 ein, da beide Zeugen vorbestraft sind und ihre Aussagen zu einer Anklageerhebung nicht ausreichen.
Biografie
Sohn eines Bauunternehmers
Realschule in Donaueschingen
Studium der Architektur an der Technischen Hochschule Karlsruhe
ab 1897
Mitglied der Burschenschaft Arminia Karlsruhe
Tätigkeit in der Schweiz, Italien (Beteiligung am Bau des Grandhotels in Gardone am Gardasee) und in Kiel (Beteiligung am Bau des Rathauses in Kiel)
1907
Nach dem Tod des Vaters Übernahme des väterlichen Betriebs und Leitung der Schwarzwälder Ziegelwerke
Mitarbeit an der architektonischen Neugestaltung Donaueschingens (Ausführung des Baus des Donaueschinger Rathauses)
1910
Mitglied im Gemeinderat von Donaueschingen
1913
Vorsitz der Gesellschaft der Musikfreunde Donaueschingen
1914
Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg
1920
Kreisrat des Kreises Villingen
In der Weimarer Republik Eintritt in die DDP
Dezember 1939
Kriegsdient im Zweiten Weltkrieg in der Wehrmacht als Major und Bataillonskommandeur
1945
Mitglied des Gemeinderats und Beigeordneter in Donaueschingen
1946
Eintritt in die Demokratische Partei (ab 1948 FDP Südbaden)
1946
Kreisrat im Kreis Villingen
1946
Vizepräsident des badischen Landtags
1946
Beirat der Industrie- und Handelskammer Konstanz
Rezeption
1948
Ehrenpräsident der Gesellschaft der Musikfreunde Donaueschingen
1953
Ehrenbürger von Donaueschingen
Literatur
Lorenz Honold: Der Mann an der Basis der Kommunalmusikfeste. Erinnerungen an den Donaueschinger Architekten und Kommunalpolitiker Georg Mall (1878-1956), in: Almanach Schwarzwald-Baar-Kreis, 4,1980, S. 166-169.
Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft, 1/4, Heidelberg 2000, S. 18-19.
Weik 2003, S. 96.
Kühnel 2009, S. 54.